Der Schattenmann hält die Serie fest

HSV-Handballer feiern mit 33:25 gegen Friesenheim vierten Sieg nacheinander – Sorge um Toft

Hamburg. Max-Henri Herrmann, 20, trommelte sich auf die Brust, als sei er ein Spross der Feuersteinfamilie. Bam, bam! Der HSV-Handballtorhüter mit der quadratischen Statur pushte sich in seinen 39 Minuten Einsatzzeit (so viel wie noch nie in seiner Bundesligakarriere) zu stattlichen zwölf Paraden. Er war beim 33:25 (15:14)-Heimsieg gegen Aufsteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim die personifizierte breite Brust, die der HSV endlich wieder herausstemmen kann – nach dem vierten Sieg in Serie, mit dem man nun in der Bundesliga ein ausgeglichenes 10:10-Punktekonto hat. Und das vor den Augen von Vereinsmäzen Andreas Rudolph, der sich erstmals in dieser Saison ein Heimspiel live ansah.

Hamburgs Trainer Christian Gaudin, zuletzt ja nicht mehr so experimentierfreudig, gab gegen den Tabellenvorletzten auch einmal wieder Nachwuchskräften die Chance. Alexander Feld, der Friesenheim aus der vergangenen Zweitligasaison aus dem Effeff kennt, bekam seine Einsatzminuten in der ersten Halbzeit, auch das naturgewaltige Vereinseigengewächs Tim-Oliver Brauer steuerte einen Treffer bei. Und ebender Deutschfranzose Herrmann bekam seine Chance. „Er hat auch noch kleine Fehler gemacht, aber er ist jung“, sagte Gaudin, selbst Ex-Torwart und selbst Franzose, überkritisch. Johannes Bitter hatte da mehr Lob übrig für seinen Schattenmann: „Guter Mann, ich freu mich, so einen hinter mir zu haben“, sagte Bitter, der in den ersten 21 Minuten der Partien im Kasten stand, als die Mannschaft insgesamt schwach agierte und keinen Zugriff in der Abwehr bekam. Außerdem tankte sich „Eulen“-Routinier Stephan Just (insgesamt acht Tore) klasse durch. „In der Anfangsphase haben wir ‚Jogi‘ im Stich gelassen“, sagte Stefan Schröder, der diesmal ungewohnt als Halbrechter neben Hans Lindberg agierte. „Adi Pfahl brauchte mal eine Verschnaufpause nach seinen tollen Wochen“, meinte Schröder.

Die Gäste aus Rheinland-Pfalz hatten eine Odyssee bei der Anfahrt erlebt: Wegen des Bahnstreiks mussten sie mit Privat-Pkw nach Hamburg fahren. „Wir haben extra die Spieler so verteilt, dass keiner selber fahren musste“, schilderte Trainer Thomas König.

Aber an der Müdigkeit der Friesenheimer lag es nicht, dass die HSV-Profis in der zweiten Halbzeit gleich mit einem 7:0-Lauf begannen. „Wir haben einfach richtig losgelegt“, sagte Bitter. „Und am Ende waren wir dann sehr souverän.“ Die 5188 Zuschauer jedenfalls johlten, und Kapitän Pascal Hens gelang sogar noch ein Dreher, der ihn selbst den Kopf schütteln ließ.

Hans Lindberg war mal wieder der beste HSV-Schütze mit sieben Treffern. Einen unglücklichen Abend erlebte Hamburgs dänischer Kreisläufer Henrik Toft Hansen, der in der zweiten Minute mit dem manchmal tapsigen 2,02-Meter-Mann Alexandru Simicu zusammengerasselt war und eine Schädelprellung erlitt. Ob und wie lange er ausfällt, war zunächst noch offen.

Tore, HSV Hamburg: Lindberg 7 (2 Siebenmeter), Mahé 6, Flohr 5, Simicu 5, Pfahl 3, Hens 2, Schröder 2, Schmidt 1, Brauer 1, Feld 1; Friesenheim: Just 8 (1), Lex 4, Kogut 4, Criciotoiu 3, Grimm 2, Tesch 2, Claussen 1, Unger 1. Schiedsrichter: Fratczak/Ribeiro (Kamp-Lintfort/Diepholz). Zuschauer: 5188. Zeitstrafen: 1; 2.