Basketball-Bundesliga

Hamburg Towers erhalten Play-off-Lehrstunde von Alba Berlin

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Alexander Berthold
Albas Maodo Lo (l.) lässt Towers-Kapitän Bryce Taylor locker abblitzen.

Albas Maodo Lo (l.) lässt Towers-Kapitän Bryce Taylor locker abblitzen.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Die Basketballer aus Wilhelmsburg verlieren das erste Play-off-Spiel ihrer Vereinsgeschichte deutlich beim Meister.

Berlin. Pedro Calles (37) schaute am späten Donnerstagabend ein wenig desillusioniert in das weite Rund der riesigen Mercedes-Benz-Arena. So hatte sich der Trainer der Hamburg Towers die Premiere seines Clubs in den Play-offs der Basketball-Bundesliga wahrlich nicht vorgestellt. Die Wilhelmsburger unterlagen im ersten Spiel der Best-of-5-Viertelfinalserie bei Alba Berlin mit 59:82 (18:30, 13:18, 8:22, 20:12). Erfolgreichster Werfer war T.J. Shorts, dem elf Punkte gelangen.

„Unser größter Gegner war heute nicht Alba Berlin, sondern wir selbst. Von Beginn an war Berlin physisch, mental und in allen anderen Bereichen besser als wir. Wir sind das Spiel nicht so angegangen, wie man es in den Play-offs machen muss“, sagte Calles.

Hamburg Towers von Alba Berlin überwältigt

Dabei war die Euphorie vor der Partie bei den Towers fast schon greifbar. Als die Mannschaft sich unmittelbar vor dem ersten Sprungball versammelte, tanzte Spielmacher Shorts (23) voller Vorfreude im Spielerkreis. Der Glaube, den amtierenden Meister ärgern zu können, war groß. Schließlich war es den Hamburgern gelungen, die beiden Duelle in der Hauptrunde für sich zu entscheiden. In Berlin lieferten die Towers am 10. April beim 75:68-Sieg die wohl beste Partie der Saison ab. „Wir werden aber eine andere Version von Alba vorfinden als damals. Wir können nicht einfach die Leistung von damals kopieren und erneut erfolgreich sein“, orakelte Trainer Calles. Und er sollte recht behalten.

Denn so groß die Vorfreude vor dem ersten Sprungball war, so schnell wurden die Hamburger, die in Bestbesetzung antraten und bei denen Shooting Guard Jordan Swing (30) als überzähliger Ausländer auf der Tribüne saß, wieder auf den sportlichen Boden der Tatsachen geholt. Die sonst so erfolgsverwöhnten Berliner, die nach dem Ausscheiden in der EuroLeague und dem Verpassen des Pokalsieges unbedingt vermeiden wollen, gänzlich ohne Titel aus der Saison 2020/21 herauszugehen, dominierten die Partie von Beginn an.

Es wirkte fast so, als wären die Towers-Profis ein wenig überwältigt gewesen. Nach einem 1:7-Start - den ersten Play-off-Punkt der Clubgeschichte schaffte Eigengewächs Justus Hollatz per Freiwurf – fingen sich die Hamburger ein wenig, doch die Gastgeber diktierten weiter Tempo und Spiel, sodass die Towers bereits nach dem ersten Viertel einem Zwölf-Punkte-Rückstand (18:30) hinterherlaufen mussten.

Alba Berlin dominierte die Hamburg Towers

Mit dieser Bürde ließ es sich nicht befreiter aufspielen. Die Towers fanden über die 40 Minuten kaum zu ihrem aggressiven Spiel, mit dem sie den klaren Favoriten nerven wollten. Erst Mitte des zweiten Viertels fand der Play-off-Debütant seinen Rhythmus und konnte so den zwischenzeitlichen 20-Punkte-Rückstand (18:38) mit besserem Rebound-Verhalten und zwei Dreipunktewürfen von Kapitän Bryce Taylor (34) auf elf Zähler verkürzen. Allerdings hatte Alba in dieser Phase ein wenig den Fuß vom Gas genommen. Der Berliner wussten genau, wann sie einen Gang hochschalten mussten. Mit einem 31:48-Rückstand ging es für die Towers in die Kabine.

Der zweite Durchgang begann für beide Teams mit einem Schock. Berlins gebürtiger Hamburger Louis Olinde hechtete nach einem Ball, verletzte sich dabei schwer am Oberschenkel und musste gestützt in die Kabine gebracht werden. Zu allem Überfluss verletzte sich in der Situation auch noch Hamburgs Topstar Kameron Taylor (26) am gerade erst genesenen rechten Knöchel. Nach einer Behandlungspause konnte der Towers-Profi allerdings weiterspielen. Einfluss auf das Spiel konnte aber auch er nicht nehmen.

Towers wachen erst spät auf in Berlin

Ein 12:0-Lauf im Schlussviertel sorgte zumindest für ein wenig Ergebniskosmetik für die Hamburger, die immerhin nicht aufgaben. Insgesamt war es aber eine Machtdemonstration von Alba Berlin gegen ein vor allem im Angriff völlig überfordertes Hamburger Team.

Vor den Augen von Bundestrainer Henrik Rödl (51) konnte kein Leistungsträger auch nur annähernd überzeugen. Neben Kameron Taylor (zwei Punkte), dem man seine vierwöchige Verletzungspause anmerkte, enttäuschten auch Terry Allen (null) und Center Maik Kotsar (acht). Die Folge: Die Trefferquoten der Hamburger waren dramatisch schlecht. 43 Prozent (17 von 40) der Zweipunktewürfe fanden den Weg in den Korb, lediglich fünf von 22 (23 Prozent) der Dreipunkteversuche waren erfolgreich.

„Das war ein Realitätscheck für uns. Wir haben das echte Alba Berlin gesehen. Sie haben uns von Anfang an gezeigt, was sie können, und wir haben nicht reagiert“, sagte Bryce Taylor. Viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht. Bereits am Sonntag (20.30 Uhr) steigt erneut in Berlin Spiel zwei. Am Montag hat Hamburg das erste – und vielleicht letzte – Mal Heimrecht.

Play-off-Viertelfinale (Best of 5): Ludwigsburg – Bamberg 83:69, München – Crailsheim 86:66, Oldenburg – Ulm 88:93.