Basketball

Towers setzen nach Lehrstunde auf ihr Kurzzeitgedächtnis

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Alexander Berthold
Towers-Center Maik Kotsar (M.) wird von Berlins Peyton Siva (l.) und Niels Giffey attackiert. Im ersten Play-off-Spiel wirkten die Hamburger überfordert.

Towers-Center Maik Kotsar (M.) wird von Berlins Peyton Siva (l.) und Niels Giffey attackiert. Im ersten Play-off-Spiel wirkten die Hamburger überfordert.

Foto: Witters

Am Sonnabend steigt Spiel zwei der Play-off-Serie gegen Berlin. Große Freude über Fan-Rückkehr bei Heimspielpremiere am Montag.

Berlin/Hamburg. Pedro Calles kannte am Freitag keine Gnade. Gemeinsam mit seinen Spielern analysierte der Trainer der Hamburg Towers am TV-Gerät detailliert die herbe 59:82-Niederlage zum Play-off-Auftakt bei Alba Berlin. Viel Erbauliches haben die Filmsequenzen nicht offenbart. Die Wilhelmsburger - das konnte man auch am Tag nach der Lehrstunde nicht wegdiskutieren - waren in allen Belangen chancenlos gegen den Titelverteidiger.

Was den 37 Jahre alten Übungsleiter aber viel mehr ärgerte, war die Tatsache, dass seine Spieler mental offenbar nicht bereit waren für diese Partie. „Wenn du Berlin zweimal in der Hauptrunde schlägst, denkst du vielleicht, dass es leichter wird, sie auch in den Play-offs zu schlagen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Jetzt müssen wir einen Weg finden, für das zweite Spiel bereit zu sein“, sagt der Spanier, der sich selbst und die Mannschaft in die Pflicht nimmt.

Kapitäne Taylor und DiLeo fordern Reaktion ein

Während die meisten Spieler ob der hohen Niederlage konsterniert wirkten, versuchte Kapitän Bryce Taylor (34) sofort mit Gesprächen gegenzusteuern. Mit Co-Kapitän Max DiLeo (28) besprach sich der Deutschamerikaner, wie die Botschaft lauten soll, die vor dem zweiten Duell der best-of-5-Serie an diesem Sonnabend (20.30 Uhr, MagentaSport live) innerhalb der Gruppe transportiert werden soll. „Ich weiß wie es ist, in Mannschaften zu sein, die hoch gewonnen und hoch verloren haben in den Play-offs. Das war für uns ein Realitätscheck, wichtig ist aber, eine Reaktion zu zeigen. Es war nur ein Spiel, und Sonnabend haben wir die nächste Chance. Es ist sehr wichtig, ein Kurzzeitgedächtnis zu haben“, erklärt Taylor.

Soll heißen: Nicht lange zurückblicken, das nächste Spiel später steht bereits vor der Tür. Und eigentlich kann es für die Towers nur besser werden.

Towers-Profis üben Selbstkritik nach Debakel

Was die Aufarbeitung der Partie leichter macht, ist die Tatsache, dass niemand die Niederlage in Spiel eins schönreden kann. Über 40 Minuten war es mehr oder weniger ein Klassenunterschied. Wenn die Towers eine Chance haben wollen, für eine spannende Serie zu sorgen, müssen sie das zeigen, was sie in der Hauptrunde ausgezeichnet hatte. Aggressivität, dem Gegner das eigene Tempo aufzwingen und gute und schnelle Ballbewegung in der Offensive. „Wir müssen mit viel mehr Intensität und Energie spielen und es Alba einfach schwerer machen. Sie hatten viel zu viele einfache Würfe und wollten den Sieg mehr. Berlin ist nicht ohne Grund der Titelverteidiger, aber wir müssen es Sonnabend einfach deutlich besser machen“, sagt Spielmacher T.J. Shorts (23).

Modellversuch: Towers dürfen endlich wieder Zuschauer begrüßen

Während Mannschaft und Trainer in der Hauptstadt einen Schlachtplan für Spiel zwei entwickelten, fand 350 Kilometer entfernt in Wilhelmsburg ein anderer wichtiger Termin für die Towers statt. Das Gesundheitsamt inspizierte die edel-optics.de Arena und gab anschließend endgültig grünes Licht für eine Zuschauerzulassung für die dritte Play-off-Partie gegen Berlin am Pfingstmontag (18 Uhr). 200 Fans dürfen bei einem wissenschaftlich begleiteten Modellversuch bei der Endrunden-Heimpremiere dabei sein. „Wir sind sehr glücklich, in dieser unglaublichen Saison doch noch vor Publikum spielen zu können. Jetzt gilt es entweder ein Spiel aus Berlin zu klauen oder unser Heimspiel zu gewinnen, damit wir noch mindestens ein weiteres Mal zuhause spielen können“, freut sich Geschäftsführer Marvin Willoughby (43).

PCR-Tests und Kontaktnachverfolgung sollen für Sicherheit sorgen

Da es sich um einen Modellversuch handelt, werden keine Karten den Verkauf gehen. Die Towers werden 200 Anhänger mit Wohnsitz in Hamburg unter den Dauerkarteninhabern auslosen. Vor dem Spiel müssen sich die Fans im Bistro „Towers Timeout“ unweit der Arena auf das Corona-Virus testen lassen. Darüber hinaus werden alle Teilnehmer sieben bis zehn Tage nach der Veranstaltung ein weiteres Mal in einem Testzentrum des medizinischen Kooperationspartner „sanaGroup“ getestet, um zu überprüfen, ob es einen Infektionsausbruch gab. Ein Check-In über die „Luca-App“ ist ebenfalls verpflichtend. Zusätzlich müssen sich die Fans, die während des Arena-Aufenthalts permanent eine medizinische Mund-Nase-Schutz tragen müssen, bereit erklären, dass ihre Daten im Rahmen der wissenschaftlichen Studie genutzt und ausgewertet werden können.

Die Kosten für die Tickets und die PCR-Testung übernehmen die Towers gemeinsam mit der „sanaGroup“. „Der Playoff-Einzug der Towers ist nach dem letzten trüben Sportjahr ein absolutes Highlight“, freut sich auch Hamburgs Sportsenator Andy Grote. „Das ist eine kleine Brise zusätzlicher Rückenwind für die Mannschaft und ein wichtiger erster Schritt in ein Sportjahr, in dem wir nun hoffentlich durchstarten und Corona hinter uns lassen können“, ergänzt der bekennende Towers-Fan Grote. Durchstarten muss das Team von Trainer Calles auch auf dem Parkett, damit die Partie am Montag nicht die letzte Play-off-Partie in dieser Saison wird.