Verschärfte Hygienekonzepte

Hamburg Towers hoffen auf Rückkehr der Fans

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Alexander Berthold
Pressetermin zu Zeiten von Corona bei den Hamburg Towers: Justus Hollatz, Bryce Taylor, Trainer Pedro Calles und Geschäftsführer Marvin Willoughby (v.l.) stellten sich in der edel-optics.de Arena vor dem Play-off-Start gegen Alba Berlin den Fragen der Medienvertreter (r. Pressesprecher Florian Eisebitt).

Pressetermin zu Zeiten von Corona bei den Hamburg Towers: Justus Hollatz, Bryce Taylor, Trainer Pedro Calles und Geschäftsführer Marvin Willoughby (v.l.) stellten sich in der edel-optics.de Arena vor dem Play-off-Start gegen Alba Berlin den Fragen der Medienvertreter (r. Pressesprecher Florian Eisebitt).

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Vor dem Play-off-Start gegen Alba Berlin warten die Basketballer auf Genehmigung der Stadt. Selbst zehn Fans wären Grund zur Freude.

Hamburg.  Die vergangenen Nächte von Marvin Willoughby waren irgendwie unruhig. Langsam aber sicher steigt beim Geschäftsführer und Sportdirektor der Hamburg Towers das „Play-off-Grummeln“ in der Magengegend. Am Donnerstag startet der Wilhelmsburger Club aus der Basketball-Bundesliga (BBL) in seine erste Endrunde um die deutsche Meisterschaft.

„Die Nervosität wird die nächsten Tage bestimmt noch größer. Wir haben alle das gemeinsame Ziel, unseren ersten Play-off-Sieg für die Hamburg Towers zu holen. Am Montag haben wir dann noch unser allererstes Play-off-Heimspiel – unter den Bedingungen, die wir nun mal haben, aber wir hoffen noch“, sagte der 43-Jährige, der wenig später merkte, dass die anwesenden Medienvertreter hellhörig wurden. Wird die Heimpremiere am Pfingstmontag etwa doch noch vor Zuschauern steigen können?

Hamburg Towers arbeiten an Zuschauerrückkehr

Willoughby macht kein Geheimnis daraus, dass die Towers bereits seit Januar intensiv am Thema Zuschauerrückkehr arbeiten. Seit die Play-off-Teilnahme feststeht, wurden die Gespräche mit der Stadt Hamburg noch einmal intensiviert.

Die Geschäftsführung um Willoughby und Kollege Jan Fischer (40) hat ein auf Schnelltests basiertes Konzept erarbeitet, das einen sicheren Ablauf einer Veranstaltung garantieren soll. Die zuletzt deutlich sinkende Inzidenzzahl – Hamburg lag am Montag bei 48,1 – nährt die Hoffnung, dass eine kleine Anzahl an Fans in die edel-optics.de-Arena darf.

„Wir stellen keine Forderungen"

„Es ist gerade eine dynamische Situation bei den Corona-Zahlen, zum Glück in die richtige Richtung. Selbst wenn wir nur zehn oder 100 Fans in die Halle lassen dürften, würden wir alles dafür tun. Wenn es die Stadt für verantwortbar hält, würden wir uns – und vor allem unsere Spieler – riesig freuen“, sagte Willoughby, der im Verlauf der Woche noch einmal in den Dialog mit den politisch Verantwortlichen treten will.

„Wir stellen keine Forderungen, und wissen, dass es ein grundsätzliches Interesse der Politik gibt, Zuschauer zuzulassen. Es ist bei mir Wunschdenken und Hoffnung zugleich. Aber wir tun alles, was wir können, um das möglich zu machen, auch wenn die Chancen gering sind“, gab der Towers-Chef offen zu.

Towers erwirtschaften wegen Corona erstmals ein Minus

Rein finanziell würde eine Teilzulassung von Fans keinen großen Unterschied machen. Willoughby bestätigte, dass die Towers wegen der Folgen der Corona-Krise erstmals in der Clubhistorie ein Minus erwirtschaften werden. „Auch die Play-offs kosten Geld“, erklärte der ehemalige Profi.

„Aber wir machen uns darüber keine Gedanken, was das jetzt kostet oder was man hätte einnehmen können. Wir freuen uns einfach, dass wir sportlich in den Play-offs sind und die sportliche Fahne Hamburgs hochhalten können“, so Willoughby. Geld ist eben nicht alles im Sport.

BBL und Towers verschärften Hygienekonzept

Damit der Spielbetrieb auch sicher über die Bühne geht, haben die BBL und die Towers ihr Hygienekonzept noch einmal verschärft. Spieler, Trainer, Betreuer und sogar alle Familienmitglieder werden dreimal pro Woche getestet. Am Donnerstag reist die Mannschaft mit dem Zug nach Berlin, wo sie ein Hotel auf dem Gelände der Mercedes-Benz-Arena am Ostbahnhof beziehen wird.

Erst nach dem zweiten Spiel der Best-of-five-Serie werden die Towers am späten Sonnabend nach Hamburg zurückreisen. „Durch die Verschärfung hoffen wir, dass, wenn etwas passiert, wir es schnell merken und nicht die ganze Mannschaft in Quarantäne muss“, sagte Willoughby.

Positiver Corona-Fall wäre „eine Katastrophe"

Die BBL-Statuten besagen, dass eine Mannschaft, die wegen einer Quarantäne-Situation nicht antreten kann, die Spiele am grünen Tisch verliert. „Es wäre eine Katastrophe für alle acht Teams, die teilnehmen, wenn es einen positiven Corona-Fall gäbe und man sich so um den Lohn der Arbeit einer ganzen Saison bringen würde“, sagte Willoughby.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick


Sieben Jahre nach der Gründung des Clubs wollen die Towers den nächsten Meilenstein in ihrer Entwicklung trotz der Corona-Sorgen genießen. Am Wochenende schaute Trainer Pedro Calles (37) im Fernsehen die beiden Partien beim Final-Four-Turnier um den Deutschen Basketball-Pokal. Alba Berlin konnte das Halbfinale mit 112:96 gegen die BG Göttingen gewinnen, unterlag im Endspiel aber Bayern München mit 79:85. Trotzdem glauben Experten, dass es ein mittelgroßes Wunder bräuchte, um den Titelkandidaten zu bezwingen.

Hamburg Towers wollen selbstbewusst sein

„Nicht wir Menschen sind für Wunder zuständig, sondern der liebe Gott. Alba ist der Favorit, aber ich will, dass wir selbstbewusst sind, ohne den Respekt vor Berlin zu verlieren. Wenn wir das zeigen, was uns auszeichnet, haben wir die besten Chancen, auch gegen Alba etwas auszurichten“, erklärte der Spanier, der wegen der anhaltenden Verletzungsproblematik wohl improvisieren muss.

Immerhin konnten Center Maik Kotsar (24) und „Verteidigungsminister“ Max DiLeo (27) wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren. Topstar Kameron Taylor (26) kann dagegen weiter nur individuell arbeiten. Sein Einsatz am Donnerstag ist unwahrscheinlich.