Basketball

Kotsars verrücktes Jahr: Erst Corona, dann Towers-Vertrag

Maik Kotsar (23) startet in Hamburg seine Profikarriere.

Maik Kotsar (23) startet in Hamburg seine Profikarriere.

Foto: Witters

Der Este ist der erste Neuzugang, der nach Hamburg gezogen ist. Für den 2,11 Meter großen Basketballer ist es die erste Profistation.

Hamburg. Einen kleinen Vorgeschmack auf seine neue berufliche Normalität erhielt Maik Kotsar (23) am Mittwochmittag. Bei Hähnchenkeule, Kartoffeln und Rosmarinsoße gab der neue Center der Hamburg Towers in „Mam´s Bistro“ unweit der edel-optics.de Arena in Wilhelmsburg das erste Interview seiner Profikarriere. „Meinen Alltag werde ich als Berufsbasketballer sicher neu organisieren müssen. Das mit dem Medientermin habe ich ja schon mal überstanden“, scherzte der Este, der zuvor für die Universität von South Carolina spielte und nun in Hamburg seine ersten Profierfahrungen sammeln will.

Vor drei Monaten, inmitten des Corona-Lockdowns, musste der Nationalspieler eine weitaus ernstere Situation meistern. Im Mai wachte Kotsar eines Morgens mit laufender Nase auf. Er rief seinen Trainer Frank Martin an, um ihn über seinen vermeintlichen Schnupfen zu informieren. „Er lebte mit seiner Schwiegermutter, die schon sehr alt war, zusammen und war deshalb sehr vorsichtig. Er hatte Angst, sich über uns Spieler anzustecken und sie so zu gefährden“, erzählt Kotsar. Deshalb riet ihm sein Coach, einen Corona-Test zu machen. „Das Ergebnis war positiv. Ich habe mich wohl in einem Supermarkt angesteckt, weil ich während des Lockdowns nirgendwo anders war“, sagt Kotsar, der nur einen milden Krankheitsverlauf hatte. „Die laufende Nase war das einzige Symptom. Es ist wirklich glimpflich ausgegangen“, sagt der 2,11 Meter große und 120 Kilogramm schwere Towers-Zugang.

Kotsars Schwester Karolin ist ein Toptalent im Schwimmen

Ende Juni verließ er nach seinem College-Abschluss im Fach Finanzwesen die USA, um zurück nach Estland zu fliegen. Nach zweiwöchiger Quarantäne konnte Kotsar den Sommer in Saku, einem Vorort Tallinns, mit seiner Familie genießen. „Meine Eltern haben mich immer bei meinen Basketball-Träumen unterstützt. Von meinem ersten Gehaltsscheck als Profi werde ich sie zum Essen einladen“, sagt Kotsar, der über seinen Vater Egon zum Basketball kam. „Er war nie Profi, hat aber in allen möglichen Ligen gespielt. Wir als Familie haben ihn immer angefeuert“, sagt der Neu-Hamburger, der schon früh die Liebe zum Sport entdeckte. „Als Dreijähriger wollte ich nicht mit einem Teddy im Bett kuscheln, ich habe meinen Basketball genommen. Das sagt zumindest meine Mutter“, sagt der Forward, der auch als Center spielen kann, und lacht.

Der neue Towers-Profi ist nicht der einzige Sprössling der Kotsar-Familie, der sportliches Geschick vorweisen kann. Schwester Karolin (14) gilt als eines der größten Schwimmtalente des Landes. „Es ist Wahnsinn, wie viel Herzblut sie in den Sport steckt. Sie ist mein Vorbild. Karolin hat in ihrer Altersklasse acht Goldmedaillen bei nationalen Meisterschaften gewonnen. Da muss ich nachziehen“, scherzt Kotsar, der aber selbst auch schon die ganz große Bühne im Basketball erlebt hat.

Training für den Kopf

2017 spielte er mit seinem Collegeteam erst im legendären New Yorker Madison Square Garden, ehe das weltweit bekannte „March-Madness-Turnier“ vor mehr als 77.000 Zuschauern im Footballstadion von Phoenix stieg. „So etwas Verrücktes habe ich noch nie erlebt. Ich habe alles aufgesogen, es lief mir ein freudiger Schauer über den Rücken“, sagt Kotsar. Um mit all diesen Eindrücken und auch Misserfolgen, die er auf dem College erlebte, umzugehen, trainiert er nicht nur seinen Körper, Kotsar hat während seines USA-Aufenthalts 30 Kilo Muskelmasse zugelegt, sondern auch seinen Kopf.

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„Als es bei mir im dritten Collegejahr nicht so lief, habe ich mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet, und ich meditiere regelmäßig“, sagt der neue Towers-Profi. „Wenn man seine Muskeln nicht trainiert, verliert man an Substanz. Mit dem Kopf ist es genauso. Das tut mir gut.“