Basketball

Alba Berlin eine Nummer zu groß – Aus für die Hamburg Towers

| Lesedauer: 6 Minuten
Alexander Berthold
Bryce Taylor (l.) von den Towers kann Peyton Siva (Alba Berlin) nicht stoppen.

Bryce Taylor (l.) von den Towers kann Peyton Siva (Alba Berlin) nicht stoppen.

Foto: Witters

Erstmals waren trotz Corona wieder Fans in Hamburg zugelassen. Die Pandemie sorgt auch für eine letzte Chance auf das Halbfinale.

Hamburg. Das Timing für eine Zuschauerzulassung hätte besser kaum sein können. Als die 73:85 (16:30, 19:18, 19:14, 19:21)-Niederlage und das damit verbundene Aus im Play-off-Viertelfinale gegen Alba Berlin besiegelt war, gab es von den 200 anwesenden Fans stehende Ovationen für die sichtlich enttäuschten Spieler der Hamburg Towers, die nach der dritten Niederlage in der Best-of-5-Serie nun in den Sommerurlaub dürfen.

Den Zuspruch hatten sich die Hamburger, die am Sonnabend in Berlin das zweite Spiel 83:95 verloren hatten, mit ihrem leidenschaftlichen Vortrag auch verdient, wenngleich man am Ende konstatieren musste, dass die Berliner eine Nummer zu groß für den Play-off-Debütanten waren.

Hamburg Towers dürfen vor 200 Zuschauern gegen Alba Berlin spielen

Vor der Partie mussten sich die zugelassenen Besucher im „Towers Timeout“, das temporär vom Bistro zum Testzentrum umfunktioniert wurde, einem PCR-Test unterziehen und ihre Daten hinterlassen. Für die Kontaktnachverfolgung haben sich die Fans vor und nach dem Spiel mit der „Luca-App“ an-und abgemeldet.

50 Sponsorenmitarbeiter sowie 150 Fans, die unter den Dauerkarteninhabern mit Wohnsitz Hamburg ausgelost wurden, saßen über alle vier Tribünen verteilt. Anfeuerungsrufe waren untersagt, lediglich mit Klatschpappen sollte für Stimmung gesorgt werden. Play-off-Spiel drei war das 317. der aktuellen BBL-Saison und das erste mit Zuschauern. Das bisher letzte Heimspiel vor Fans lief am 29. Februar 2020, als die Towers 91:92 gegen Crailsheim verloren.

Dauerbeschallung tat den Hamburg Towers gut

In zehn bis 14 Tagen müssen sich nun alle Anwesenden erneut in einem Testzentrum der „sana­Group“, die den Modellversuch wissenschaftlich begleitet, auf das Virus untersuchen lassen, um auszuwerten, ob es Infektionen in der Arena gab, oder ob der nach 14 Monaten erste vorsichtige Versuch mit Zuschauern folgenlos blieb.

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Auf jeden Fall tat den Towers die Dauerbeschallung mit Trommeln, Händen und Klatschpappen von den Rängen von Beginn an gut, wie auch Kapitän Max DiLeo bestätigte: „Es war ein tolles Gefühl. Schon beim Warm-Up hat man die Energie gespürt. Ich habe einen Dunking gemacht und durch die Fans bin ich noch ein paar Zentimeter höher gesprungen. Es war schön, wieder Leute hier zu haben. Mit den Trommeln und dem Applaus, das hat uns so einen Push gegeben.“

Das Calles-Team lieferte dem deutschen Meister einen leidenschaftlichen Kampf und ging Mitte des ersten Viertels nach einem Dreipunktewurf von Bryce Taylor (34) 14:12 in Führung. Doch unmittelbar im Anschluss fanden auch die Berliner in die Partie und starteten ihrerseits einen 9:0-Lauf. Es war der frühe Anfang vom Ende für die Hamburger, die zunehmend unruhiger in ihren Aktionen wurden.

Alba Berlin dominierte die Hamburg Towers

Alba dominierte die Wilhelmsburger bis zur Halbzeit im Stil einer Spitzenmannschaft: Schlau und aggressiv in der Verteidigung, mit guter Ballzirkulation in der Offensive. Wie in den beiden vorherigen Spielen gelang es den Towers nicht, Berlin in Verlegenheit zu bringen. Stattdessen häuften sich Ballverluste, schlechte Würfe und überhastete Abschlüsse bei den Hamburgern, die zudem genervt mit den Schiedsrichtern diskutierten.

An den Unparteiischen lag es aber nicht, dass sie zur Halbzeit 35:48 zurücklagen. Die Towers waren schlicht zu fehlerhaft in ihrem Spiel. Die Trefferquote lag zu diesem Zeitpunkt bei 35 Prozent (8 von 23) aus dem Zweipunktebereich, am Ende bei 42 Prozent (21 von 50), und bei 18 Prozent (drei von 17) von jenseits der Dreipunktelinie (am Ende 19,2 Prozent/fünf von 26).

Hamburger Leistungsträger wirkten überspielt und ausgelaugt

Treffsicherer wurden die Hamburger auch im zweiten Durchgang nicht. Den Willen konnte man ihnen indes nicht absprechen, aber gerade Leistungsträger wie Defensivspezialist Max DiLeo (27), Spielmacher T.J. Shorts und Toptalent Justus Hollatz (20) wirkten über die gesamte Serie gesehen überspielt. Das Fehlen von Shooting Guard Kameron Taylor (26), der wegen Knöchelproblemen erneut ausfiel, konnte nicht kompensiert werden. Die Hauptaufgabe der sportlichen Leitung für die neue Saison wird nun sein, für mehr Tiefe im Kader zu sorgen.

Alba genügte auch in den zweiten 20 Minuten eine normale Leistung, um das Halbfinale ohne Niederlage zu erreichen. Immer wenn die Towers in Schlagdistanz kamen – wie Ende des dritten Viertels, als die Hamburger auf 54:60 verkürzten –, schaltete Berlin wieder einen Gang hoch. Beste Werfer der Gastgeber waren Center Maik Kotsar und Forward Zac Cuthbertson mit jeweils 17 Punkten.

Warum die Hamburg Towers trotzdem noch nicht in den Urlaub dürfen

Ab Dienstag beginnt bei den Hamburgern die Aufarbeitung der trotz der Play-off-Enttäuschung insgesamt guten Saison. Abschließende medizinische Untersuchung und Gespräche stehen bei den Profis auf der Agenda. Bis zum 1. Juni müssen sich die Profis noch fit halten, falls Alba in Quarantäne muss. In diesem Fall würden die Towers statt der Berliner die Halbfinals bestreiten.

Für Sportchef Marvin Willoughby (43) startet derweil bereits die Kaderplanung für die Saison 2021/22. Mit Josh Young (33), Kapitän von Bundesliga-Absteiger Vechta, saß am Montag bereits ein potenzieller Zugang auf der Tribüne. Bereits im Vorjahr war der US-Amerikaner ein Thema bei den Hamburgern.

Play-off-Viertelfinale (best of 5), 3. Spiel: Hamburg – Berlin 73:85 (Endstand 0:3); Crailsheim – Bayern München 96:82 (Stand 1:2); Bamberg – Ludwigsburg 96:60 (1:2); Ulm – Oldenburg Stand 1:1).