Basketball

Hamburg Towers: Heimlich, still und leise zum Topteam

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Alexander Berthold
T. J. Shorts von den Hamburg Towers im Spiel gegen die Rostock Seawolves

T. J. Shorts von den Hamburg Towers im Spiel gegen die Rostock Seawolves

Foto: picture alliance

Vorbereitung auf die Saison läuft nahezu perfekt. Die Towers werden längst als Play-off-Kandidat wahrgenommen.

Hamburg.  Die neue Woche begann für T. J. Shorts (22) mit einem Besuch beim stellvertretenden Mannschaftsarzt Michael Green. Der US-Amerikaner hatte sich am Sonntag beim 95:86-Sieg der Hamburg Towers gegen die Löwen Braunschweig eine Knöchelverletzung zugezogen. Eine genaue Diagnose steht nach einer ersten Untersuchung noch aus.

Shorts und die Towers haben aber die Hoffnung, dass es sich lediglich um eine starke Bänderdehnung handelt. Dass der bisher so starke Guard in den beiden verbleibenden Testspielen am Wochenende gegen die Chemnitz Niners auflaufen kann, ist unwahrscheinlich. Und deshalb war die Freude über den freien Montag beim Wilhelmsburger Basketballclub etwas gedämpft.

Hamburg Towers: Vorbereitung auf die Saison läuft nahezu perfekt

Dabei haben sich die Towers die Freizeit wahrlich verdient. Die Vorbereitung auf die zweite Saison der Clubgeschichte in der Basketball-Bundesliga (BBL) läuft nahezu perfekt. Alle fünf Testspiele konnte die Mannschaft des neuen Trainers Pedro Calles (37) überzeugend gewinnen. Am vergangenen Wochenende besiegten die Wilhelmsburger mit den EWE Baskets Oldenburg (100:90) und den Löwen Braunschweig zwei Teams, die als Topteams der neuen Saison gelten. Zuvor konnten die Towers die Zweitligateams Eisbären Bremerhaven (97:92) und Rostock Seawolves (88:76) sowie BBL-Team s.Oliver Würzburg (100:63) bezwingen.

Die makellose Bilanz – vor allem gegen die Topteams – hat auch bei der Bundesliga-Konkurrenz Eindruck hinterlassen. Die Towers werden längst als Play-off-Kandidat wahrgenommen. „Wir sind zufrieden, dass wir Spiele gewonnen haben, dürfen es aber auch nicht überbewerten. Wir sind gut beraten, weiter hart zu arbeiten, denn die Siege sind ein Produkt von Arbeit, Einsatz und Intensität. Spielerisch können wir es noch besser machen“, mahnt Geschäftsführer und Sportdirektor Marvin Willoughby (42).

Spiel der Towers sieht bereits sehr gut abgestimmt aus

Dabei ist der Status quo durchaus beachtlich. Trotz elf neuer Spieler und einem neuen Coach sieht das Spiel der Towers bereits sehr gut abgestimmt aus. In der Defensive haben die Hamburger nun mehr taktische Varianten im Repertoire. Gegen Oldenburg variierte das Calles-Team während des Spiels zwischen Pressing über den gesamten Court und situationsabhängigem Doppeln des ballführenden Gegners. So wenig ausrechenbar das Team gegen den Ball arbeitet, so kreativ präsentiert es sich im Angriffsspiel.

Für den Stand der Vorbereitung läuft der Basketball sehr gut durch die eigenen Reihen. Immer wieder werden gute Wurfpositionen herausgearbeitet. Vor allem Guard Shorts glänzt mit Kreativität und Übersicht. Ebenso auffällig: Die starken Distanzschützen. Gegen Oldenburg flogen phasenweise 63 Prozent aller Dreipunktewürfe ins Netz. Die Neuzugänge Kameron Taylor (26), Jordan Swing (29) und Terry Allen (26) haben das Potenzial, Spiele mit ihrer Treffsicherheit allein zu entscheiden.

Verletzungen sind bisher der einzige Wermutstropfen

Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass kein klassischer Center im Kader steht. Der 2,11 Meter große und 124 Kilogramm schwere Este Maik Kotsar, der die Position fünf bekleidet, ist keiner, der beide Bretter dominiert. Vielmehr glänzt der 23-Jährige bisher durch Treffsicherheit. Schon bei seinem ehemaligen Club Rasta Vechta spielte für Trainer Calles die Center-Position nur eine untergeordnete Rolle.

Und so sind die Verletzungen bisher der einzige Wermutstropfen. Der namhafteste Neuzugang Bryce Taylor (34) wird nach seinem Achillessehnenriss im Frühjahr an das Mannschaftstraining herangeführt und konnte noch kein Testspiel absolvieren, genau wie Zugang Hans Brase (27), den Knieprobleme plagen, und Marvin Ogunsipe (24), der noch an den Folgen einer Zerrung leidet. Deshalb kamen in den Vorbereitungspartien auch die Youngster Osaro Jürgen Rich Igbineweka (22), Jammal Schmedes (18) und Hendrik Drescher (20) zu Einsätzen. „Jeder trägt gerade etwas zu unserem Team-Basketball bei. Wir gehen in die Richtung, in die wir wollen. Nämlich jeden Tag ein Stück besser zu werden“, lobt Trainer Calles.

Steigende Corona-Zahlen gefährden einen Heimauftakt mit Publikum

Die Fans bekommen davon leider kaum etwas mit. Während die meisten BBL-Clubs die Testspiele nutzen, um Hygienekonzepte zu testen, findet bei den Towers nahezu alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Selbst Medienvertreter waren bislang nicht erwünscht. Über die sozialen Netzwerke beschweren sich bereits Teile der Anhänger über die Geheimniskrämerei in Wilhelmsburg. Die Towers nennen die Corona-Pandemie als Grund für die geheimste Vorbereitung der Clubgeschichte. Auf einen Livestream von den Testspielen wurde aus Kosten- und Personalgründen bisher verzichtet.

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Deshalb sind die Towers-Fans gezwungen, bis zum ersten BBL-Spiel gegen Bamberg am 8. November auszuharren, um ihre runderneuerten Türme live sehen zu können. Ob beim Streamingdienst MagentaSport oder vor Ort in der edel-optics.de Arena ist offen. Die steigenden Corona-Zahlen gefährden einen Heimauftakt mit Publikum. Nach Abendblatt-Informationen werden die Towers wegen der ungewissen Lage erst mal auf den Verkauf von Dauerkarten verzichten. Die Saison-Abo-Kunden wurden bereits informiert. Sie werden aber berücksichtigt, sollten, - wie es das Hygienekonzept für die BBL-Spiele vorsieht, 650 Zuschauer in die Arena dürfen. Die Chancen auf den ersten Heimsieg der Clubgeschichte, das zeigt die Vorbereitung, stehen jedenfalls besser als noch in der Vorsaison.