Handball-Bundesliga

Der HSV trifft auch ohne Tormaschine

Hamburgs Handballer besiegen trotz Lindbergs Treffschwierigkeiten mit Lübbecke 32:27 und wittern wieder eine Meisterschaftschance.

Hamburg. In Pep Guardiolas Situation kann sich Martin Schwalb gut hineinversetzen. Die Leute fragten sich, was der Bayern-Trainer denn wolle, wo seine Mannschaft doch von Sieg zu Sieg eile. „Aber er erkennt genau, dass viele Abläufe noch nicht so aussehen, wie sie sollten“, sagt Schwalb. So ähnlich gehe es auch ihm, dem Trainer des Handball-Champions-League-Siegers HSV Hamburg. Viel zu oft noch ertappe er seine runderneuerte Mannschaft dabei, dass sie über das nachdenke, was zu tun sei. „Das muss sukzessive besser werden.“

Wird es ja. Der aktuelle Stand wurde am Sonntagnachmittag in der O2 World ausgestellt. Am 32:27 (14:11)-Sieg im Bundesligaspiel gegen den TuS N-Lübbecke war vieles schon so, wie es sich Schwalb vorstellt: eine bewegliche Abwehr, ein schnelles Konterspiel und strukturierte Angriffe, die zum Ziel führen. Nur hätte bei all den guten Zutaten das Ergebnis noch mehr nach Schwalbs Geschmack ausfallen können, vielleicht sogar müssen: „Wir haben uns mit den vielen vergebenen freien Würfen selbst um einen besseren Lohn gebracht.“

Allein Hans Lindberg hätte den Unterschied zweistellig gestalten können. Aber der Rechtsaußen scheiterte mit all seinen fünf Versuchen, ehe ihn Schwalb durch Stefan Schröder ersetzte. „Ich kann mich nicht erinnern, dass unsere Tormaschine Lindberg einmal derart ins Stocken geraten ist“, sagte Schwalb, „aber da sieht man einmal, dass er auch nur ein Mensch ist.“

Der Gedanke liegt nicht fern, dass es sich um eine Nachwirkung der Roten Karte gehandelt hat, die Lindberg bei der Champions-League-Niederlage am Donnerstag in Flensburg erhalten hatte. Der Däne hatte mit einer unbesonnenen Aktion gegen Anders Eggert seine Flensburger Kollegen gegen sich aufgebracht, mit denen er im Januar bei der Europameisterschaft im eigenen Land den Titel verteidigen will.

Sicher ist, dass es am Donnerstag in Flensburg anders gelaufen wäre, hätte Domagoj Duvnjak mitgewirkt. Schwalb hatte seinen Star-Spielmacher aber geschont. Er sollte das vielleicht öfter in Erwägung ziehen. Duvnjak gab gegen die (allerdings auf neun Feldspieler dezimierten) Lübbecker eine nachdrückliche Empfehlung für seine Wahl zum Welthandballer des Jahres ab.

Die Statistik allein – zehn Tore aus zwölf Versuchen in 45 Minuten Spielzeit – vermag die Leistung des Kroaten nur unzureichend zu beschreiben. Ein ums andere Mal machte Duvnjak in der Spitze der offensiven HSV-Deckung den Lübbeckern den Ball abspenstig, und weil kein Mitspieler so schnell reagieren konnte, schloss er den Tempogegenstoß meist mit der ihm eigenen Dynamik selbst ab.

„Da sieht man mal, wie gut es Dule tut, wenn er regenerieren kann“, sagte Schwalb. Am Mittwoch (19.15 Uhr, Sporthalle Hamburg/Eurosport) böte sich im Champions-League-Spiel gegen La Rioja (Spanien) vielleicht wieder eine Pause an. Eher jedenfalls als im Bundesligaspiel gegen Lemgo am Sonnabend. Nachdem Flensburg den THW Kiel im Derby von der Tabellenspitze gestoßen hat, trennen den HSV nur noch zwei Minuspunkte vom Titelverteidiger. „Für die Liga ist es gut, dass vorn keine Mannschaft davonzieht“, sagte Torhüter Johannes Bitter. Und für seine Mannschaft auch. Halten sich die Hamburger bis dahin schadlos, böte sich am zweiten Weihnachtstag beim Spiel in Kiel die fast schon nicht mehr erhoffte Gelegenheit, wieder ins Meisterschaftsrennen einzusteigen.

Tore, HSV: Duvnjak 10, Pfahl 9, Schröder 4, Djordjic 3, Cañellas 3 (1 Siebenmeter), Hens 2, Mahé 1; Lübbecke: Pajovic 6, Schubert 6 (4), Gustafsson 3, Löke 3, Wilke 3, Langhans 3, Niewrzawa 2, Remer 1. Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal). Zuschauer: 7932. Zeitstrafen: 3; 4.