Basketball

Hamburg Towers leiden unter fehlender physischer Robustheit

Neuzugang Bogdan Radosavljevic hat sich als Verstärkung erwiesen. Dreimal erzielte der Deutsch-Serbe bereits mehr als 20 Punkte.

Neuzugang Bogdan Radosavljevic hat sich als Verstärkung erwiesen. Dreimal erzielte der Deutsch-Serbe bereits mehr als 20 Punkte.

Foto: Valeria Witters

Hamburger Basketballer führen 37 Minuten lang gegen Ludwigsburg und verlieren am Ende wieder, diesmal 92:98.

Hamburg. Es war schon spät an diesem Sonnabendabend, als bei Marvin Willoughby die Emotionen noch mal hochkochten. „Das war ein klarer Schrittfehler. Die Schiedsrichter sind extra angewiesen worden, diesen Bewegungsablauf zu ahnden“, erregte sich der Sportchef der Hamburg Towers. „Diese Szene hat uns endgültig das Genick gebrochen.“

92 Sekunden vor Schluss war Ludwigsburgs Marcos Knight regelwidrig an der Hamburger Abwehr vorbeigedribbelt, hatte den Ball zum 94:92 in den Korb gelegt. Der fällige Pfiff aber blieb aus. Es war der Anfang vom Ende des achten und wohl bisher besten Heimspiels des Basketball-Bundesliga-Aufsteigers, aber der Ausgang unterschied sich nicht von seinen sieben Vorgängern. Die Towers unterlagen auch dem Tabellenzweiten Riesen Ludwigsburg mit 92:98 (32:23, 25:25, 18:17, 17:33), obwohl sie 37 Minuten lang geführt hatten, zwischenzeitlich mit 13 Punkten Vorsprung.

Neue Impulse durch Kampfgeist und Durchsetzungsvermögen

Basketball: Die BBL-Highlights mit den Towers
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„Natürlich haben wir uns die Niederlage ganz allein selbst zuzuschreiben, aber es ist höchst ärgerlich, wie sie zustande kam“, zürnte Willoughby. „In den letzten zehn Minuten haben wir siebenmal den Ball verloren, das geht nicht, damit reißen wir alles wieder ein, was wir uns vorher mühsam aufgebaut haben.“

Ausgerechnet Regisseur Jorge Gutiérrez (4), mit einer leichten Erkältung ins Spiel gegangen, später schmerzhaft auf die Schulter gefallen, und Center Bogdan Radosavl­jevic (5) leisteten sich die meisten Ballverluste. Dabei prägten beide das Spiel der Towers, Gutiérrez mit zwölf Vorlagen, Radosavl­jevic mit 25 Punkten und gerade mal einem Fehlwurf aus dem Feld (7 Treffer bei 8 Versuchen), dazu einer Hundertprozentquote von der Freiwurflinie (8 aus 8). Der Venezolaner Michael Carrera stand beiden mit 21 Punkten und 7 Rebounds in nichts nach, lieferte sein bisher bestes Spiel für die Towers, gab dem Team mit seinem Kampfgeist und Durchsetzungsvermögen immer wieder neue Impulse.

„Wir werden von Spiel zu Spiel besser, stecken jetzt auch Rückschläge konstruktiv weg“, sagte Willoughby, als sich sein Verdruss etwas gelegt hatte, „wir müssen jedoch so schnell wie möglich den nächsten Schritt machen, ein solches Match auch mal gewinnen.“ Mit 3:14 Siegen sind die Towers weiter Drittletzter, nur der Tabellenletzte steigt ab. „Ich gehe weiter fest davon aus, dass wir den Klassenerhalt schaffen“, sagte Willough­by, „die Mannschaft hat ihr Potenzial längst nicht ausgeschöpft.“

Die Rolle von Neuzugang Holland

Demarcus Holland, der vierte und letzte Neuzugang in dieser Saison, könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Gegen Ludwigsburg gab er nach anfänglichen Abstimmungsproblemen ein ordentliches Debüt, half die Deckung zu stabilisieren, und 111 Sekunden vor Schluss zeigte er zudem seine Schussfertigkeiten, traf aus der Distanz zum 92:92. Insgesamt steuerte er sieben Punkte bei, stufte seine Leistung aber selbstkritisch „als stark verbesserungswürdig“ ein.

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Towers-Trainer Mike Taylor, am Donnerstag zum zweiten Mal Vater geworden, Ehefrau Alice gebar Sohn Nick, wollte angesichts vieler positiver Eindrücke in seiner Analyse vor allem die Fortschritte sehen: „Wir haben vieles richtig gemacht. Der große Unterschied zu den vorigen Spielen war, dass wir mit einer Führung die Begegnung diktiert haben. Daran gilt es weiter zu arbeiten. Wir müssen aber lernen, ein solches Match dann auch erfolgreich durchzuziehen.“

Fehlende physische Robustheit

Die Ludwigsburger waren den Towers bei den Rebounds (36:31) überlegen, was nicht überraschte, weil dies die große Qualität dieses Teams ist, und sie leisteten sich weniger Ballverluste (14:17). Dass die Hamburger wie im vorigen Heimspiel gegen Würzburg (83:86) das Match in den letzten Minuten verloren, dürfte nicht fehlender körperlicher Fitness zuzuschreiben sein, schließlich drehten die Towers in der Schlussphase die später siegreichen Spiele in Braunschweig und Bonn.

Der Unterschied: In diesen Begegnungen waren die Towers mit Rückstand in die Crunchtime gegangen, gegen Ludwigsburg hatten sie einen Vorsprung zu verteidigen – was auf (noch) fehlende physische Robustheit schließen lässt. Zeit zum Aufarbeiten bleibt kaum: Am Dienstagabend in Bamberg wartet eine erneut kaum zu bewältigende Herausforderung. Vielleicht ist das gerade die Chance.