HSV-Handballer

Oberrang der Barclaycard-Arena wird geschlossen

HSV-Handball-Geschäftsführer
Christian Fitzek

HSV-Handball-Geschäftsführer Christian Fitzek

Foto: picture alliance

Weil der Vorverkauf schleppend läuft, wird nur noch der Unterrang der Barclaycard-Arena geöffnet. 180 Dauerkartenkunden betroffen.

Hamburg.  Einige Fans der HSV-Handballer erhielten Anfang der Woche Post von ihrem Lieblingsverein. Man müsse den „lieben Dauerkarteninhabern leider mitteilen, dass wir den Oberrang aus organisatorischen Gründen schließen werden“. Für die erworbenen Dauerkarten würden „mit Ihnen zusammen“ neue Plätze im Unterrang der Barclaycard-Arena ausgesucht. Der HSV werde sich daher im Lauf der Woche telefonisch melden, stehe aber auch sonst jederzeit zur Verfügung, um „die genauen Gründe in einem persönlichen Gespräch“ zu erläutern.

Warum die Hamburger wenige Tage vor dem Bundesliga-Auftakt beim Aufsteiger SC DHfK Leipzig am Sonntag (17.15 Uhr) und vor dem ersten Heimspiel gegen den TBV Lemgo am 28. August (19.45 Uhr) ihre Anhänger mit der Maßnahme überraschen, ist naheliegend: „Wir haben schlichtweg nicht so viele Karten verkauft“, sagte Geschäftsführer Christian Fitzek. Gut 3700 Saisontickets seien bislang abgesetzt worden. Damit liege man zwar auf Vorjahresniveau. Die erhoffte Trendwende allerdings ist ausgeblieben.

180 Dauerkartenkunden seien von der Schließung betroffen. „Für eine solche Anzahl lohnt es sich nicht, den Oberrang zu öffnen“, sagte Fitzek. Für die Betroffenen sei die Versetzung aber ein „Upgrade: Sie bekommen einen besseren Platz fürs gleiche Geld.“

Etwa 5000 Sitzplätze stehen im Oberrang zur Verfügung. Die waren schon in der vergangenen Saison größtenteils frei geblieben. Werden die Zugänge nun komplett geschlossen, spart der HSV schätzungsweise 5000 Euro Hallenmiete pro Spiel. Geld, das der Club weiterhin gut gebrauchen kann, nachdem er im vergangenen Jahr die Insolvenz nur knapp abwenden konnte.

Weil damals zudem die sportlichen Erfolge ausblieben, hatte der HSV in der vergangenen Saison einen Einbruch bei den Zuschauerzahlen hinnehmen müssen: von durchschnittlich 8847 in der Saison 2013/14 auf nur noch 6692 – und damit auf das Niveau der Premierenspielzeit 2002/03 (6700). Schon damals war der Oberrang der Arena häufig verschlossen geblieben und mit schwarzen Tüchern abgehängt worden, wodurch die Kapazität auf etwa 8000 Plätze reduziert wurde. Auf das Abhängen, das dem Gefühl der Leere entgegenwirken soll, will der HSV aber verzichten.

Zu Spitzenzeiten in den Jahren 2009 bis 2011 wollten durchschnittlich mehr als 10.000 Besucher die Heimspiele sehen, der Bestwert aus der Meistersaison 2010/11 (10.690) ist Bundesligarekord. Inzwischen aber scheint die Halle am Volkspark dem HSV zu groß geworden zu sein. „Sie ist für uns Fluch und Segen zugleich“, sagt Fitzek. Von jeder verkauften Eintrittskarte müsse er mehr als sechs Euro für Fixkosten abzwacken. Da bleibt bei Preisen ab 14,50 Euro nicht viel an Gewinn übrig. Eine alternative Spielstätte zieht der Europapokalfinalist aber nicht in Erwägung. Zumal für Spitzenspiele wie gegen Flensburg-Handewitt am 9. September der Oberrang geöffnet werde.

Überhaupt rechnet Fitzek für die kommende Saison mit einem verstärkten Einzelkartenabsatz. Viele Fans scheuten vor einem Abonnement zurück, solange der Spielplan für die Rückrunde noch nicht bekannt ist. Dass sie am Ende kein Ticket ergattern, müssen sie nicht befürchten. Langfristig aber will der HSV wieder den Blick nach oben richten. Fitzek: „Es kann nicht unser Ziel sein, dauerhaft vor 5000 Zuschauern zu spielen.“