Basketball

Champions League hofft auf die Hamburg Towers

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Alexander Berthold und Rainer Grünberg
Shooting Guard Kameron Taylor (25) ist mit 13,8 Punkten im Schnitt zusammen mit Center Maik Kotsar der beste Werfer der Towers.

Shooting Guard Kameron Taylor (25) ist mit 13,8 Punkten im Schnitt zusammen mit Center Maik Kotsar der beste Werfer der Towers.

Foto: WITTERS

Europäischer Basketballverband will die Hamburger in seine Topliga integrieren. Heute Bundesligaspiel gegen München.

Hamburg. Die jüngsten Leistungen der Hamburg Towers haben sich inzwischen in Europa herumgesprochen. Die Fiba Europe, die kontinentale Organisation des Basketball-Weltverbandes Fiba, möchte daher den Wilhelmsburger Bundesligaclub in ihre Topliga, die Champions League, integrieren. Erste Gespräche dazu wurden in den vergangenen Wochen geführt. Das bestätigte jetzt Towers-Sportchef und -Geschäftsführer Marvin Willoughby: „Wir haben stets gesagt, dass wir perspektivisch an europäischen Clubwettbewerben teilnehmen wollen. Deshalb haben wir uns mit dem Thema Champions League beschäftigt.“

Voraussetzung für die Teilnahme sei die wirtschaftliche Machbarkeit, der Verein werde keine unkalkulierbaren Risiken eingehen. Die Champions League rechne sich nur, wenn wieder Zuschauer in die Hallen gelassen werden. Bisher sei dieser Zeitpunkt aber nicht absehbar, betont Willoughby: „Stand heute schließe ich aus, dass wir schon in der nächsten Spielzeit in der Champions League antreten. Grundsätzlich bleibt das eine interessante Option.

Sollten sich die politischen Rahmenbedingungen ändern, werden wir neu entscheiden.“ Towers-Trainer Pedro Calles machte mit seinem ehemaligen Verein Rasta Vechta bereits Champions-League-Erfahrungen. Er begrüßt die Ambitionen der Towers, aktuell Sechster der Bundesliga und auf Play-off-Kurs (Plätze eins bis acht).

Champions-League-Sieger kassiert eine Million Euro

Im Gegensatz zur Fußball-Champions-League ist das Basketball-Pendant nicht der führende europäische Vereinscontest. Seit rund zwei Jahrzehnten konkurrieren die Fiba Europe und die Uleb, eine Vereinigung von derzeit 16 europäischen Basketball-Ligen, um die besten Teams des Kontinents. Die von der Uleb privatwirtschaftlich finanzierte EuroLeague gilt dabei als attraktivster Wettbewerb.

18 Mannschaften nehmen an ihm in dieser Saison teil, mit dem deutschen Meister Alba Berlin und dessen Vorgänger Bayern München auch zwei deutsche. Einen sportlichen Auf- und Abstieg gibt es nicht. Die Münchner, am Sonnabend (20.30 Uhr, MagentaSport) in der edel-optics.de Arena Gast der Towers, haben als Tabellenfünfter mit 19:12 Siegen drei Spieltage vor Abschluss der Punktrunde beste Chancen, sich für die acht Play-off-Plätze zu qualifizieren. Das hat seit Einführung der Marke im Jahr 2000 kein Bundesligateam geschafft.

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Unterhalb der EuroLeague hat die Uleb den EuroCup installiert. Mit ihrer Champions League, 2016 gegründet, versucht die Fiba Europe, in der 50 Nationalverbände organisiert sind, ein attraktives Gegengewicht zu schaffen, zunächst gegen den EuroCup, langfristig gegen die EuroLeague. Der Gewinner der Champions League erhält eine Million Euro – wie auch der Sieger der EuroLeague. Dort werden zuvor in der Punktrunde und den Play-offs weitere Erfolgsprämien von rund 30 Millionen Euro ausgeschüttet, in der Champions League und im EuroCup nur ein Bruchteil dessen.

Als Austragungsort möglicher Champions-League-Spiele kämen die Messehallen in Betracht

Sportliche Kriterien, das Abschneiden in den heimischen Ligen, bleiben erste Voraussetzungen für die Teilnahme an der Champions League, sagt Fabio Franceschi, der Kommunikationschef der Liga. Darüber hinaus können vier weitere Mannschaften nominiert werden. Bedingungen dafür sind ein attraktiver Standort und wirtschaftliche Solidität des Vereins. Beiden Ansprüchen würden die Towers gerecht. Als Austragungsort möglicher Champions-League-Spiele kämen die Messehallen am Fernsehturm in Betracht. Dort sollen bis zum Sommer 2022 Tribünen bereitstehen, die mindestens 5000 Zuschauern Sitzplätze bieten (Abendblatt berichtete).

In dieser Saison trat von den Bundesligavereinen nur Bamberg in der Champions League an, qualifizierte sich für die zweite Gruppenphase, in der noch 16 Teams vertreten sind. Die Bamberger, die schon EuroLeague spielten, verpflichteten sich gegenüber der Champions League, mindestens fünf Jahre an dem Wettbewerb teilzunehmen. Neben Berlin, München und Bamberg warf aus der Bundesliga noch Ulm in dieser Saison international, im EuroCup, schied dort in der Vorrunde aus. Andere Kandidaten wie der deutsche Vizemeister Ludwigsburg oder Frankfurt verzichteten wegen Corona auf Europareisen.

Zusätzliche sportliche Belastungen erfordern einen größeren Spielerkader, davon geht Towers-Sportchef Willough­by aus. 14 statt bislang zwölf Vollprofis wären dann wohl nötig, die Bayern beschäftigen wegen ihrer Doppelbelastung mit zusammen 68 Spielen allein in der Bundesliga- und EuroLeague-Punktrunde gleich 17, rotieren ständig. Das Pro­blem: In der Champions League sind wie in der Bundesliga (BBL) sechs sogenannte Importspieler, meist US-Amerikaner, einsatzberechtigt, von den Spielern aber, die zwei Pässe besitzen, nur einer.

"Wir verfolgen die Geschichte der Towers mit großem Respekt“

In der BBL gelten diese dagegen als Deutsche, bei den Towers betrifft das Max DiLeo, Bryce Taylor und den rekonvaleszenten Hans Brase. Den Rest des Kaders müssten in Deutschland Aufgewachsene bilden. „Das wäre eine weitere, aber lösbare Herausforderung und würde uns nicht vom Mitwirken in der Champions League abhalten“, sagt Willoughby.

Marko Pesic, Basketball-Sportdirektor und Geschäftsführer des FC Bayern, traut den Towers diesen nächsten Entwicklungsschritt zu: „Der Club macht ständig Fortschritte, hat ein klares Ziel vor Augen und ist mit Marvin Willough­by, mit dem ich regelmäßig in Kontakt stehe, Hauptgesellschafter Tomislav Karajica und Trainer Pedro Calles auf den zentralen Positionen hervorragend besetzt. Wir verfolgen die Geschichte der Towers mit großem Respekt.“