Basketball-Bundesliga

Towers richten Kampfansage an den FC Bayern

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Alexander Berthold
Marvin Ogunsipe (r., mit Pedro Calles) trifft auf seinen Heimatclub.

Marvin Ogunsipe (r., mit Pedro Calles) trifft auf seinen Heimatclub.

Foto: WITTERS

Bei ihrer Bundesliga-Premiere 2019 verloren die Basketballer in München mit 56 Punkten Differenz. Am Sonntag soll die Revanche folgen.

Hamburg. Für Hamburger Sportteams waren Reisen nach München in der jüngeren Vergangenheit alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Die Fußballer des HSV wurden beim FC Bayern regelmäßig am Nasenring durch die Manege geführt, und auch die Hamburg Towers erlebten in der bayerischen Landeshauptstadt eine Demütigung erster Güte.

Am 30. September 2019 absolvierten die Wilhelmsburger im Audi-Dome das erste Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte. Mit der Aufstiegseuphorie im Rücken wollten die Towers dem haushohen Favoriten ein Bein stellen. Doch daraus wurde nichts. Für die Bayern war es wie eine lockere Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen. Mit 55:111 ging die Mannschaft des damaligen Towers-Trainers Mike Taylor (48) in München unter. Es war der Anfang einer schwierigen Premierensaison, die nur mit dem Klassenerhalt endete, weil die Abstiegsregelung wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt wurde.

Kampfansage für Bayern München

„Wichtig ist immer, dass man, wenn man in die Fresse kriegt – und das haben wir in der vergangenen Saison dort reichlich bekommen – wieder aufsteht“, sagt Geschäftsführer und Sportdirektor Marvin Willoughby: „Wir haben das Spiel im Hinterkopf und wollen zeigen, dass wir nicht mehr die Mannschaft der Vorsaison sind. Wir wollen die Hamburger Fahne hochhalten“, erklärt der 42-Jährige, der vor dem erneuten Duell am Sonntag (15 Uhr, MagentaSport und Sport1) gleich noch eine Kampfansage Richtung Süden folgen lässt: „Wenn Bayern München glaubt, dass wir uns hinlegen und freiwillig mit 50 Punkten verlieren, werden die Bayern sehen, was passiert.“

Das neue Selbstvertrauen ist vor allem darin begründet, dass die Towers von damals mit den Towers von heute kaum noch etwas gemeinsam haben. Mit Marvin Ogunsipe (24) und Justus Hollatz (19) stehen nur noch zwei Spieler im Kader, die das Debakel hautnah miterlebt haben. „Das war echt kein gutes Spiel von uns. Wir leben aber nicht in der Vergangenheit. In dieser Saison haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen“ sagt Ogunsipe, der seit 2019 von den Bayern nach Hamburg verliehen ist. „Der FC Bayern ist eine große Marke, die für Erfolg steht. Dieser Siegeswille und die Gier nach Erfolg sind das, was ich aus meiner Zeit dort besonders erinnere“, ergänzt der Österreicher mit deutschem Pass.

Es wird spannend: Duell auf Augenhöhe

Auch wenn die Bayern mit knapp 20 Millionen Euro einen fast fünfmal so hohen Etat wie die Hamburger (3,8 Millionen Euro) haben, ist es rein tabellarisch ein Duell auf Augenhöhe. Die Bayern (8:2 Siege) rangieren als Fünfter nur einen Platz vor den Towers (8:3). „Wir respektieren München, aber wir haben gesehen, dass Chemnitz vergangene Woche nur mit einem Punkt verloren hat. Wenn wir unser Spiel spielen und mit Energie auftreten, dann haben wir eine gute Chance, jede Mannschaft zu schlagen“, sagt Towers-Kapitän Bryce Taylor (34), der von 2013 bis 2017 für die Bayern spielte und dort ebenfalls Kapitän war.

Beim starken 89:72-Sieg gegen den Tabellenzweiten Crailsheim zeigten die Towers-Profis am vergangenen Sonntag, dass sie in der Lage sind, auch gegen Topteams die perfekte Mischung aus Energie und Konzentration zu finden. „Das wird auch gegen die Bayern ein Schlüssel sein. Ich erwarte, dass meine Spieler über 40 Minuten konzentriert sind und die Angriffe gut zu Ende spielen. Zudem wird das Rebounding die Partie diktieren“, sagt Towers-Trainer Pedro Calles (37), der die Towers-Blamage 2019 als Coach von Rasta Vechta am TV-Gerät verfolgte.

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Ein großes Plus könnte am Sonntag indes die körperliche und geistige Frische der Towers werden. Während sich die Hamburger in aller Ruhe auf den Nord-Süd-Gipfel vorbereiten konnten, mussten die derzeit ersatzgeschwächten Bayern am Dienstag gegen Zenit St. Petersburg (82:80) und am Freitag gegen Real Madrid (nach Redaktionsschluss) um wichtige Punkte in der EuroLeague kämpfen. „Es wird aber natürlich keine leichte Aufgabe, eher eine riesige Herausforderung. Aber Herausforderungen sind da, um sie anzunehmen“, sagt Johannes Richter (27), der am Sonntag sein Debüt für die Towers feiern wird. ber

Der ehemalige Towers-Spielmacher Jorge Gutierrez (32) hat seinen Vertrag beim Ligakonkurrenten BG Göttingen vorzeitig aufgelöst.