Handball

So plant der HSV Hamburg den Neuaufbau in der Dritten Liga

Jens Häusler, 48, soll auch in der Dritten Liga Trainer der HSV-Handballer bleiben. Das Team soll dann mit bis zu vier Spielern verstärkt werden

Jens Häusler, 48, soll auch in der Dritten Liga Trainer der HSV-Handballer bleiben. Das Team soll dann mit bis zu vier Spielern verstärkt werden

Foto: dpa

HSV-Handballer vor Neuanfang – Klagegefahr weitgehend abgewendet – Spiele in der Barclaycard-Arena möglich. Etat beträgt eine Million.

Hamburg.  Der Handball-Sport-Verein (HSV) Hamburg scheint auf seinem Weg in die Dritte Liga nicht mehr aufzuhalten zu sein. Sportlich sowieso nicht. Nach dem 19. Saisonerfolg, dem 36:29 am Sonntagabend in der Volksbank Arena gegen den TuS Esingen, braucht die Mannschaft von Trainer Jens Häusler nur noch drei Siege aus fünf Spielen, um aufzusteigen. Wichtiger aber noch: Die Rahmenbedingungen für die Neuaufstellung des Vereins nehmen allmählich Konturen an.

Bis zum 30. April hat der HSV noch Zeit, einen Antrag für die neue Spielklasse zu stellen. Dass der kommt, „daran gibt es jetzt keinen Zweifel mehr“, sagt Interimspräsident Sven Hielscher – selbst wenn der HSV II, der nach dem Rückzug aus der Bundesliga faktisch die erste Mannschaft ist, den Aufstieg noch verspielen sollte. Denn nach dem Lizenzentzug stünde dem HSV in der Dritten Liga ein Startplatz zu.

Dass nach der Betriebsgesellschaft auch der Verein Insolvenz anmelden muss, droht derzeit nicht. Die Altschulden sind zwar nicht getilgt, allerdings konnte mit allen Gläubigern ein Aufschub erzielt werden. Der größte Erfolg bei den jüngsten Verhandlungen war jedoch ein anderer: Die Gefahr, dass andere Vereine oder die Bundesliga den e. V. als Lizenznehmer für wirtschaftlichen Schaden in Haftung nehmen, der ihnen durch den Lizenzentzug und den Rückzug aus der Bundesliga entstanden ist, ist offenbar gebannt. Betroffen waren vor allem jene sieben Clubs, die gegen den HSV in diesem Jahr noch ein Heimspiel ausstehen hatten.

HSV tritt mit hohem Drittliga-Etat an

Inzwischen liegen dem HSV von fast allen potenziellen Klägern schriftliche Verzichtserklärungen vor. André van de Velde, der frühere Fanbeauftragte, steht dem Präsidium dabei als Rechtsanwalt beratend zur Seite. Die Dokumente bedeuten für den Verein Planungssicherheit und sind bei den Verhandlungen mit möglichen Sponsoren von großem Wert. Vom Ausgang der Gespräche hängt ab, mit welchem Aufwand der Neuaufbau angegangen werden und wie prominent die jetzige Oberligamannschaft verstärkt werden kann. Derzeit geht die Vereinsspitze um Hielscher, Schatzmeister Jürgen Rütsch sowie dem ehemaligen Meistertrainer Martin Schwalb und Rechtsaußen Stefan Schröder, dem einzigen verbliebenen Profi, von einem Etat für den Gesamtverein in Höhe von etwa einer Million Euro aus, womit der HSV aus Liga drei herausragen würde.

„Wir würden aber auch mit weniger Geld starten“, sagt Hielscher, „entscheidend ist, dass wir solide haushalten und nicht wie in früheren Zeiten Geld ausgeben, das wir nicht erwirtschaften.“ Am Gesamtkonstrukt des Vereins sei aber nicht zu rütteln. Der HSV will weiter von der A- bis zur E-Jugend Handball anbieten. Mittelfristig soll sich der Aufwand bei der Nachwuchsarbeit auch für das erste Team lohnen. Die Trainingszeiten in der Volksbank-Arena wie auch Teile der dortigen Geschäftsstelle dürften dem HSV erhalten bleiben. Darauf hat man sich mit dem Eigentümer, der Alexander-Otto-Sportstiftung, verständigt.

Die Stiftung gewährte einen deutlichen Mietnachlass. Für die Heimspiele der künftigen ersten Mannschaft reichen die offiziell 300 Zuschauerplätze aber nicht mehr aus. Die Entscheidung über die künftige Spielstätte scheint bereits gefallen zu sein: für die Sporthalle Hamburg. Ein entsprechender Wunsch wurde an Sportstaatsrat Christoph Holstein herangetragen. Die Alternativen CU-Arena Neugraben (zu weit am Stadtrand), Inselparkhalle Wilhelmsburg (für Basketball ausgelegt) und Sporthalle Wandsbek (schlechte Verkehrsanbindung) wurden verworfen.

Comeback in der Barclaycard Arena möglich

Der HSV würde zu seinen Wurzeln zurückkehren. Schon die ersten Bundesligaspiele der Clubgeschichte fanden im Herbst 2002 hier statt, bevor im November die heutige Barclaycard Arena fertiggestellt war. Für Pokal- und Europacupspiele wich der HSV bis zuletzt in die Winterhuder, im Volksmund Alsterdorfer Sporthalle aus. Die ist mit 4200 Sitzplätzen zwar für einen Drittligisten überdimensioniert. Bei Heimspielen könnten aber die Außenränge abgehängt und die Fantribüne an der Stirnseite entfernt werden.

Möglicherweise gibt der HSV sogar ein Comeback in der Barclaycard Arena, einem der Hauptgläubiger der bankrotten Betriebsgesellschaft. Geschäftsführer Uwe Frommhold bot den Handballern an, für einzelne Partien, zu Saisonbeginn oder vor Weihnachten, wieder das lieb gewonnene Wohnzimmer, zumindest dessen Unterrang (6500 Plätze), zu beziehen. Hielscher: „Wir werden die Möglichkeit prüfen.“

Die nächste Mitgliederversammlung wurde für den 18. April (19 Uhr) im Alexander-Otto-Saal im Haus des Sports (Schäferkampsallee 1) terminiert.