Basketball

Towers landen den nächsten Coup: Sieg gegen Bayern München

| Lesedauer: 5 Minuten
Alexander Berthold und Rainer Grünberg
Zac Cuthbertson (l.), Kameron Taylor und die Hamburg Towers kommen derzeit aus dem Jubeln nicht mehr heraus – am Sonnabend wurde auch der BBL-Zweite Bayern München bezwungen.

Zac Cuthbertson (l.), Kameron Taylor und die Hamburg Towers kommen derzeit aus dem Jubeln nicht mehr heraus – am Sonnabend wurde auch der BBL-Zweite Bayern München bezwungen.

Foto: Witters

Hamburger bleiben mit dem fünften Sieg in Folge das Team der Stunde. Trainer Calles: "Wir haben unser Herz auf dem Court gelassen."

Hamburg. Die Hamburg Towers bleiben in der Basketball-Bundesliga die Mannschaft der Stunde, bezwangen mit 91:86 (21:19, 20:24, 17:14, 21:22, 12:7) nach Verlängerung jetzt auch den Tabellenzweiten FC Bayern München. Mit dem fünften Sieg in Folge festigen die Towers ihren sechsten Tabellenplatz, der zur Play-off-Teilnahme berechtigt.

"Ich kann meiner Mannschaft nur ein riesen Kompliment machen. Das war wieder eine großartige Leistung. Wir haben unser Herz auf dem Court gelassen. Unsere Verteidigung hat den Erfolg für uns gesichert. Wegen Corona können wir leider nicht feiern, vielleicht bekommen wir aber wieder ein Stück Kuchen in der Kabine", sagte Towers-Trainer Pedro Calles.

Erst am Dienstag durften die Hamburger nach dem 90:75 gegen deutschen Meister und Pokalsieger Alba Berlin ein Konditoreiprodukt in der Umkleide genießen. Mit München und Berlin haben die Towers damit die beiden deutschen EuroLegaue-Teilnehmer, also die beiden besten deutschen Teams, geschlagen. Jordan Swing (21 Punkte) und Maik Kotsar (20) waren die besten Werfer der Towers.

Bayern München schnell auf Betriebstemeperatur

Das Spiel ging gleich gut los für die Towers: Terry Allen erzielte nach 37 Sekunden den ersten, nach 63 Sekunden mit einem Dreier den zweiten Korb, Kameron Taylor erhöhte eine Minute später auf 7:0, worauf Bayern-Trainer Andrea Trinchieri seine erste Auszeit nahm. Die zeitigte mit 70 Sekunden Verzögerung erste Wirkung. Leon Radosevic brachte die Münchner mit einem Korbleger zum 2:7 auf die Anzeigetafel.

Der Fehlstart der Bayern hat in der Bundesliga inzwischen System. Nach ihren EuroLeague-Auftritten unterhalb der Woche brauchen sie regelmäßig eine gewisse Anlaufzeit, auch weil Trainer Trinchieri ständig rotieren lässt. Diesmal flogen die Münchner, mit einem Zwischenstopp am Freitagmittag in Stuttgart, aus dem südspanischen Valencia ein, wo sie am späten Donnerstagabend nach schwachen letzten zehn Minuten unnötig 76:83 verloren hatten.

Doch in der Wilhelmsburger edel-optics.de Arena kamen sie dann doch relativ schnell auf Betriebstemperatur, Nationalspieler Paul Zipser stellte 30 Sekunden vor Ende des ersten Viertels mit einem Dreipunktwurf zum 19:19 erstmals den Gleichstand her. Mit zwei erfolgreichen Freiwürfen ihres Spielmacher T.J. Shorts zum 19:17 retten die Hamburger wenigstens einen kleinen Vorsprung in die zweiten zehn Minuten.

Willoughby lobt "Intensität" der Towers

In denen begannen die Münchner, allmählich ihre Klasse wenigstens anzudeuten. Dem Deutsch-Österreicher David Krämer gelang in der zwölften Minute die erste Bayern-Führung zum 23:21, die T.J. Shorts mit erneut zwei verwandelten Freiwürfen zum 23:23, danach Kameron Taylor mit einem Dreier zum 29:29 (15. Minute) ausgleichen konnten. 30 Sekunden später war es wieder Taylor, der aus 6,75 Metern die Towers zum 32:30 in Front warf. Swing erhöhte mit drei Freiwürfen, er war bei einem versuchten Dreier gefoult worden, auf 35:32, Taylor dann auf 37:32. Der Vorsprung war schließlich 20 Sekunden vor der Halbzeitpause aufgezehrt, Bayern-Center Radosevic traf zum Münchner 43:41.

"Die Mannschaft hat einen sehr guten Job gemacht, wieder mit hoher Intensität verteidigt, das war bislang eine ordentliche Vorstellung", lobte Towers-Sportchef Marvin Willoughby sein Team während des Seitenwechsels bei MagentaSport. Einzig die Quote aus der Nahdistanz, acht von 23 Treffern (35 Prozent), dürfte Willoughby in den ersten 20 Minuten missfallen haben. Sie sollte nicht wesentlich besser werden.

Hamburg Towers: Freudenschreie auf der Tribüne

Nach der 15-minütigen Pause warfen die Hamburger dem knappen Rückstand zunächst hinterher, ohne ihn anfangs egalisieren zu können. Center Kotsar verkürzte ihn in der 25. Minute auf 50:51, mit zwei Freiwürfen 100 Sekunden später noch einmal auf 52:53. Dann netzte erneut der US-Amerikaner Swing einen Dreier zum 55:53 (27.) ein, was unter den Towers-Mitarbeitern auf der Tribüne Freudenschreie auslöste. Trainer Calles klatschte nach der Aktion an der Seitenlinie zufrieden Beifall. Mit einer 58:57-Führung starten die Hamburger schließlich in den Schlussabschnitt.

In dem glich Zipser, nach einem Ballverlust der Towers in der Offensive, in der 33.Minute mit einem Dunking zum 63:63 aus. Danach war wieder Kotsar an der Reihe. Der Este traf zweimal, machte seine Punkte elf bis 15; Zwischenstand 67:63 für die Towers, es waren noch 6:16 Minuten zu spielen. Erste Hoffnungen auf eine erneute Überraschung keimten trotzdem auf. Der Vorsprung, 77:72 in der 38. Minute, schmolz, 35 Sekunden vor Schluss traf Wade Baldwin mit einem einem Dreier zum 79:79 und schoss die Münchner in die fünfminütige Verlängerung.

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In der Overtime schnupperten die Towers weiter am Sieg. Als Taylor in der 43. Minute mit einem Dreier zum 85:79 traf, schien er auch Konturen anzunehmen. Aber sechs Punkte Vorsprung sind im Basketball nur ein Wimpernschlag. Es durfte also bis zur letzten Sekunde gezittert werden. Mit zwei verwandelten Freiwürfen zum 89:83 wischte Terry Allen 14,1 Sekunden vor der Schlusssirene jedoch letzte Zweifel weg, die dann MaxDiLeo zwölf Sekunden später mit ebenfalls zwei Treffern von der Linie endgültig beseitigte. Auf der Tribüne konnte wieder gejubelt werden.