BBL

Aufarbeitung der Niederlage: Erkenntnisse für Pedro Calles

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Alexander Berthold
Die Ludwigsburger Yoeli Childs (l.) und Jonah Radebaugh versuchen Towers-Toptalent Justus Hollatz aufzuhalten.

Die Ludwigsburger Yoeli Childs (l.) und Jonah Radebaugh versuchen Towers-Toptalent Justus Hollatz aufzuhalten.

Foto: Sascha Walther/ imago

87:88 in Ludwigsburg zum Saisonauftakt: Hamburg Towers machen Lust auf mehr, zeigen aber auch Schwächen. Es fehlte auch an Körpergroße.

Hamburg. Als der Mannschaftsbus der Hamburg Towers nach der mehr als siebenstündigen Fahrt am frühen Sonntagmorgen wieder an der Wilhelmsburger edel-optics.de Arena ankam, dürfte Jaylon Brown mit gemischten Gefühlen ins Bett gegangen sein. Der 27 Jahre alte Point Guard hätte bei der 87:88 (27:24, 20:24, 22:20, 18:20)-Niederlage zum Saisonauftakt der Basketball-Bundesliga bei den Riesen Ludwigsburg zum Helden des Abends werden können, hätte er mit dem letzten Hamburger Angriff getroffen. Sein Wurf von hinter der Dreipunktelinie verfehlte aber knapp das Zeil.

So blieb dem US-Amerikaner die Enttäuschung über den verpassten Sieg, andererseits zeigte er mit beeindruckender Dynamik, Athletik und 24 Punkten, dass er in dieser Saison zur Waffe werden kann. „Der Coach hatte einen Spielzug für mich aufgemalt. Ich sollte ins Eins-gegen-eins gehen, hatte auch einen guten Blick aufs Ziel. Ich hatte aber das Gefühl, mein Gegenspieler war noch mit den Fingerspitzen am Ball“, erinnerte Brown die spielentscheidende Szene zwei Sekunden vor Schluss.

BBL: Trainer Pedro Calles arbeitet Spiel der Towers auf

Für Trainer Pedro Calles (38) begann am Sonntagmittag die Aufarbeitung. An Erkenntnissen sollte es dem Spanier dabei nicht mangeln. Der erste Auftritt des neu zusammengestellten Kaders machte Lust auf mehr, deckte aber auch Schwachpunkte auf. Wie bereits in der vergangenen Saison gelang es den Towers nicht, die eigene Dreipunktelinie konsequent zu verteidigen.

Bei den Ludwigsburgern fanden 14 der 33 Versuche (42,4 Prozent) aus der Distanz den Weg in den Korb. Eine noch größere Baustelle tat sich allerdings unter den Brettern auf. Der in der vergangenen Saison überragende, 2,11 Meter große Center Maik Kotsar (24) muss mit einer Kopfverletzung, die er sich vor neun Tagen bei der 78:88-Testspielniederlage gegen Göttingen zugezogen hatte, wohl länger pausieren. „Er hat eine schwere Gehirnerschütterung. Wir hoffen, dass er sich gut und möglichst schnell davon erholt“, sagte Trainer Calles. Unter der Woche hatten die Wilhelmsburger noch kommuniziert, dass der Este an Migräne leidet.

Hamburg Towers haben Defizite bei der Körpergröße

Auf der wichtigen Position fünf wurden den Towers die (Körper-)Grenzen aufgezeigt. In Kotsars Abwesenheit spielte der von Bayer Leverkusen verpflichtete Eddy Edigin (25) auf der Center-Position. Der Deutsch-Nigerianer mühte sich nach Kräften, erzielte sieben Punkte bei seinem Bundesligadebüt, doch mit 2,01 Metern fehlt ihm das Gardemaß für diese Position, sodass am Ende nur drei Abpraller in seine Hände fielen.

Dass Ludwigsburg 17 Offensivrebounds holte, das Reboundduell mit 38:25 klar für sich entschied, lag nicht nur an Edigin, vielmehr an der Tatsache, dass es den Towers ohne Kotsar an körperlicher Größe im Kader fehlt. „Wegen Maiks Ausfall waren wir im Rebounding leider deutlich unterlegen. Das war mitentscheidend. Tremmell Darden hätten wir gerne besser unter Kontrolle gehabt“, bilanzierte Calles.

BBL: Caleb Homesley zeigte Spielfreude

Es gab aber auch viel Positives zu sehen. Vor allem Neuzugang Caleb Homesley (24) zeigte von Minute eins an, dass er Lust auf seine erste Saison in Europa hat. Dem US-Amerikaner gelang mit einem spektakulären Dreipunktewurf der erste Hamburger Korberfolg der Spielzeit 2021/22. In den ersten vier Minuten erzielte der Forward weitere zehn seiner 15 Punkte. Ohnehin konnte sich das Angriffsspiel der Wilhelmsburger vor 1860 Zuschauern sehen lassen.

In der Vorsaison waren die Hamburger eine der Mannschaften, die sich am meisten Zeit für einen Angriff nahmen, in Ludwigsburg praktizierte das Calles-Team über 40 Minuten kreativen Hochgeschwindigkeits-Basketball. Neben Jaylon Brown und Homesley überzeugten auch die Spielmacher Jabril Durham (27), dem zwei Punkte und zehn Vorlagen gelangen, Eigengewächs Justus Hollatz (20/acht Punkte, acht Assists), sowie Seth Hinrichs (28/acht Punkte) und Lukas Meisner (26/sieben Punkte), der nach einer in der vergangenen Saison erlittenen Schulterverletzung sein erstes BBL-Spiel seit Februar absolvierte.

BBL: Hamburg Towers treffen auf Chemnitz Niners

Die Zahlen auf dem Spielberichtsbogen untermauerten die These der Verantwortlichen, dass der Kader tiefer besetzt ist. „Wir müssen den Schlag jetzt einstecken und uns dann auf das nächste Spiel konzentrieren“, sage Jaylon Brown. Viel Zeit, dem möglichen Auswärtssieg nachzutrauern, bleibt den Hamburgern ohnehin nicht. Bereits am Mittwoch (18.30 Uhr) treffen die Towers im ersten Saisonheimspiel auf die Chemnitz Niners. Bis dahin wird sich auch Jaylon Brown von seinem verpassten Last-Second-Wurf erholt haben.

Das Saisonauftaktspiel der 2. Bundesliga ProB Nord in der Sporthalle Wandsbek zwischen dem Eimsbütteler TV und Towers-Kooperationspartner SC Rist Wedel war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet.

Ergebnisse des 1. Spieltags: Weißenfels – Heidelberg 74:85, Crailsheim – Würzburg 111:84, Chemnitz – Oldenburg 79:78, Göttingen – Bamberg xx:xx, Frankfurt – Braunschweig xx:xx, Gießen – Bayreuth xx:xx, Bayern München – Ulm.