Veolia Towers Hamburg

McCullum soll bei den Wilhelmsburgern der Rudelführer werden

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Rupert Fabig
Kendale McCullum (l.) hat immer Augen für den freien Mitspieler.

Kendale McCullum (l.) hat immer Augen für den freien Mitspieler.

Foto: FrankPeters / WITTERS

Der US-amerikanische Spielmacher möchte alle Zweifel daran beseitigen, ein Basketballteam zu Erfolgen tragen zu können.

Hamburg.  Einer, der vorzeitig aufgibt, ist Kendale McCullum gewiss nicht. Da kann das Training noch so anstrengend und schweißtreibend sein, seine knapp vier Liter fassende Megawasserflasche rührt der 26-Jährige erst nach Abschluss der Einheit an. Während des Spiels gebe es schließlich auch längere Phasen, in denen er sich nicht mit Flüssigkeit versorgen könne. Warum den Körper dann nicht an die regelmäßige Dehydrierung gewöhnen?

Was physiologisch sicher fragwürdig ist, passt allerdings sehr gut ins Bild des US-Amerikaners, der die Veolia Towers Hamburg als Aufbauspieler in die am 28. September beim deutschen Meister Alba Berlin beginnende Bundesligasaison führen soll. In der vergangenen Spielzeit hatte er mehrfach die Chance aufzugeben. Bei den JobStairs Gießen 46ers lief es für McCullum – und sonst lief gar nichts.

Veolia Towers Hamburg: McCullum stellte Bestwerte auf

Während der Spielmacher ligaweit Bestwerte bei den Korbvorlagen und Ballgewinnen aufstellte, trudelte der Traditionsclub dem Abstieg entgegen. Da sich interne wie externe Beobachter schnell einig waren, dass der sportliche Niedergang kaum an McCullum festzumachen war, erhielt dieser mehrere Offerten, Gießen während der laufenden Saison zu verlassen.

„Aber ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht. Wenn ich einen Vertrag unterschrieben habe, erfülle ich diesen auch. Letztlich war die Saison Fluch und Segen zugleich“, so McCullum, der nach erfolgreichen Stationen bei Zweitligist Uni Baskets Paderborn und dem finnischen Erst­ligisten Helsinki Seagulls in Gießen erstmals mit Negativerfahrungen in seiner Profikarriere umgehen musste.

"Kaum jemand hat den Coach respektiert"

„Für die meisten meiner Mitspieler haben nur ihre individuellen Leistungen gezählt, kaum jemand hat den Coach respektiert. Ich habe in dieser Zeit gelernt, alles auszublenden, was ich nicht direkt beeinflussen kann, und mich nur darauf konzentriert, dem Team die beste Chance zum Gewinnen zu geben“, sagt McCullum, der im Gegensatz zu vielen seiner Ex-Mitspieler noch ein sehr gutes Verhältnis zum damaligen Gießener Trainer Pete Strobl pflegt.

Nach der harten Zeit ist der 1,85-Meter-Mann aus dem US-Bundesstaat Illinois, dessen Schwester zur „Miss Illinois“ gewählt wurde, nun wieder glücklich in Hamburg. In Bergedorf hat er sich ein ruhiges Zuhause eingerichtet. Hier gefalle es besonders seiner Französischen Bulldogge Duke, in die McCullum vollkommen vernarrt ist. Und auch die egoistischen Tendenzen seiner Kollegen aus Gießen habe er bei keinem Towers-Akteur verspürt. Im Gegenteil: „Unsere größte Stärke ist die Selbstlosigkeit. Wir haben keinen klassischen Star im Team, was uns unausrechenbarer macht“, so McCullum.

Veolia Towers Hamburg: Finale Trainingswoche entscheidend

Die finale Trainingswoche vor dem Saisonstart ist vor allem für ihn als Spielmacher eine entscheidende. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, die EM-Rückkehrer Ziga Samar und Jonas Wohlfarth-Bottermann anzuleiten. „Wir müssen die beiden schnell auf unser taktisches Level hieven, sie haben sieben Wochen Rückstand“, sagt der starke Verteidiger, der mithilfe des Buches „German for Dummies“ (Deutsch für Dumme) fleißig Deutsch lernt und sich vorstellen kann, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. „Ich liebe es hier einfach. Alles ist so geordnet, die Liga entwickelt sich, dazu ist das Land sehr hundefreundlich“, sagt McCullum.

Doch zunächst muss er sein Rudel erfolgreich durch die Saison führen. Entgegen kommt McCullum, der nur auf dem Spielfeld ein Alphatier und ansonsten ein sehr entspannter Vertreter ist, dass mit Samar und James Woodard zwei weitere Spieler im Kader stehen, die den Ballvortrag übernehmen können. „Das nimmt eine Last von meinen Schultern“, so McCullum, mit dem die Towers schnell spielen werden, während die Offensive unter Leitung Samars strukturierter initiiert werden dürfte, um das Minimalziel Play-offs zu erreichen. McCullum wird darum kämpfen bis zum letzten Tropfen.

In der Qualifikation für die Champions League hat Ex-Tower Beau Beech mit KK FMP Belgrad (Serbien) mit 76:64 gegen CB Breogán (Spanien) gewonnen, für das nun Ex-Tower Justus Hollatz spielt. Der 21-Jährige kam drei Tage nach der EM noch nicht zum Einsatz.

( fab )