BBL

Drama zum Saisonstart: Towers fehlt nur ein Punkt zum Sieg

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Alexander Berthold
Justus Hollatz (r.) gehörte bei den Hamburg Towers zu den stärksten Spielern in Ludwigsburg

Justus Hollatz (r.) gehörte bei den Hamburg Towers zu den stärksten Spielern in Ludwigsburg

Foto: Imago Images

Beim 87:88 bei den Riesen Ludwigsburg war Neuzugang Jaylon Brown mit 24 Punkten bester Werfer. Kotsar droht längere Pause.

Ludwigsburg. So hatten sich die Hamburg Towers ihren Saisonstart nicht vorgestellt. Die Mannschaft von Trainer Pedro Calles (38) unterlag zum Auftakt der Basketball-Bundesliga (BBL) bei den Riesen Ludwigsburg in einer hochklassigen und intensiven Partie mit 87:88 (27:24, 20:24, 22:20, 18:20). Bester Werfer der Wilhelmsburger war Neuzugang Jaylon Brown (27) mit 24 Punkten. "Es war ein umkämpftes Spiel, in einer hitzigen Halle. Wir haben hart gearbeitet, werden dieses Spiel aufarbeiten und weiter geht es. Es wird noch eine lange Saison", erklärte der US-Amerikaner.

Talent Drescher rückt für verletzten Kotsar in den Kader

Schlechte Nachrichten gab es für die Hamburger bereits vor dem ersten Sprungball. Center Maik Kotsar (24) hat den Wettlauf gegen die Zeit nicht gewonnen und musste wegen einer Gehirnerschütterung in Ludwigsburg passen. Gerade auf der wichtigen Centerposition sind die Hamburger personell dünn besetzt.

Für den Esten rückte Talent Hendrik Drescher (21) in den Kader, der die gesamte Vorsaison mit einem Kreuzbandriss gefehlt hatte. „Wir wissen nicht, wie lange er ausfällt, aber er hat eine schwere Gehirnerschütterung und hoffen, dass er so bald wie möglich zurück ist“, sagte Trainer Calles vor dem Spiel.

Kurios: Unter der Woche hatten die Towers noch kommuniziert, dass Kotsar Migräne hätte, dabei hatte die Lebensgefährtin des Leistungsträgers bei Twitter unter einem Abendblatt-Tweet verraten, dass ihr Gatte an eben besagter Gehirnerschütterung leidet.

Neuzugang Homesley erzielt ersten Korb der Towers in der neuen Saison

Deutlich strukturierter als bei der Außendarstellung in der Causa Kotsar präsentierten sich die Towers dagegen im ersten Viertel. Angeführt von einem auffälligen Spielmacher Jabril Durham starteten die Hamburger mit einem 13:6-Lauf. Dabei erzielte allein Neuzugang Caleb Homesley (24) zehn Zähler.

In der Folge dominierten die Norddeutschen gegen den schwäbischen Titelkandidaten nach Belieben. Mit schnellem und kreativem Basketball kamen die Towers immer wieder zu freien Würfen. Zwischenzeitlich traf das Calles-Team 80 Prozent seiner Würfe aus dem Feld.

Towers fanden zunehmend weniger Lösungen gegen Ludwigsburg

Nachdem Ludwigsburgs Trainer John Patrick bereits früh seine zweite Auszeit genommen hatte, kam sein Team deutlich besser in die Partie, verteidigte aggressiver und machte es den Towers deutlich schwerer, gute Abschlusssituationen zu finden. Die Führung schmolz auf 27:24.

Auch im zweiten Spielabschnitt bekamen die Zuschauer eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Partie zu sehen, die dem neuen PR-Motto der BBL „Welcome to wow“ gerecht wurde. Zunächst sah alles danach aus, dass den Towers das Spiel ein wenig aus den Händen glitt. Vor allem bei der Verteidigung der Dreipunktelinie – Ludwigsburg traf in der ersten Hälfte neun von 17 Versuchen – gab es massive Probleme.

Towers gehen mit knappem Rückstand in die Halbzeitpause

Doch diese Defizite machten die Wilhelmsburger, die von einem starken Nationalspieler Justus Hollatz (20) angeführt wurden, mit viel Herz wett. Nach einer zwischenzeitlichen 42:41-Führung gingen die Towers aber dennoch mit einem 47:48-Rückstand in die Kabine. „Das Spiel ist etwas wild, wie so ein erstes Spiel nun mal ist. Wir müssen die Offensiv-Rebounds der Ludwigsburger stoppen, dann haben wir eine Chance“, analysierte Neuzugang Lukas Meisner (26), der in der Vorsaison lange an der Schulter verletzt war und sein erstes BBL-Spiel seit Februar absolvierte.

Starker Jaylon Brown drückt Towers den Stempel auf

Im zweiten Durchgang änderte sich an dem offenen Schlagabtausch und dem für ein erstes Saisonspiel erstaunlich hohem Tempo überhaupt nichts. Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem die Gastgeber auch wegen der besseren Wurfauswahl immer knapp in Führung lagen. In dieser Phase übernahm der neue Spielmacher Jaylon Brown Verantwortung. Der 27 Jahre alte US-Amerikaner deutete an, dass er mit seiner Dynamik und Athletik eine Waffe für die Towers werden kann. Praktisch mit der Sirene sorgte Brown mit einem wilden Dreipunktewurf für eine 69:68-Führung.

Im Schlussabschnitt blieb es in den ersten Minuten die große Jaylon-Brown-Show. Ludwigsburg hatte große Probleme gegen den Wirbelwind, der sowohl selbst treffen als auch viele kluge Pässe verteilen konnte. Die Folge: Die Hamburger hatten früh im vierten Viertel eine Fünf-Punkte-Führung (78:73).

Für Ruhe sorgte das aber nicht im Towers-Spiel, es entwickelte sich in der "Crunchtime" eine Nervenschlacht, weil das Calles-Team es nach wie vor nicht in den Griff bekam, die eigene Dreipunktelinie zu verteidigen und die Ludwigsburger am Offensivrebound zu hindern. Dramatisch wurde es in der Schlussminute.

Brown vergibt Towers-Sieg mit letztem Wurf der Partie

Nachdem Ludwigsburg 35,4 Sekunden vor dem Ende mit 88:84 in Führung ging, wurde Hamburgs Topscorer Brown beim Dreipunktewurf gefoult. Die drei folgenden Freiwürfe verwandelte Brown souverän. Den letzten Angriff der Partie hatten die Towers beim Stand von 87:88. Mit einem Korberfolg hätten die Towers den ersten Saisonsieg geklaut, doch ausgerechnet Brown verwarf, und die erste Niederlage der Spielzeit 2021/22 war perfekt.