Handball

HSVH trotzt Corona-Sorgen – sogar der Co-Trainer spielt mit

Spielmacher Leif Tissier (20; auf dem Foto während des Spiels gegen HSG Konstanz) war in Großwallstadt mit sieben Toren bester Hamburger Werfer.

Spielmacher Leif Tissier (20; auf dem Foto während des Spiels gegen HSG Konstanz) war in Großwallstadt mit sieben Toren bester Hamburger Werfer.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Trainer Jansen muss auf die Hälfte des Kaders verzichten. Dennoch gelingt ein Sieg – vor den Augen eines Weltmeisters.

Hamburg/Aschaffenburg. Feste müssen zelebriert werden, scheinen sie sich beim TV Großwallstadt gedacht zu haben. Komme, was wolle: Trotz Corona-Pandemie, beschränkter Zuschauerkapazität und trotz eines Hamburger Gegners, der quarantänegeplagt mit dem allerletzten Aufgebot anreisen sollte, zog der frühere Handballmeister und Zweitliga-Wiederaufsteiger in die größere Frankenstolz Arena nach Aschaffenburg um. So wie sonst nur im Prestigeduell gegen Gummersbach, am Nikolaustag oder beim Silvesterspiel. 996 Zuschauer waren zugelassen, 570 kamen, darunter Kurt Klühspies (68), TVG-Idol und Handballweltmeister von 1978.

Ein Festtag allerdings wurde es nur für die Gäste: Mit 28:27 (13:13) feierten neun tapfere Feldspieler und zwei Torhüter des HSV Hamburg einen aufopferungsvoll erkämpften Auswärtssieg. Nach den weiteren Corona-Fällen Nummer sieben bis acht im Team musste Trainer Torsten Jansen ohne vier Stammkräfte auskommen. Die Kapitäne Lukas Ossenkopp (27/Rückraum) und Niklas Weller (27/Kreis) befinden sich ebenso in Quarantäne wie Außen Tobias Schimmelbauer (33) und Mittelmann Philipp Bauer (24).

Da jedoch die Hälfte des 16er-Kaders zur Verfügung stand, wurde angepfiffen. So sehen es die Ligastatuten vor. Zwei Spielverlegungen hatte es bei den Hamburgern schon gegeben, in der Liga konnten zum zweiten Mal in Folge nur fünf von neun Spielen ausgetragen werden. Die Pandemie ist allgegenwärtig.

Comebacker Lackovic "unheimlich stolz" auf das Team

„Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft, auf jeden einzelnen. Richtig großen Respekt für die Leistung, einfach nur ein geiles Gefühl“, kommentierte Blazenko Lackovic den Erfolg, der den HSVH als einziges Zweitligateam nach drei Spielen verlustpunktfrei in der Spitzengruppe der Tabelle thronen lässt. Der kroatische Co-Trainer hatte seine Karriere im Sommer beendet, stand nun als Notnagel mit auf dem Spielberichtsbogen. „Ich habe das mit ,Toto’ abgesprochen: Wenn ich komme dann nur für die letzten Minuten in einer offensiven Abwehr“, sagte Lackovic.

Der 39-Jährige sollte entscheidend beitragen. Beim Stand von 20:23 (49.) elf Minuten vor Schluss beorderte Jansen Lackovic in den Mittelblock, stellte auf eine offensive 3:2:1-Deckung mit Abfangjäger Leif Tissier an der Spitze um. „Das war neben einer überragenden Teamleistung und einer Portion Glück, die auch dazu gehört, der Schlüssel“, analysierte aus der Ferne Geschäftsführer Sebastian Frecke.

Großwallstadt leistete sich anschließend die Fehler und Fehlwürfe, die Mitte der zweiten Halbzeit die Hamburger mit vier Toren in Rückstand gebracht hatten (16:20/42.). Drei Minuten vor Schluss gewann Lackovic hinten den Ball, U-19-Jungspund Thore Feit (17) traf vorne vom Kreis zum Führungswechsel (27:26/ 58.). Am Ende profitierte der HSVH von einem Pfiff der Schiedsrichter, die beim letzten TVG-Angriff den Ball am Fuß eines Spielers sahen.

HSVH-Spitzenspiel gegen Hamm verschoben

Die verbliebenen Rückraumkönner Tissier (7 Tore), Jan Forstbauer (6) und Dominik Axmann (5), nach Corona-Infektion in seinem ersten Saisonspiel, übernahmen 60 Minuten lang Verantwortung. Torhüter Jonas Maier ebnete mit elf Paraden in Halbzeit eins den Weg. Bei Großwallstadt sah Torjäger Marko Matijasevic nach Foul an Tissier früh (12.) die Rote Karte.

Das nun anstehende Spitzenspiel in eigener Halle gegen den ASV Hamm-Westfalen ist von Freitag auf Sonnabend (18 Uhr) verschoben worden. Die vier Quarantäne-Profis sollen wieder dabei sein, am Mittwoch beziehungsweise am Freitag zurück ins Training kehren können. Ob auch Zuschauer in die Sporthalle Hamburg kommen dürfen, ist unsicher. Der Verein hat den Vorverkauf unter den 1300 Dauerkarteninhabern ausgesetzt, will Anfang der Woche Beratungen seitens der Politik abwarten.

Finanzielle Hilfe soll von der Stadt kommen. SPD und Grüne planen, allen Hamburger Sportvereinen eine Million Euro zur Verfügung zu stellen. Das Geld soll bei den Kosten für Hygienemaßnahmen entlasten. Der HSVH rechnet mit 60.000 bis 80.000 Euro, die in dieser Saison allein die Corona-Tests kosten.

HSV Hamburg: Maier (12 Paraden), Kokoszka – Tissier (7 Tore), Forstbauer (6), Axmann (5/2 Siebenmeter), Gertges (4/2), Bergemann (3), Feit (2), Kleineidam (1), Lackovic, Fick (nicht eingesetzt).