BBL

Towers bestätigen Trennung von Trainer Mike Taylor

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Immer mit viel Herzblut dabei: Towers-Trainer Michael Taylor.

Immer mit viel Herzblut dabei: Towers-Trainer Michael Taylor.

Foto: Witters

Der US-Amerikaner reagiert verbittert auf seinen erzwungenen Abschied. Was Taylor dem Club-Management vorwirft.

Hamburg.  Zehn Tage nach der Trennung von Trainer Michael „Mike“ Taylor haben die Hamburg Towers jetzt auch offiziell verkündet, dass sie den Zweijahresvertrag mit dem 47 Jahre alten US-Amerikaner nicht verlängern werden. Dessen Amtszeit beim Wilhelmsburger Basketball-Bundesligaclub endet damit nun am 31. Juli. Weil Taylor zu einem früheren Zeitpunkt nicht in Hamburg war, er besuchte gerade seine Schwiegereltern in Tübingen, habe man auf die Rückkehr des Trainers warten wollen, erklärte der Club sein langes Schweigen.

Taylor war mit den Towers Ende April­ 2019 in die Erste Liga aufgestiegen und hatte in dieser Saison den Klassenerhalt geschafft, weil die Basketball-Bundesliga (BBL) am 27. April ihre Hauptrunde zwölf Spieltage vor Schluss ohne Wertung der bisherigen Resultate abgebrochen hatte. Der Spielbetrieb ruhte da bereits seit Mitte März. In diesem Moment standen die Towers mit drei (Auswärts-)Siegen aus 20 Spielen auf dem letzten Tabellenplatz, der den Abstieg bedeutet hätte. Am in München laufenden Turnier um die deutsche Meisterschaft, bei dem zehn Clubs um den Titel werfen, nehmen die Hamburger als eine von sieben Mannschaften aus wirtschaftlichen Gründen nicht teil. Bei den Towers liefen die meisten Spielerverträge am 2. Mai, dem geplanten Saisonende, aus. Mögliche Vertragsverlängerungen plus Nebenkosten hätten bis Ende Juni mindestens 150.000 Euro gekostet.

Sportchef Marvin Willoughby fiel es schwer, die Trennung zu begründen

Sportchef Marvin Willoughby (42) fiel es in seiner vom Verein verbreiteten Stellungnahme schwer, die Trennung von dem international renommierten Coach, der 2019 als Nationaltrainer Polen nach 52 Jahren wieder zu einer WM geführt hatte, zu begründen. Willoughby, auch geschäftsführender Gesellschafter der Towers, versuchte es deshalb gar nicht erst und ließ nur lobende Worte zitieren: „Wir danken Mike aus tiefstem Herzen. Mit seiner Persönlichkeit und seinem Geschick war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass uns der riesige Erfolg des Aufstiegs gelungen ist.

Mike hat mit seiner Art und seinen Werten den Verein entwickelt und uns weitergebracht, auch mit allem, was er abseits des Basketballfelds für uns gegeben hat. Dieses Jahr in der Bundesliga war eine gewaltige Aufgabe für uns. Wir sind nächstes Jahr weiter in der BBL dabei und sind sehr glücklich darüber. Auch für seinen Anteil daran sind wir ihm wirklich dankbar. Mike wird für uns immer ein Tower sein.“

Taylor reagierte enttäuscht und verbittert

Taylor wiederum reagierte in seinem sehr persönlichen Statement enttäuscht und verbittert auf die ausgebliebene Vertragsverlängerung, erwähnte bei seiner Einlassung Willough­by mit keinem Wort. Als er sein Arbeitspapier im Sommer 2018 bei den Towers unterschrieb, hätten sich beide Seiten zum Ziel gesetzt, die Mannschaft in den nächsten zwei Jahren in die Bundesliga zu führen.

Das habe er schon im ersten Jahr geschafft, der bis dahin erfolgreichsten Saison der jungen Vereinsgeschichte, „und ich bin überzeugt davon, dass wir im letzten Drittel dieser Serie auch sportlich den Klassenerhalt geschafft hätten“, sagte Taylor. Jeder wisse, dass sich eine Siegermentalität und eine erfolgreiche Bundesliga-Organisation erst entwickeln müssen, ein Verein Zeit brauche und an allen Fronten hart arbeiten müsse, um dieses Ziel zu erreichen. „Und mit unserem Aufstieg 2019 waren wir den Planungen um ein Jahr voraus“, betonte Taylor.

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Er habe sich immer loyal gegenüber den Spielern und dem Management verhalten, er sei immer positiv geblieben, habe trotz schwieriger Umstände nie nach Ausreden gesucht, während der Saison vier neue Spieler in die Mannschaft integriert und das Team, den gesamten Club auf ein höheres Niveau geführt, „mit dem wir in der Lage waren, in der Bundesliga Spiele zu gewinnen“. Das sei am Anfang der Saison nicht der Fall gewesen. Taylor bedankte sich ausdrücklich bei seinen Co-Trainern und „den fantastischen Fans, die mit uns den Aufstieg gefeiert haben und weiter mit unerschütterlicher Unterstützung an das geglaubt haben, was wir hier aufbauen wollten“. Dieser Glaube fehlte jetzt offenbar dem Verein.

( ber/rg )