Basketball

Ängstlich, noch ängstlicher – Hamburg Towers

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Rupert Fabig
Machten keine gute Figur gegen Braunschweig, und das vor heimischer Kulisse: die Veolia Towers Hamburg (hier Len Schoormann im Zweikampf mit Robin Amaize)

Machten keine gute Figur gegen Braunschweig, und das vor heimischer Kulisse: die Veolia Towers Hamburg (hier Len Schoormann im Zweikampf mit Robin Amaize)

Foto: LeonieHorky / Witters

Das Team um den jüngst zum Cheftrainer berufenen Benka Barloschky ist in Schockstarre und verliert gegen den Tabellen-Vorletzten.

Hamburg.  Es braut sich etwas zusammen über den Veolia Towers Hamburg. Die 83:92 (18:25, 23:23, 29:22, 13:22)-Heimpleite vor 3400 Zuschauern in der erneut ausverkauften edel-optics.de Arena gegen den Vorletzten Basketball Löwen Braunschweig ist ein neuer Tiefpunkt in der Saison­ des Bundesligisten, der inklusive EuroCup nur drei der vergangenen 19 Partien gewonnen hat. Auch Benka Barloschky ist in den vier Spielen seit Übernahme des Cheftraineramts sieglos geblieben.

Über ihm braut sich jedoch nichts zusammen, er steht bis Saisonende nicht zur Debatte. Stattdessen überlegt der 35-Jährige, was er zusammenbrauen könnte, um seinem Team die offensichtliche Verunsicherung zu nehmen. „Wir begehen Fehler, die nicht passieren, wenn zuvor zwei Spiele in Folge gewonnen wurden“, klagte Barloschky. Die Suche nach dem Anxiolytica, dem Angstlöser, wird keine einfache. „Leider wacht man morgens nicht auf und ist plötzlich selbstbewusst. Es gibt meines Wissens keinen Zaubertrank dafür.“

Towers-Trainer Barloschky hofft auf einen Sieg

Sein Hausmittel gegen die Angstzustände, die sich vor allem in Form verlegter Korbleger, 20 teils haarsträubender Ballverluste und einer Paralyse in der Schlussphase offenbarten, lautet: „Uns im Training das Selbstvertrauen wieder zu erarbeiten, ein daraus resultierender Sieg würde wahre Wunder bewirken. Die Qualität haben wir, wir sind ein gutes Basketballteam.“

In dem allerdings einzig Spielmacher Kendale McCullum, dem in nur knapp 23 Minuten 26 Punkte gelangen, ohne Furcht aufzutreten scheint. Vielleicht sogar ein wenig übermütig, denn fünf Minuten vor Ende musste der US-Amerikaner mit seinem fünften Foul vorzeitig vom Feld. „In einer Liga, die für ihren physischen Stil bekannt ist, sollten solche Ticky-Tack-Fouls nicht gepfiffen werden“, beschwerte sich der 26-Jährige, von dessen Präsenz auf dem Parkett die Wilhelmsburger momentan gefährlich abhängig sind.

Ein Patentrezept gegen die Beklommenheit seiner Kollegen konnte jedoch auch McCullum nicht ausstellen. „Wir hatten offene Würfe, die wir einfach zu oft verfehlt haben. In solchen Momenten ist es wichtig, trotzdem positiv zu bleiben“, sagte er vage. Und immer wieder: „Wir müssen einfach anfangen, Spiele zu gewinnen.“

Panik kommt noch nicht auf – obwohl das womöglich gar nicht verkehrt wäre

Ja, aber wie sollen diese Siege eingefahren werden? Immerhin stellen sich unter Barloschky erste Detailverbesserungen ein. Die defensiven Rotationen kommen etwas schärfer – bis die mit einem Konflikt zwischen Fehlervermeidung und dem Zu-viel-Wollen beschäftigten Akteure am Ende nahezu jeden offenen Braunschweiger Abschluss gestatteten. Im Angriff gelingt den Hamburgern unter ihrem neuen Übungsleiter ein ausgewogenerer Spagat zwischen Distanzwürfen und Abschlüssen nahe dem Korb – die jedoch jeweils zu oft nervös an den Ring gesetzt wurden.

Panik kommt innerhalb der Mannschaft bislang jedoch nicht auf, was angesichts des Phlegmas womöglich gar nicht mal so verkehrt wäre. Barloschky jedenfalls schaut nicht auf die Bundesligatabelle, in der die Towers nun exakt so weit von den Play-off- wie von den Abstiegsrängen entfernt sind.

Willoughby betont, der Tabellenplatz sei "keine Schande"

Sportchef Marvin Willoughby macht das hingegen und hält fest: „Wir sprechen jetzt selbstverständlich nicht darüber, ob wir Heimrecht in den Play-offs schaffen. Es war nicht geplant, dass wir stehen, wo wir stehen, das ist aber auch keine Schande. Ich habe ein Problem mit der Erwartungshaltung, die an uns gestellt wird.“ Den Kader hält der Clubgründer weiter für potent genug, um nicht in ernsthafte Schlamassel zu geraten. Seine Zutat für den Zaubertrank lautet: „Positive Wut.“ Dazu sachlich im Training an technischen und taktischen Defiziten arbeiten.

Nicht ausgeschlossen, dass eine weitere Ingredienz eingekauft wird. „Natürlich“ sehe er sich weiter auf dem Spielermarkt um, betonte Willoughby. Entscheidend bei der Diskussion, welches Profil der potenzielle Neuzugang besitzen soll, sei weniger dessen Position als dessen Einstellung.

Towers-Rücklagen für Neuverpflichtungen sind ziemlich limitiert

„Ein Routinier hätte den Vorteil der Erfahrung, dass sich die anderen an ihm aufrichten können. Andererseits kommen solche Spieler nicht selten mit einem vorgefertigten Mindset und einer gewissen Erwartungshaltung. Vielleicht ist es sinnvoller, wieder einen jüngeren, hungrigen Mann zu holen, der die Intensität in Training und Spiel erhöht. Die ersten Eindrücke von Anthony Polite ermutigen uns dahingehend“, sagte der 44-Jährige.

Allerdings sind die Rücklagen der Towers nach Abendblatt-Informationen nach zwei Saisons, in denen Ex-Trainer Pedro Calles aus dem Vollen und womöglich auch darüber hinaus schöpfte, arg limitiert. Auch wegen inflationsbedingt gestiegener Kosten beim Bau des Trainingszentrums in Harburg. Ein Zaubergebräu für wirtschaftliche Potenz gibt es ebenfalls nicht. Willoughby muss also als Talentscout auf dem Spielermarkt zaubern, damit sich kein ganz großes Unwetter über seiner Mannschaft zusammenbraut.