HSV Hamburg

Schwalb: „Von solchen Spielen haben wir immer alle geträumt“

| Lesedauer: 5 Minuten
Maximilian Bronner
HSVH-Vizepräsident Martin Schwalb war zuletzt Coach der Rhein-Neckar Löwen. Dessen sportlichem Leiter  Oliver Roggisch will er am Sonntag „den einen oder anderen Spruch reindrücken“.

HSVH-Vizepräsident Martin Schwalb war zuletzt Coach der Rhein-Neckar Löwen. Dessen sportlichem Leiter Oliver Roggisch will er am Sonntag „den einen oder anderen Spruch reindrücken“.

Foto: Witters

Am Sonntag gastieren die Rhein-Neckar Löwen beim Bundesligaaufsteiger. Für dessen Vizepräsidenten ist die Partie eine besondere.

Hamburg.  Oliver Roggisch benötigt an diesem Sonnabendabend vermutlich ein dickes Fell. Nach der Anreise aus Mannheim ist der sportliche Leiter der Rhein-Neckar Löwen mit Martin Schwalb zum Abendessen verabredet. „Da werden wir uns schon mal den einen oder anderen Spruch reindrücken“, kündigt der Vizepräsident des HSV Hamburg (HSVH) an. „Am Ende wollen wir aber zusammen Spaß haben und uns nicht gegenseitig aufziehen.“

Dass Schwalb diese Einschränkung hinterherschiebt, dürfte in erster Linie zwei Gründe haben. Zum einen sind Roggisch und Schwalb seit Jahren eng miteinander befreundet. Daran änderte auch der von Schwalb gewählte Abschied als Löwen-Trainer am Ende der vergangenen Saison nichts. Und zum anderen weiß Schwalb ganz genau, dass er vor dem Heimspiel des HSVH gegen den großen Favoriten am Sonntag (16 Uhr/Sky) mit großen Tönen besser vorsichtig sein sollte.

Schwalb ist zurück beim „Herzensprojekt“ HSVH

„Die Chancen sind natürlich nicht besonders groß. Die Löwen sind gut eingespielt und individuell besser besetzt als wir. Aber lasst uns das Spiel erst einmal spielen – man hat immer eine Chance“, sagt Schwalb. Nach der Entlassung von Trainer Kristjan Andrésson hatte der ehemalige HSV-Handball-Erfolgscoach die Löwen im Februar 2020 übernommen. Im Juli kehrte er dann in sein Amt als HSVH-Vizepräsident zurück, nachdem er die Mannheimer auf einen European-League-Platz geführt hatte.

„Es ist toll zu sehen, dass Hamburg wieder ein Punktspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen hat. Von solchen Spielen haben wir immer alle geträumt“, sagt Schwalb, der in erster Linie wegen der Nähe zu seiner Familie und seinem „Herzensprojekt“ HSVH an die Elbe zurückgekehrt war.

HSVH: Jansen erkundigte sich bei Schwalb

„Die sind seit Jahren unter den besten fünf Bundesligateams. Das ist nicht einfach, sich so lange dort oben zu behaupten“, weiß Schwalb. Mit dem Schweizer Andy Schmid (38) und Supertalent Juri Knorr (21) haben die Löwen gleich zwei der besten Spielmacher der gesamten Liga in ihren Reihen. Am Kreis wartet mit Jannik Kohlbacher (26) ein weiterer gestandener Nationalspieler. „Dazu haben sie mit Uwe Gensheimer den vielleicht besten Linksaußen, den es überhaupt gibt. Der kann unglaubliche Tore machen“, sagt Schwalb.

Logisch, dass sich HSVH-Trainer Torsten Jansen bei Schwalb nach dem starken Gegner erkundigte. „Wir haben über ein paar Sachen gesprochen. Er hat aber auch kein Patentrezept“, sagt Jansen. Natürlich sei er mit Jansen im Austausch, erklärt Schwalb. „Toto bereitet das Team aber selber vor. Ich übernehme nicht die Trainerrolle.“ Eine mögliche Schwäche der Löwen sei die fehlende Konstanz, sagt Schwalb. „Da kann man den Motor zum Stoppen bringen. Sie haben ab und zu ein paar Minuten, in denen sie nicht so gut spielen. Dann muss man hellwach sein – zumindest, um das Ergebnis in Grenzen zu halten.“

Schwalbs Hände waren nass vor Aufregung

Zuletzt leistete sich der HSVH beim 26:31 beim Bergischen HC einen phasenweise schwachen Auftritt. „Beim BHC haben wir ein bisschen Lehrgeld bezahlt. Da waren wir zu naiv, haben die Bälle zu leicht hergegeben. In der Bundesliga darf man sich keine längere Schwächeperioden erlauben“, sagt Schwalb.

Für den 58-Jährigen sind die wechselhaften Leistungen auch eine Frage fehlender Erfahrung. „Bei meinen ersten Bundesligaspielen hatte ich den Ball nicht einmal in der Hand, weil meine Hände vor lauter Aufregung zu nass waren. Die Jungs müssen ein bisschen Selbstvertrauen tanken, dann wird das auch funktionieren“, sagt Schwalb.

Trotz der eindeutigen Kräfteverhältnisse gehe es für den HSVH darum, „nicht in Ehrfurcht zu erstarren“, betont Jansen. „Wir dürfen uns nach einem Tor nicht zwei Sekunden lang ärgern und die Zeit verplempern, sondern müssen selber den Angriff nach vorne suchen“, fordert er.

Schwalb verpasst das Spiel gegen die Löwen

Für das Spiel in der Barclays Arena sind erstmals nur genesene oder geimpfte Zuschauer zugelassen. Die Stadt genehmigte dafür erst am Dienstag 5000 Fans. Wegen der kurzen Verkaufsdauer dürfte die Arena trotz des attraktiven Gegners nicht ausverkauft sein. „Wir sind über jeden Zuschauer froh, der kommt. Es ist nicht einfach, in der kurzen Zeit so viele Fans zu mobilisieren“, sagt Schwalb.

„Ich hoffe, dass es jetzt vorwärts geht. Die 5000 Fans sind ein gutes Signal.“ Wegen seines Jobs als TV-Experte bei Sky wird er das Spiel nicht vor Ort verfolgen können. Oliver Roggisch dürfte also froh sein, dass ihm im Falle einer sportlichen Sensation noch mehr Frotzeleien erspart bleiben.

Das Zweitrundenspiel im DHB-Pokal gegen die Füchse Berlin wurde auf 6. Oktober (19 Uhr, Barclays Arena) terminiert. Sky überträgt live. Das Bundesliga-Heimspiel gegen GWD Minden findet am 17. Oktober (16 Uhr) in der Sporthalle Hamburg statt, auswärts ist der HSVH am 21. Oktober (19.05 Uhr) in Balingen-Weilstetten gefordert.