Handball

HSV-Hamburg-Chef: „2021 wollen wir um den Aufstieg spielen“

HSVH-Spielmacher Leif Tissier beim Wurf auf das gegnerische Tor. Der 20-Jährige kommt aus der eigenen Jugend und hat einen Vertrag bis 2021.

HSVH-Spielmacher Leif Tissier beim Wurf auf das gegnerische Tor. Der 20-Jährige kommt aus der eigenen Jugend und hat einen Vertrag bis 2021.

Foto: Leonie Horky / WITTERS

Präsident Marc Evermann über die Entwicklung der Handballer, neue Erlösquellen und den Ausbau der Sporthalle Hamburg.

Hamburg.  Mit 3697 Besuchern im Schnitt hat der Handball Sport Verein Hamburg (HSVH) nach der Weihnachtsbegegnung in der Barclaycard Arena (20:24 gegen Ferndorf) wieder die Tabellenführung in der 2. Bundesliga übernommen – in der Zuschauergunst. „Wir sind grundsätzlich auf dem richtigen Weg“, sagt dann auch HSVH-Präsident Marc Evermann (48) im Gespräch mit dem Abendblatt. Mittelfristiges Ziel bleibe die Rückkehr in die Bundesliga. In der nächsten Saison will der Club um den Aufstieg mitwerfen, „wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür stimmen“, betont der Unternehmer.

Hamburger Abendblatt: Herr Evermann, das Sportjahr 2019 endete für Ihren Verein am 2. Weihnachtsfeiertag zwar mit einer Niederlage, aber die geschah vor einer erneut stimmungsvollen Kulisse in der Barclaycard Arena. Kommt da bei Ihnen vor der EM-Punktspielpause bis Anfang Februar nicht ein klein bisschen Wehmut auf?

Marc Evermann: Warum? Wir können trotz der ärgerlichen, aber verdienten Niederlage gegen Ferndorf mit diesem Jahr zufrieden sein und sind mehr als dankbar für fast 9000 Zuschauer beim Weihnachtsspiel. Wir sind als Verein in allen Bereichen besser geworden. Diesen Trend wollen wir 2020 fortsetzen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Es wissen alle Beteiligten, worum es sportlich und wirtschaftlich im Kern geht.

Trauern Sie nicht den zahlreich vergebenen sportlichen Chancen nach? Statt am Ende der ersten Tabellenhälfte könnte der HSV Hamburg bei auswärts konstanteren Leistungen mit an der Spitze der 2. Liga stehen.

Langsam, langsam. Im ersten Halbjahr 2019 haben wir uns als Aufsteiger in der 2. Bundesliga behauptet, in dieser Saison sind uns im zweiten Halbjahr die nächsten Entwicklungsschritte gelungen. Gerade unsere jungen Spieler haben ihre Leistungen gesteigert, so wie wir uns das erhofft hatten. Was Sie ansprechen ist unsere Auswärtsschwäche. Da hatten wir immer mal wieder unerklärlich schwache 15 Minuten, die unser Spielkonzept durcheinandergebracht und uns einige Punkte gekostet haben, obwohl wir in den meisten dieser Begegnungen nicht das schlechtere Team waren. Das müssen wir in der Rückrunde deutlich besser machen und konsequenter sein.

Haben Sie das Ziel Bundesliga-Aufstieg für diese Saison bereits abgeschrieben, oder denken Sie jetzt noch darüber nach, Verstärkungen zu holen, um noch ambitioniert in den Aufstiegskampf eingreifen zu können?

Der Abstand zu den Aufstiegsplätzen ist im Moment doch schon ziemlich groß, aber die Rückrunde wird zeigen, welches Potenzial die Mannschaft in dieser Saison umsetzen kann. Es gibt zudem keinen Spieler auf dem Markt, der zu einem bezahlbaren Preis sportlichen Erfolg garantieren würde.

Sie könnten mit Nachverpflichtungen jedoch die Wahrscheinlichkeit erhöhen.

Wir spielen nicht Vabanque. Das Geld für teure Spieler haben wir noch nicht, es müsste von unseren bestehenden und neuen Partnern kommen. Warum aber sollten wir, frage ich Sie, unseren bisherigen Weg verlassen? Wir sind alle überzeugt, dass er der richtige ist. Wir bilden mit unserem herausragenden Trainerteam um unseren Chefcoach Torsten Jansen Talente aus, setzen auf die Entwicklung unserer eigenen Spieler. Das Konzept ist bislang aufgegangen. Mit Tobias Schimmelbauer und Jens Schöngarth haben wir vor der Saison zwei erfahrene Profis geholt, die zusätzlich Stabilität ins Team bringen sollten.

Beide waren lange Zeit verletzt und bisher selten ein sportlicher Faktor.

Da haben wir noch Potenzial, das wir in der zweiten Saisonhälfte hoffentlich abrufen können. Auch andere Verletzte wie Rückraumshooter Finn Wullenweber oder Jan Kleineidam und Dominik Axmann sollten uns, wenn sie im Februar wieder fit sind, wichtige Impulse geben können. Wir haben eine tolle junge Mannschaft, die längst nicht ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Wir verstärken uns derzeit aus uns selbst heraus.

Sie setzen auf die Jugend, haben dort auch Erfolge wie aktuell wieder bei der U19 vorzuweisen, das prestigeträchtige Jugendzertifikat der Handball-Bundesliga erhalten Sie dennoch nicht, weil der HSV Hamburg keine zweite Mannschaft oder einen Kooperationspartner in der 3. Liga hat. Was hindert Sie, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen? Das Drittligateam der HG Hamburg-Barmbek böte sich doch als Partner an.

Das Thema zweite Mannschaft wird bei uns immer mal wieder diskutiert. Bisher haben wir uns dagegen entschieden, weil dieses Team – Stand jetzt – in der untersten Spielklasse anfangen müsste. Das bringt unserem Nachwuchs sportlich rein gar nichts. Eine festgeschriebene Kooperation mit einem Hamburger Verein haben wir bisher nicht geschlossen, da wir, das ist unser Ansatz, prinzipiell mit allen Hamburger Handballclubs gut zusammenarbeiten wollen. Wir möchten Hamburgs Talente ausbilden, und wenn diese den Sprung in unsere erste Mannschaft nicht schaffen sollten, könnten sie bestens ausgerüstet in ihre Stammvereine zurückkehren. Das sehen wir bereits.

Zurück zur ersten Mannschaft: Nicht in dieser Saison, aber wann wollen Sie in die Bundesliga aufsteigen? Ihr Sportchef Martin Schwalb betont immer wieder, dass der HSV Hamburg ein Leistungssportverein sei.

Wir hatten einmal grob einen Dreijahresplan für die 2. Bundesliga entworfen: In der ersten Saison sollte die Klasse gehalten werden. Das haben wir mit Anstand geschafft. In der zweiten wollten wir uns tabellarisch und sportlich verbessern. Danach sieht es immer noch aus. In der dritten Spielzeit wollen wir, wenn möglich, den Bundesliga-Aufstieg angehen.

Vor einem halben Jahr sagten Sie uns, dass für derartige Ambitionen in Hamburg die Rahmenbedingungen fehlten, vor allem eine größere Spielhalle für bis zu 7000 Zuschauer. Die wird es aber weder 2021 noch 2022 in der Stadt geben.

In der Bundesliga bräuchten wir, um nicht permanent gegen den Abstieg zu werfen, einen Etat von mindestens fünf bis sechs Millionen Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie in dieser Saison. Dazu benötigten wir eine möglichst große Anzahl weiterer Partner, die diesen Weg langfristig unterstützen. Wir müssen wachsen. Da bin ich aber optimistisch, das halte ich für machbar. Darüber hinaus müssten wir an unseren Heimspieltagen mehr Geld verdienen als bisher. Das wird die größere Herausforderung, weil die Bedingungen in der Sporthalle Hamburg uns hier Grenzen setzen.

Die Stadt Hamburg hat Ideen ins Spiel gebracht, um die Kapazität der Sporthalle von derzeit 3500 auf etwa 5000 Zuschauer zu erhöhen. Gibt es da bereits Konkretes?

Wir sind in gutem Austausch mit der Stadt, mit Senator Andy Grote und Sportstaatsrat Christoph Holstein. Beide unterstützen uns. Mit zusätzlicher Hintertor-Bestuhlung haben wir ja gegen Lübeck-Schwartau schon 200 Besucher mehr in die Halle bekommen. Da geht künftig sicherlich noch einiges. In der Bundesliga würden wir zudem versuchen, mehrere Saisonspiele in der Barclaycard Arena auszutragen. Auch das scheint möglich. Wichtig bleibt aber, dass wir in der Sporthalle Hamburg ein besseres Ausgaben-Einnahmen-Verhältnis hinbekommen. Wir müssen dort unsere Kostenstruktur optimieren und insgesamt die Erlöse steigern.

Wie soll das gelingen? Die Einnahmemöglichkeiten, Werbe- und Darstellungsflächen sind hier doch weitgehend ausgeschöpft. Sie sind darüber hinaus beim Catering an bestehende Verträge der Stadt gebunden, bei denen Sie keinen Cent verdienen.

Alles, was im Umlauf der Halle außerhalb der VIP-Räume geschieht, darauf haben wir derzeit leider keinen Einfluss. Auch auf die Preisgestaltung nicht. Deshalb suchen wir nach kreativen Lösungen. Wir überlegen, einen VIP-Raum für junge Leute einzurichten. Die Tickets dafür müssten preiswerter sein, dafür gibt es eben nur Currywurst und Burger zu essen. Ein DJ könnte dazu Musik auflegen. Das hätte den Vorteil, gezielt jüngeres Publikum anzulocken. Grundsätzlich brauchen wir in dieser Halle mehr Flächen, die wir für Aktionen und die Darstellung unserer Partner nutzen können.

Im März müssen Sie bei der Handball-Bundesliga den Etatentwurf für die nächste Saison abgeben. Wie wird der aussehen?

Das ist ja eine riesige betriebswirtschaftliche Herausforderung, dass Sie, ein halbes Jahr bevor die nächste Saison beginnt, schon genaue Vorstellungen haben müssen, wie diese mit welchen Spielern wie sportlich verlaufen soll. Ich gehe derzeit davon aus, dass wir uns finanziell gegenüber der laufenden Saison steigern können. Dafür bedarf es in den nächsten drei Monaten sehr harter Arbeit und weiterer Innovationen in der Vermarktung.