Handball

HSV Hamburg ist Aufstiegsfavorit

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Leif Tissier (r.) lässt Lukas Blohme vor dem Wurf stehen.

Leif Tissier (r.) lässt Lukas Blohme vor dem Wurf stehen.

Foto: Witters

Zweitligahandballer haben nach dem 29:22 über den VfL Gummersbach die besten Chancen im Aufstiegsdreikampf.

Hamburg.  Wer am späten Mittwochabend noch nach einem Beweis dafür suchte, dass der HSV Hamburg (HSVH) dem VfL Gummersbach im Spitzenspiel der 2. Handball-Bundesliga einen echten Wirkungstreffer verpasst hatte, der wurde auf der Gummersbacher Ersatzbank fündig. Das Spiel war bereits seit einer Dreiviertelstunde beendet, die Mannschaften waren längst in ihren Kabinen verschwunden.

Im Hintergrund kratzten die Abbauhelfer schon die Werbebanner vom Boden der Sporthalle Hamburg, als Gäste-Rechtsaußen Lukas Blohme noch immer wie versteinert mit leeren Augen dasaß. Es schien, als wollte er nicht glauben, was in den zwei Stunden zuvor passiert war. Und doch prangte auf der Anzeigetafel noch immer das Ergebnis, das sich für den Gummersbacher wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt haben dürfte: 29:22.

Kaum Anlass zu Kritik

Auch HSVH-Trainer Torsten Jansen, der normalerweise keine Gelegenheit auslässt, um auf die Euphoriebremse zu drücken, schlenderte nach der Schlusssirene mit einem breiten Grinsen der Kategorie „Habt ihr das gesehen?“ auf die wartenden Pressevertreter zu. „Chapeau, zu der Leistung fällt mir nicht viel ein. So eine erste Halbzeit zu spielen: Hut ab“, lobte Jansen sein Team.

Tatsächlich gab es kaum Anlass zu Kritik. Im Tor ließ Jens Vortmann Gummersbachs Angreifer mit 15 Paraden und einer überragenden Quote von über 44 Prozent gehaltener Bälle reihenweise verzweifeln. Vorne waren Kreisläufer Niklas Weller (acht Tore) und Spielmacher Leif Tissier (sechs) nicht zu stoppen, die Gästedeckung war eines Spitzenspiels mitunter nicht würdig.

Gummersbach wie eine adipöse Feierabendtruppe

„Das war ein richtig geiles Spiel“, sagte Weller, der Gummersbachs Mittelblock häufig wie ein Rammbock auseinandertrieb. Bei schnellen Angriffsbewegungen und Pässen Tissiers wirkte der ehemalige Deutsche Meister und nominelle Ligaprimus mitunter wie eine adipöse Feierabendtruppe.

Was der Sieg aber tatsächlich wert ist, zeigt der Blick auf die Tabelle. Der HSVH (35:5 Punkte) baute seine Tabellenführung auf Verfolger Gummersbach (2. Platz; 29:9) und den Tabellendritten TuS N-Lübbecke (27:9) weiter aus. Da die Hamburger nun auch die direkten Vergleiche mit den beiden Aufstiegskonkurrenten (nur die ersten beiden Teams steigen auf) für sich entschieden haben, beträgt der inoffizielle Vorsprung sogar fünf Punkte.

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„Am liebsten würde ich sagen, dass der Sieg außer den zwei Punkten gar nichts wert ist. Es ist aber schon ein kleines Ausrufezeichen, auch durch den direkten Vergleich“, sagte Weller. Da es erst Ende Mai zum direkten Aufeinandertreffen zwischen Gummersbach und Lübbecke kommt, dürfte der Hamburger Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz nochmals anwachsen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der HSVH noch 16 Spiele vor sich hat. Bereits an diesem Sonntag (17 Uhr/sportdeutschland.tv) kommt der EHV Aue in die Sporthalle Hamburg. „Gegen Aue haben wir uns in der Vergangenheit häufig schwergetan. Die sind nicht gerade für eine Kuschelabwehr bekannt. Das ist aber völlig okay und macht den Handball auch aus“, sagte Weller mit einem selbstbewussten Grinsen, das die Konkurrenz als Drohung auffassen darf.

( bron )