Nach Insolvenz

Findet Hamburg doch eine Lösung für Spitzenhandball?

Hamburgs Handball könnte mit einem blauen Auge aus der Insolvenz davonkommen

Hamburgs Handball könnte mit einem blauen Auge aus der Insolvenz davonkommen

Foto: TimGroothuis / Witters

Nach der Insolvenz des HSV Hamburg will die neue Premier Handball League das Vakuum füllen. Auch neuer Mannschaftsname steht schon.

Hamburg.  Statt zur Arbeit ging es für viele Mitarbeiter der HSV Handball Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG am Montagmorgen zur Arbeitsagentur. Insolvenzverwalter Gideon Böhm hatte sie zuvor von ihren Aufgaben freigestellt. Die meisten Spieler sind auf dem Absprung. Ein für Freitag geplantes Testspiel des früheren deutschen Meisters und Champions-League-Siegers beim Zweitligisten Coburg wurde abgesagt. Am Mittwoch will die Bundesliga entscheiden, ob dem Verein die Lizenz für die laufende Saison entzogen wird. Der Zwangsabstieg zu Saisonende wäre unvermeidlich, die sofortige Abmeldung vom Spielbetrieb wohl auch.

Ein Umweg über die Dritte Liga ist derzeit die wahrscheinlichste Chance, um langfristig den Spitzenhandball in Hamburg zu etablieren. Aber nicht die einzige. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will 2019 die Premier Handball League (PHL) an den Start gehen. Nach dem Vorbild der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA sollen sich in der neuen Spielklasse von Februar bis Dezember zwölf Mannschaften aus europäischen Metropolen messen. Auf- und Abstieg sind nicht vorgesehen. Geplante Standorte: Berlin, Barcelona, Paris, Moskau – und nach Abendblatt-Informationen auch Hamburg.

„Da die Premier Handball League als Franchise-Liga geplant ist, wäre eine Auferstehung des HSV überhaupt kein Problem“, sagte PHL-Geschäftsführer Wolfgang Gütschow dem Abendblatt. „Eine Teilnahme an der Bundesliga ist nicht Voraussetzung, um in der PHL zu starten. Außerdem hätte man mehr als zwei Jahre Zeit zur Planung.“

Mannschaft soll Hamburg Captains heißen

Der Spielermanager Gütschow, 53, gehört zu den einflussreichsten Akteuren im Welthandball. Sieben HSV-Profis werden von ihm beraten, unter ihnen Kapitän Pascal Hens, 35. In dem früheren Nationalspieler sieht Gütschow „die Persönlichkeit, mit der sich so etwas aufbauen ließe“. Gespräche fänden in Kürze statt. Einen Teamnamen gibt es schon: Hamburg Captains.

Insgesamt sollen zwei deutsche Mannschaften in der PHL spielen. Neben Berlin, wo die Liga ihren Sitz beziehen soll, und Hamburg haben auch Kiel, Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen ein Angebot erhalten. Für die Vermarktung sieht Gütschow großes Potenzial, da es „nur Hammerspiele mit einer Mega-Play-off-Runde“ gäbe. Auch Profischiedsrichter, Videobeweis und Wurfuhren sind geplant.

Mit diesen Qualitätsmerkmalen will sich die neue Superliga entscheidend von der Champions League abheben. An der Eliteklasse des Europaverbands EHF bemängeln gerade die deutschen Spitzenvereine seit Jahren drei Dinge: Sie zwinge ihnen erstens zu viele Spiele auf, die zweitens oft unattraktiv seien, und lasse sie drittens zu wenig am Erfolg teilhaben. So schüttet EHF Schätzungen zufolge lediglich ein Viertel der Vermarktungserlöse von 14 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Beim Fußball verbleiben etwa drei Viertel der Champions-League-Erlöse in Höhe von 420 Millionen Euro bei den Clubs.

HSV liebäugelt mit neuen Plänen

Die neue Konkurrenz ist offenbar sehr ernst zu nehmen. Champions-League-Chef Peter Vargo hat dem „Handelsblatt“ zufolge bei der EHF gekündigt, um bei der PHL einzusteigen. Die könnte mittelfristig auch auf dem amerikanischen und asiatischen Markt expandieren. Thorsten Storm, Manager des THW Kiel, sprach von einer „Riesenchance für unseren Sport“. Bob Hanning, sein Amtskollege von den Füchsen Berlin, schwärmte von der Chance, „den Spitzensport dauerhaft in der Stadt zu haben“, plädierte aber für eine gemeinsame Lösung mit der EHF.

Auch in Hamburg finden die Pläne großen Anklang. Aufgrund der Situation will sich aber derzeit kein Verantwortlicher des HSV offiziell äußern. Das Präsidium traf am Nachmittag mit Böhm zusammen, um über die Möglichkeiten einer Fortsetzung des Spielbetriebs zu beraten. Der Insolvenzverwalter soll für Mittwoch eine Entscheidung angekündigt haben.

Das Oberligaspiel des HSV Hamburg II gegen den MTV Herzhorn am Sonntag (17 Uhr) verbleibt in der Volksbank-Arena. Die Zuschauerkapazität ist begrenzt. Obwohl mit großem Andrang gerechnet wird, wurde eine Verlegung der Partie verworfen.