Basketball

Hamburg Towers kurz vor weiterer Neuverpflichtung

Sie wissen, wo bei den Towers der Schuh drückt: Trainer Mike Taylo (l.) und Routinier Heiko Schaffartzik.

Sie wissen, wo bei den Towers der Schuh drückt: Trainer Mike Taylo (l.) und Routinier Heiko Schaffartzik.

Foto: Witters

Aufsteiger sucht Defensiv-Allrounder, Gespräche sind weit fortgeschritten. Sportchef Willoughby fordert nach Würzburg-Pleite Taten.

Hamburg. Immer öfter ähneln die Gespräche nach den Heimspielen der Hamburg Towers den Konversationen auf einer Krankenstation. Dem Patienten wird attestiert, er sei auf einem guten Weg, ihm wird neuer Mut zugeredet, aber die Symptome bleiben unverändert dieselben.

Marvin Willoughby, der Sportchef der Towers, konnte nach der 83:86 (23:30, 17:20, 22:17, 21:19)-Heimniederlage dann auch die Komplimente nicht mehr hören, die Mannschaft sei in der Bundesliga angekommen, werde "in der zweiten Saisonhälfte die nötigen Siege einfahren, um die Klasse zu halten“, wie Würzburgs Trainer Denis Wucherer den Gegner huldigte.

"Das klingt ja alles schön und gut“, sagte Willoughby, "wir müssen aber endlich den nötigen nächsten Schritt machen, nicht nur darüber reden, dass wir gewinnen können, wir müssen es auch mal wieder tun.“

Towers stehen kurz vor weiterem Transfer

Um die Chancen darauf zu erhöhen, wollen die Towers noch vor ihrem nächsten (Heim-)Spiel am 8. Februar (18 Uhr) in der edel-optics.de Arena gegen den Tabellenzweiten Ludwigsburg ihre letzte Option ziehen und einen vierten Profi nachverpflichten. Entsprechende Gespräche mit möglichen Kandidaten sind weit fortgeschritten.

"Lange abwarten ergibt in unserer Situation keinen Sinn mehr. Wir wollen jetzt den Kader zusammenhaben, mit dem wir die Rückrunde bestreiten“, sagte Willoughby. Defizite sieht der Sportchef vor allem in der Verteidigung: "Wir brauchen noch jemanden, der auf mehreren Positionen spielen kann, einen, der vor allem unsere Defense stabilisiert.“

Hinzu käme, dass Spielmacher-Talent Justus Hollatz (18) wegen Abiturprüfungen nicht mehr voll belastbar sei. Am Sonntag spielte er jedoch auch noch 31:38 Minuten in Wedel.

Towers verteidigen die Dreier schlecht

Schlecht verteidigten die Towers besonders in der ersten Halbzeit die Distanzschützen der Würzburger. Die konnten zu oft aus 6,75 Metern einnetzen, ohne dass sie bei ihren Würfen gestört wurden. Das Resultat: acht von 13 Dreiern landeten im Korb, in den ersten zehn Minuten fünf von sechs.

In der zweiten Hälfte, als die Hamburger aggressiver in der Abwehr auftraten, waren es nur noch vier von 13. "Im Golf wäre die erste Halbzeit ein Birdie gewesen, also ein Schlag unter Par“, meinte Wucherer. Beim Stand von 35:50 führten die Würzburger in der 18. Minute schon mit 15 Punkten.

Hektische Towers bringen sich um den Lohn

Nun sind Zwischenstände im Basketball immer nur Momentaufnahmen mit begrenzter Aussagekraft. In der zweiten Hälfte warfen sich die Towers Punkt um Punkt heran, bis Heiko Schaffartzik 75 Sekunden vor Schluss mit einem Dreier der Ausgleich zum 81:81 gelang.

Das Spiel schien die von den jubelnden Towers-Fans erhoffte Wende zu nehmen, doch in der nun entscheidenden Phase ließ die Mannschaft die nötige Kaltblütigkeit vermissen, wurde hektisch, warf aus fast jeder Position, nur nicht aus Erfolg versprechenden.

Die Würzburger verwandelten dagegen in der letzten Minute fünf von sechs Freiwürfen – besiegelten im siebten Bundesliga-Heimspiel die siebte Heimniederlage der Hamburger.

Towers seit neun Monaten ohne Heimsieg

Die sind jetzt seit fast neun Monaten in der eigenen Arena sieglos und bleiben aber auf dem drittletzten Tabellenplatz. Nur der Letzte steigt ab. Der letzte Erfolg gelang am 4. Mai 2019 im Finalrückspiel der 2. Bundesliga gegen die Nürnberg Falcons.

"Das ist die Geschichte der Saison: Wir liegen hinten, kämpfen uns zurück, haben wie in Oldenburg und Crailsheim in den letzten Minuten die Möglichkeit zu gewinnen, die wir dann nicht nutzen“, klagte Towers-Trainer Mike Taylor.

"Unser nächster Schritt ist klar: konstanter spielen, mal selbst ein Spiel diktieren, damit wir nicht immer einem Rückstand hinterherjagen. Und wir müssen lernen, in der Schlussphase geduldiger zu werden. Beim 81:81 haben wir unseren Spielplan nicht mehr ordentlich ausgeführt.“

Würzburg-Trainer macht Komplimente

Natürlich wisse er sehr wohl, dass Basketball ein Ergebnissport ist, schloss Taylor seine Analyse und versprach, weiter hart zu arbeiten. „Wir brauchen dringend Siege für den Klassenerhalt, aber dafür müssen wir auch besser spielen.“

Es war dann Taylors Kollege Wucherer, der den Towers am späten Sonnabendabend Mut machte: "In den ersten zwei Monaten der Saison war die Mannschaft nicht unbedingt bundesligatauglich, aber mittlerweile haben die Towers die nötigen Veränderungen vorgenommen, um ein Team aufs Parkett zu bringen, das es – wie uns – jedem Gegner schwer macht. Ich sehe andere Clubs in der Liga, die nicht das Potenzial und auch nicht den Willen haben, den die Hamburger in jedem Spiel aufbringen.“