HSV Handball

Mahé jubelt bei Facebook über seinen Flensburg-Deal

Kentin Mahé (l.) wechselt zur SG Flensburg-Handewitt

Kentin Mahé (l.) wechselt zur SG Flensburg-Handewitt

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Spielmacher Kentin Mahé wechselt vorzeitig zum Nordrivalen. HSV-Neuzugang Casper Mortensen wird den Weltmeister kaum ersetzen können.

Hamburg.  So ausgelassen wie auf dem Bild, das die SG Flensburg-Handewitt am Montag auf ihre Facebook-Seite hochlud, hat man Kentin Mahé lange nicht mehr jubeln gesehen: den Mund zum Freudenschrei aufgerissen, beide Hände zur Faust geballt. Aus der rechten ragt noch der Stift heraus, mit dem er gerade den Vertrag unterschrieben hat, der vor ihm auf dem Schreibtisch liegt und der ihn für die kommenden drei Jahre an den Verein bindet. Hinter Mahé steht Freundin Franziska, auch sie zeigt die Siegerfaust.

Den Offiziellen des HSV Hamburg muss das Foto sauer aufgestoßen sein. Nicht genug damit, dass ihr wohl bester Handballer den Verein ein Jahr vor Vertragsende verlässt und zum Nordrivalen wechselt. Mahé, 24, der französische Weltmeister, lässt die Welt auch noch an seiner Erleichterung darüber teilhaben, dass ihm der HSV die Freigabe gegen die in solchen Fällen übliche Ablöse erteilt hat.

„Wir finden es schade, dass Kentin uns verlässt. Er ist mit dem Wunsch an uns herangetreten, weshalb wir uns dann zusammengesetzt und schließlich auf einen Auflösungsvertrag geeinigt haben“, sagte HSV-Geschäftsführer Christian Fitzek. Erst 2013 war Mahé aus Gummersbach zum HSV gekommen. Der hatte damals gerade die Champions League gewonnen.

Doch die Hoffnungen, die Mahé an den Wechsel geknüpft hatte, haben sich wohl nie erfüllt. Erst wurde ihm kurzfristig der spanische Weltklassemann Joan Cañellas vor die Nase gesetzt. Da der spätere Welthandballer Domagoj Duvnjak beim damaligen HSV-Trainer Martin Schwalb auf der Position des Spielmachers gesetzt war, fand sich Mahé nicht selten als überzähliger Profi auf der Tribüne wieder. Wenn überhaupt, durfte er auf der von ihm weniger geliebten Linksaußenposition auf einen Einsatz hoffen.

Vor einem Jahr dann wechselten Duvnjak und Cañellas nach Kiel. Plötzlich war der Weg für Mahé auf der Mitte unter dem neuen Trainer Christian Gaudin frei – doch hatte die Mannschaft, die er führen sollte, nach den Wirren um die Lizenzvergabe viel von ihrer einstigen Qualität eingebüßt.

Mahés Abgang reißt Vakuum in HSV-Kader

Nächste Saison ist der HSV erstmals nach zehn Jahren nicht im Europapokal vertreten. Und das lag am wenigsten an Mahé. Wie im Zeitraffer entwickelte er sich in der Rückrunde zum Führungsspieler, glänzte durch Spielwitz und Wurfkraft und übernahm die Verantwortung, wann immer sie den anderen über den Kopf wuchs. Kurzum: er war das Herz des HSV-Spiels.

Umso größer ist das Vakuum, das sein Abgang nun in den Kader reißt. Fitzek gab sich zwar zuversichtlich: „Wir haben mit Neuzugang Allan Damgaard einen hervorragenden Playmaker in unserem Team und werden darüber hinaus den Spielermarkt weiterhin aktiv beobachten.“ Doch Mahé gleichwertig zu ersetzen ist kaum möglich.

„Spieler seiner Qualität sind nur selten auf dem Markt“, sagt Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke, „Kenny ist der vielseitige Mann, der uns gefehlt hat.“ Mahé („Ich freue mich wahnsinnig, Flensburg ist ein europäischer Spitzenverein“) ist nach Kreisläufer Henrik Toft Hansen und dem Halblinken Petar Djordjic der dritte prominente Hamburger, der nächste Saison für die SG aufläuft. Nachdem der HSV in der Vergangenheit (mit Schmäschke als hauptamtlichem Präsidiumsmitglied) ein halbes Dutzend Flensburger abwarb, scheint das Pendel nun zurückzuschlagen.

„Keine Entscheidung gegen Hamburg“

Beim Champions-League-Sieger von 2014 haben sie derzeit offenbar mehr zu bieten als bei dem von 2013: mehr Geld dank des Engagements zweier Kommanditisten, einen Champions-League-Startplatz und Kontinuität in der Führung. SG-Trainer Ljubomir Vranjes ist von Mahés Qualitäten als Spielmacher und auch als vorgezogener Abwehrspieler überzeugt. Auch dieses Vertrauen mag Mahé bisher vermisst haben, wenngleich sein Berater Fançois-Xavier Houlet versichert: „Es war keine Entscheidung gegen Hamburg, sondern für Flensburg.“

Noch scheint der HSV ein attraktiver Arbeitsplatz im Handball zu sein. Für Casper Mortensen jedenfalls wurde mit seinem am Montag verkündeten Wechsel nach Hamburg „ein Traum wahr“. Nach sieben Jahren in der dänischen Liga, zuletzt bei SønderjyskE, und 51 Länderspielen fühlt sich der Linksaußen „bereit für die stärkste Liga der Welt“. Mortensen, 25, erhielt einen Dreijahresvertrag. Mit seinen 1,90 Meter könnte er für den künftigen Trainer Michael Biegler eine Option auch für den Rückraum sein.