Pokalaus für HSV-Handballer

Wurfschwache Hamburger unterliegen Frisch Auf Göppingen mit 31:33 nach Verlängerung

Hamburg . Am Ende herrschte Gesprächsbedarf. Während die Spieler von Frisch Auf Göppingen ihren Pokalcoup feierten, stürmten die HSV-Handballer auf die Schiedsrichter ein. Der Frust brauchte ein Ventil nach der 31:33 (28:30, 27:27, 17:17)-Niederlage nach einer Verlängerung, deren zweite Hälfte die Hamburger ohne ihren Star Domagoj Duvnjak bestreiten mussten. Der Spielmacher hatte eine umstrittene doppelte Zeitstrafe erhalten. Tatsächlich aber hatte der Champions-League-Sieger seine erste Titelchance wohl eigenhändig weggeworfen. Selbst eine 26:22-Führung hatte nicht zum Einzug ins Achtelfinale gereicht. „Die Moral der Mannschaft war überragend“, sagte Trainer Martin Schwalb, „aber wir hatten nicht mehr die Power für Gegenstöße.“ Die Endrunde im April in der O2 World findet ohne Gastgeber statt.

Eine undankbare Aufgabe hatte Schwalb schon vor dem Anpfiff zu lösen: Welchem seiner erlesenen Profis sollte er einen freien Tag verordnen? Alle 17 Spieler hatten sich einsatzbereit gemeldet, nur 16 durften nominiert werden. Es war schließlich Blazenko Lackovic, dessen Name auf dem Spielberichtsbogen fehlte. Seine Aufgabe im linken Rückraum sollte Duvnjak übernehmen.

Als es nach einer Viertelstunde erstmals dazu kam, hatten der HSV und 1855 Zuschauer – so wenig wie noch nie bei einem Pokalheimspiel – längst gemerkt, dass der Pokal seine eigenen … lassen wir das. Jedenfalls spielte Göppingen keineswegs so verhalten auf, wie man es von einem Tabellen-14. erwarten dürfte, vielmehr wie eine Mannschaft, die aus dem verlorenen Bundesligaduell Anfang des Monats (29:31) in Erinnerung behalten hat, dass sie den HSV in Bedrängnis bringen kann.

Geduldig und klug spielten die Göppinger ihre Angriffe aus. Und so stand es also nach 15 Minuten 7:10, als HSV-Trainer Martin Schwalb seine Mannschaft neu sortierte. Er bestellte nun Joan Canellas zum Spielmacher und Duvnjak nach halblinks. Prompt gelangen fünf Tore hintereinander. Aber auch das war nicht die Wende in diesem launischen Spiel. Mit der zupackenden Art der Göppinger Abwehr tat sich der HSV weiterhin schwer. Viele Hamburger Tore waren Gewaltakte, während der Gegner oft leichtes Spiel hatte.

Dabei gingen die Göppinger fahrlässig mit ihren Großchancen um. Diesen Vorwurf immerhin konnte man den Hamburgern nicht machen. Allerdings hatte ihr Gegner auch keinen Johannes Bitter im Tor. Immer wenn seiner Mannschaft das Spiel zu entgleiten drohte, stellte er den Göppinger Würfen seine 2,05 Meter in den Weg, 19-mal insgesamt. „Ich war mir sicher, dass Jogis Paraden uns den Sieg bringen“, gestand später Abwehrchef Davor Dominikovic. Doch die entscheidende Parade gelang Göppingens Primoz Prost, als er 25 Sekunden vor Schluss den unglücklichen Adrian Pfahl am Ausgleich hinderte.

Das Achtelfinale wird am Sonntag vor dem Bundesliga-Spitzenspiel der Füchse Berlin gegen den HSV (17.15 Uhr/Sport1) von Diskus-Olympiasieger Robert Harting ausgelost. Der HSV wird trauriger Zuschauer sein.

Tore, HSV: Lindberg 9/5, Duvnjak 7, Hens 5, Markovic 3, Schröder 2, Flohr 2, Jansen 1, Nilsson 1, Canellas 1; Göppingen: Rnic 6/1, Späth 6, Lobedank 5, Kneule 4, Markez 3, Kraus 3, Oprea 2, Beljanski 2, Pevnov 1, Schiller 1. Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Dodendorf). Zuschauer: 1855. Zeitstrafen: 5; 3.