Handball

Martin Schwalb ist wieder der Vizepräsident des HSVH

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Catharina Jäckel und Rainer Grünberg
Das Führungstrio des HSV Hamburg (v. l.): Präsident Marc Evermann, Geschäftsführer Sebastian Frecke und Vizepräsident Martin Schwalb.

Das Führungstrio des HSV Hamburg (v. l.): Präsident Marc Evermann, Geschäftsführer Sebastian Frecke und Vizepräsident Martin Schwalb.

Foto: Witters

Handball Sport Verein Hamburg setzt nach dem Bundesliga-Aufstieg auf Jugend, Erfahrung und den Meistercoach.

Hamburg.  Im sechsten Stock des CS Business Centers ist die Sicht auf die HafenCity, die Elbe und die benachbarte Elbphilharmonie traumhaft. Der Handball Sport Verein Hamburg (HSVH) hatte wohl auch deshalb dieses Ambiente gewählt, um seinen Ausblick auf die anstehende Bundesligasaison etwas zu verschönern; ein Aufsteiger setzt sich nun mal eher bescheidende Ziele.

„Wir wollen mindestens zwei der 18 Mannschaften hinter uns lassen“, sagte Martin Schwalb, der nach anderthalbjährigem Gastspiel als Trainer des Ligakonkurrenten Rhein-Neckar Löwen wieder als Vizepräsident zum HSVH zurückkehrt. Er bleibt im Team mit Präsident Marc Evermann, den Geschäftsführern Sebastian Frecke und Florian Gehre zuständig für Sport, Marketing, Kommunikation, Networking – und was sonst noch so alles in einem Start-up anfällt.

Martin Schwalb hat Vertrauen in die neue Mannschaft des HSVH

Der ehemalige Meistercoach, der mit dem Vorgängerverein HSV Handball die deutsche Meisterschaft (2011) und die Champions League (2013) gewann, hat großen Respekt vor den kommenden Herausforderungen, vertraut aber der neuen Mannschaft: „Das Niveau der Liga ist vor allem bei den Vereinen im Mittelfeld der Tabelle zuletzt enorm gestiegen.

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Unser Team hat sich in den vergangenen fünf Jahren, wir sind ja als Verein 2016 in der Vierten Liga gestartet, aber unglaublich weiterentwickelt. Die Rasanz dieser Entwicklung lässt mich immer noch staunen. Da stehen jetzt Männer mit breiten Schultern in der Halle und keine schmächtigen Jungs mehr.“

Viele lernfähige Spieler beim HSVH

Hinzu kamen in diesem Sommer sechs erfahrene Erstligaspieler, allen voran Nationaltorhüter Johannes Bitter (38) und der dänische Olympiasieger und Weltmeister Casper Mortensen (31), die dem Team die erhoffte Stabilität und Mentalität geben sollen. In der Verpflichtung gestandener Profis sieht Schwalb keinen Paradigmenwechsel zur bisherigen Philosophie, der eigenen Jugend eine Chance zu geben: „Wir haben immer gesagt, wir sind ein Leistungssportverein.

Die Durchmischung muss stimmen, wollen wir Erfolg haben. Die Jungen werden von den Alten viel lernen. Und ich glaube, wir haben viele Spieler, die ganz schnell lernen.“ Entscheidendes werde von der Abwehr abhängen, „aber gerade hier haben wir uns gezielt verstärkt“. Realist Schwalb ist daher auch ein bisschen Optimist: „Die Jungs werden noch überrascht sein, welche Spiele sie alle gewinnen können.“

Neue Saison bleibt nicht nur sportlich eine Herausforderung

Cheftrainer Torsten Jansen (44), seit dem 29. März 2017 im Amt, damals in Liga drei, und sein Assistent Blazenko ­Lackovic (40) bildeten zudem „ein herausragendes Trainergespann“. Dennoch werde er es sich nicht nehmen lassen, wenn von den Coaches gewünscht, auch mal in der Kabine Klartext zu reden. Evermann musste bei diesen Worten schmunzeln: „Martin wird schon die richtigen Sätze finden: sympathisch, empathisch, emotional und konstruktiv.“ Auf Schwalbs schelmische Nachfrage, „bin ich wirklich so schlimm?“, lächelte der Präsident seinen Freund milde an.

Die neue Saison bleibt nicht nur sportlich eine Herausforderung, vier Millionen Euro Etat, doppelt so viel wie vergangene Spielzeit in der 2. Bundesliga, mussten erst einmal beschafft werden. Geschäftsführer Frecke hofft nach der Präsentation des Hauptsponsors, vermutlich noch in dieser Woche, einen Haken hinter die ambitionierte Zahl machen zu können. Auch weitere Bundeshilfen sind bis Ende des Jahres angekündigt.

Dauerkatenabsatz ist gut angelaufen

Der Faktor Zuschauereinnahmen erschwert indes weiter die Kalkulationen. Frecke rechnet damit, die Heimspielstätten Sporthalle Hamburg (9 Spiele) in Winterhude und die Barclays Arena (8 Spiele) im Volkspark im Saisondurchschnitt mindestens zur Hälfte füllen zu können. Zum Auftakt am 8. September gegen Frisch Auf Göppingen plant der HSV Hamburg, 4500 Tickets für die Arena im Volkspark verkaufen zu können. Geimpfte, Genesene und Getestete sind willkommen, der Verein hat darüber als Hausherr die letzte Entscheidung.

Auch der Dauerkatenabsatz ist gut angelaufen, etwas mehr als 1000 Abonnements wurden in den vergangenen drei Wochen abgesetzt. Sollten in dieser Saison die Fans bei einzelnen Begegnungen wieder ausgesperrt werden, würden die anteiligen Kartenkosten erstattet.

HSV Hamburg mit Jugendzertifikat ausgezeichnet

Eine Auszeichnung erhielt der HSV Hamburg schon vor dem ersten Saisonwurf. Die Handball-Bundesliga (HBL) zeichnete den Verein mit dem Jugendzertifikat aus, erstmals in der Geschichte sogar mit Sternchen. Die erfolgreiche Nachwuchsarbeit, betonte Präsident Evermann, wäre ohne die großzügige Unterstützung der Alexander-Otto-Sportstiftung nicht möglich gewesen, „vielleicht würde es diesen Verein ohne diese Hilfen gar nicht mehr geben“, ergänzte Schwalb.

Mehr als eine Million Euro zahlte die Stiftung in den vergangenen fünf Jahren an den Verein, Evermann übergab auch deshalb dem Stiftungsvorsitzenden Rando Aust die Urkunde der HBL. Die Wege bleiben auch hier kurz. Martin Schwalb sitzt im Kuratorium der Stiftung und spielt mit Alexander Otto Golf.