Basketball-Bundesliga

Hamburg Towers droht der Abgang von Topspieler Hollatz

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Alexander Berthold
Towers-Spielmacher Justus Hollatz (20) will seine Wurfquote verbessern und vom Talent zum Führungsspieler reifen.

Towers-Spielmacher Justus Hollatz (20) will seine Wurfquote verbessern und vom Talent zum Führungsspieler reifen.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Der Basketball-Nationalspieler hat einige Defizite aufgearbeitet und hofft auf eine NBA-Chance im Sommer 2022. Die Hintergründe.

Hamburg. Die noch junge Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL) hat bei Justus Hollatz bereits Spuren hinterlassen. Sein rechtes Auge ist nach einem Trainingsunfall blutunterlaufen, auch sein geschwollener rechter Mittelfinger sieht nur mit etwas Fantasie wie ein menschlicher Finger aus.

Eine Kapsel-und Bänderverletzung plagt ihn seit Wochen. „Nicht schlecht dafür, dass wir erst vor dem zweiten Spieltag stehen, oder?“, scherzt der 20 Jahre alte Point Guard, der mit den Hamburg Towers an diesem Mittwoch (18.30 Uhr/MagentaSport live) im ersten Heimspiel der Saison 2021/22 auf die Chemnitz Niners trifft.

Basketball-Bundesliga: Hollatz ist angekommen

Dass Hollatz mittlerweile über solche Blessuren lachen kann, unterstreicht den Entwicklungsprozess, den er durchgemacht hat. Hinter vorgehaltener Hand wurde in den vergangenen Jahren immer mal wieder seine Wehleidigkeit und Verletzungsanfälligkeit kritisiert, doch in diesem Sommer konnte er zum ersten Mal eine Vorbereitung komplett durchziehen. „Ich habe vier Kilo Muskelmasse zugelegt, wiege jetzt 94 Kilo. Das hilft mir in meinem Spiel, ich pralle jetzt nicht mehr so leicht an den Gegenspielern ab“, sagt der 1,91 Meter große Profi.

Ohnehin scheint es so, als sei Hollatz in der BBL angekommen. Das Spielmachertalent, sein Basketball-IQ und Passspiel waren in seiner Altersklasse schon immer herausragend. Inzwischen sind auch die Athletik und Professionalität hinzugekommen.

Hollatz wollte Wurfquote verbessern

Nach der abgelaufenen Saison hatte Hollatz einen Schwachpunkt seines Spiels ausgemacht, den er unbedingt ausmerzen wollte: die Wurfquote. Sowohl bei den Versuchen aus dem Zweipunktebereich (45,4 Prozent) als auch bei Dreipunktewürfen (27,3 Prozent) und Freiwürfen (55,1 Prozent) gehörte er zu den schwächsten Spielmachern der Liga.

Gemeinsam mit Co-Trainer Miguel Zapata (41) hat er deshalb Extraschichten geschoben, zwei Stunden lang Bälle aus zwei Metern Entfernung in den Korb geworfen, um Bewegungsabläufe zu trainieren. „Ich konnte eigentlich schon immer werfen, das Problem lag eher im Kopf“, verrät Hollatz, der deshalb die Hilfe eines Mentaltrainers angenommen hat. „Mich haben früher Fehlwürfe immer runtergezogen, jetzt sehe ich sie nicht mehr als schlimm an. Jeder Basketballer verwirft mal, ich mache einfach weiter“, sagt Hollatz.

Hollatz: „Ich will aggressiver spielen"

Der Youngster ist auf dem Weg, auf und neben dem Court erwachsen zu werden. In Interviews spricht der gebürtige Hamburger selbstbewusster und lauter. Er hat in dieser Saison den Anspruch, in seinem dritten Profijahr den Talentstatus bei den Towers abzulegen. „Ich will aggressiver spielen, lauter agieren und eine Führungsrolle einnehmen. Ich will das Spiel lenken, sei es verbal oder durch Pässe. Zudem will ich mir in der Offensive mehr zutrauen“, sagt Hollatz.

Die Entwicklung des Eigengewächses ist auch anderen deutschen und internationalen Clubs nicht verborgen geblieben. In diesem Sommer hatte sich Hollatz zwischenzeitlich für den NBA-Draft angemeldet, um in Nordamerika seinen Marktwert auszuloten. Loses Interesse von Teams aus der besten Liga der Welt gab es, weil einige Scouts begeistert waren von einem spielintelligenten Point Guard, der mit 1,91 Metern Körperlänge auch gute physische Voraussetzungen mitbringt.

Hollatz’ Vertrag bei den Towers läuft aus

Seine schwachen Wurfquoten waren aber auch in Übersee nicht verborgen geblieben. Kurz vor der Talente-Ziehung hatte sich der Hamburger daher wieder abgemeldet, weil man sich nur einmal in der Karriere für den Draft anmelden darf.

Im Sommer 2022 läuft Hollatz’ Vertrag aus. Gut möglich, dass er dann mit der Erfahrung aus BBL und EuroCup einen neuen Anlauf in der NBA nimmt. „Ich fokussiere mich jetzt auf diese Saison und will so erfolgreich spielen, wie es nur geht. Über alles andere habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt Hollatz, der von Dragan Jankovski (40) aus der renommierten Berateragentur Beo Basket vertreten wird.

Hollatz steht vor einer wichtigen Entscheidung

An Interessenten wird es nicht mangeln. In Deutschland würde für Hollatz ein Wechsel zu einem Team der Kategorie EWE Baskets Oldenburg oder Ratiopharm Ulm sportlich wenig Sinn ergeben, schließlich hat er auch in Hamburg die Chance, um die Play-offs mitzuspielen und im EuroCup internationale Erfahrung zu sammeln.

Bliebe also nur ein Wechsel zu den Branchenführern Alba Berlin oder Bayern München, bei denen er allerdings deutlich weniger Einsatzminuten erhalten würde als in Hamburg. So steht Hollatz im kommenden Sommer vor der ersten wichtigen strategischen Entscheidung seiner Karriere.

Basketball-Bundesliga: Towers kämpfen um Hollatz

Trotz namhafter Konkurrenz kämpfen die Towers um den Verbleib des Nationalspielers, der auch in den Planungen des neuen Bundestrainers Gordon Herbert (62) eine Rolle spielt. Für die Hamburger wäre es weit über den Sport hinaus ein Super-Gau, wenn Hollatz den Club verlassen würde. Das Eigengewächs ist das einzige Gesicht, das den Towers einen Wiedererkennungswert verleiht.

„Wir sind mit Justus und seiner Agentur in Gesprächen, und die werden in den nächsten Monaten fortgeführt. Natürlich wollen wir ihn weiter an uns binden. Er weiß, was er an uns hat, und wir wissen, was wir an ihm haben und noch haben werden. Justus hat sich bei uns Jahr für Jahr verbessert, und er ist längst noch nicht am Ende seiner Entwicklung“, erklärt Sportdirektor und Geschäftsführer Marvin Willoughby (43), für den es eine Herkulesaufgabe sein wird, dafür zu sorgen, dass Hollatz auch in Zukunft seine Spuren bei den Towers hinterlassen wird.