HSV Handball

“Einige haben die Saison offenbar schon abgehakt“

Ging mit seinen Spielern hart ins Gericht: Geschäftsführer Christian Fitzek

Ging mit seinen Spielern hart ins Gericht: Geschäftsführer Christian Fitzek

Foto: WITTERS

Nach der historischen Niederlage in Lemgo kritisiert HSV-Handball-Geschäftsführer Fitzek Einstellung und Aufstellung

Hamburg.  Das übliche Regenerationstraining nach dem Spiel ließ Jens Häusler am Montagmorgen ausfallen. Wenn, dann mussten sich seine HSV-Handballer ja mental erholen von der 26:45-Niederlage, die ihnen der TBV Lemgo am Vorabend zugefügt hatte. Und dafür braucht man keinen Fitnessclub. „Die Spieler sollen sich pflegen, durchatmen, zu Kräften kommen, auf andere Gedanken“, sagt Häusler. Eine Trainingseinheit noch, vielleicht zwei, mehr will er seinen Profis vor dem Saisonfinale gegen den VfL Gummersbach am Freitag (20 Uhr, O2 World) auch gar nicht mehr zumuten.

Jede Aktion birgt ja das Risiko, dass sich noch jemand verletzen könnte. Auf acht Spieler hatte Häusler in Lemgo verzichten müssen. An diesem Umstand kommt man bei der Aufarbeitung der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichte nicht vorbei. Der alte Negativrekord ist fast so alt wie der HSV selbst: 22:37 in der Premierensaison 2002/03, ebenfalls in Lemgo.

Damals war der TBV auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft und der HSV auf einem Abstiegsplatz. Diesmal waren die Hamburger wenn schon nicht als Spitzenmannschaft, so doch als Europapokalfinalist in die Lipperlandhalle gekommen und trafen auf einen Abstiegskandidaten.

Tatsächlich aber hatte dieser HSV nicht viel mit dem zu tun, der in diese nun historisch schlechte Saison gestartet ist. „Wir haben mit sechs Mann aus dem Kreis der U23 agiert“, sagt Häusler. „Wir hatten keine Torhüterleistung. Und Lemgo hat brachial um den Klassenerhalt gekämpft. Da kann so etwas passieren.“

Kann. Muss aber wohl nicht. Für Geschäftsführer Christian Fitzek jedenfalls ist die dramatische Ausfallquote keine befriedigende Erklärung für den desolaten Auftritt der Mannschaft. Er hatte daran auch 24 Stunden später noch „zu kauen wie an einem zähen Stück Fleisch, das nicht heruntergehen will“. Die Verletzten seien nur einer von drei Faktoren für das legendäre Debakel. Den zweiten hätten die Spieler zu verantworten: „Einige haben die Saison offenbar schon abgehakt.“

Namen wollte Fitzek nicht nennen, aber Spekulationen liegen nahe. Zum Beispiel Max-Henri Herrmann. Der Torhüter hatte sich vergangene Woche mit seiner öffentlichen Kritik am Verein („Hier sind Sachen passiert, die so nicht gehen“) den Unmut der Führung zugezogen. In Lemgo lieferte er mit sechs Paraden unfreiwillig die Erklärung, warum der HSV seinen Vertrag nicht verlängert hat – was ihn wiederum mit dazu bewog, seine Karriere im Alter von nur 21 Jahren zu beenden.

Auch der Halblinke Alexandru Simicu scheint in seinen letzten Hamburger Tagen vor seinem Wechsel nach Saint-Raphaël (Frankreich) nicht gewillt, sich in bleibende Erinnerung zu spielen. Das fiel umso mehr auf, als der von Flensburg verpflichtete Kreisläufer Henrik Toft Hansen auch in seinem vorletzten Spiel für den HSV kämpfte wie um einen neuen Vertrag.

Petar Djordjic, der ebenfalls nach Flensburg geht, sah indes keine Veranlassung, den Eingriff an seiner gebrochenen Nase aufzuschieben, und hatte sich abgemeldet. Andere wollten, konnten aber nicht. Pascal Hens etwa, der schon länger von einem Infekt geplagt wird und wie Matthias Flohr unter Medikamenteneinfluss stand. Spielmacher Kentin Mahé (Fuß), Torsten Jansen (Gesäß) und Torwart Johannes Bitter (Leiste) waren erst gar nicht spielfähig, genau wie die langfristig verletzten Hans Lindberg, Davor Dominikovic, Johan Petersson und Stefan Schröder.

Fitzek allerdings nahm indirekt auch den scheidenden Trainer Häusler in die Verantwortung, indem er sagte: „Gegen Ende der Partie standen ein paar junge Spieler zu viel auf dem Feld.“ Den Abstiegskampf aber habe man nicht beeinflusst, auch wenn das vor allem Mindens Fans anders sehen wollen: „Bis auf Bietigheim haben wir ja gegen alle Absteiger verloren.“

Auch Mindens Manager Horst Bredemeier wollte keine Anklage erheben: „Wir müssen nicht auf Hamburg sauer sein, sondern uns an die eigene Nase fassen. Es ist bitter, als Viertletzter mit 25, vielleicht sogar 27 Punkten abzusteigen. Aber wir haben es selbst versaubeutelt. Der HSV wird sich über die Niederlage selbst am meisten ärgern. Das hat auch etwas mit Image zu tun.“

Dieses gilt es am Freitag vor den eigenen Fans wieder aufzupolieren. Vom Erfolg dürfte auch abhängen, ob es danach noch auf die übliche Saisonabschlussreise nach Mallorca geht.