Basketball

Nervenspiel der Hamburg Towers im Abstiegskampf

Michael Carrera hinterließ sportlich einen starken Eindruck, ließ aber die nötige Disziplin vermissen, wurde in der 36. Minute disqualifiziert.

Michael Carrera hinterließ sportlich einen starken Eindruck, ließ aber die nötige Disziplin vermissen, wurde in der 36. Minute disqualifiziert.

Foto: Witters

Die Towers verlieren 81:95 gegen Bayreuth. Neuzugang Carrera droht nach Ellenbogenschlag eine längere Sperre.

Hamburg. Das Spiel war am späten Sonnabendabend keine Viertelstunde beendet, da ergriff Michael Carrera in der Kabine kurz vor 23 Uhr das Wort. Der Venezolaner entschuldigte sich bei seinen Kollegen der Hamburg Towers für seine Undiszipliniertheit, die dafür gesorgt hatte, dass sein Debüt beim Wilhelmsburger Bundesliga-Aufsteiger nicht nur wegen der 81:95 (41:41)-Niederlage gegen Medi Bayreuth zu einem Albtraum wurde. Der 26-Jährige hatte sich in der 36. Minute zu einem Ellenbogenschlag in den Magen von Nate Linhart abseits des Spielgeschehens hinreißen lassen, den die Schiedsrichter mit einem „disqualifizierenden Foul“ ahndeten.

Die Highlights des Spieltages

Basketball: Die BBL-Highlights
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Der Bayreuther hatte zuvor mit einem Rempler und einigen unschönen Worten die Situation provoziert. „Da haben sich bei Michael einige Dinge aufgestaut. Es wurden im Verlauf des Spiels einige Situationen gegen ihn gepfiffen, dann hat er in dieser Szene die Kontrolle verloren. Er weiß, dass er sich da zusammenreißen muss“, sagte Trainer Mike Taylor (47), dem bewusst ist, dass die Tätlichkeit noch ein sportgerichtliches Nachspiel haben wird.

Carrera droht eine Sperre

Carrera, der bis zu seinem Platzverweis acht Punkte erzielte und eine gute Leistung bot, droht nun eine Sperre von wahrscheinlich zwei Spielen (am nächsten Freitag in Braunschweig und am 22. Dezember gegen Alba Berlin), dazu eine Geldbuße im vierstelligen Bereich. Zu Wochenbeginn wird das Schiedsgericht der Basketball-Bundesliga (BBL) über das Strafmaß entscheiden.

Und den Towers könnte weiteres Ungemach bevorstehen. Bayreuths Cheftrainer Raoul Korner will womöglich noch zu sichtendes Videomaterial mit ungesühnten Hamburger Körperattacken an die BBL schicken. „Ich weiß, dass die Towers im Abstiegskampf stecken und habe diese Gangart erwartet. Es ist eine schmale Linie zwischen Härte und Unfairness. Die ist von einigen Hamburgern heute deutlich überschritten worden“, zürnte der Österreicher.

Disziplinprobleme bei den Towers

Carrera war nicht der einzige Hamburger, der mit Disziplinproblemen zu kämpfen hatte. Der nicht gerade für sein physisches Spiel bekannte Kapitän Beau Beech sorgte mit einem Foul bei James Robinson für einen Cut am Auge. Wenig später war ein erneut hartes Foul des 25-Jährigen Auslöser einer Mini-Rudelbildung. Insgesamt kassierten die Towers gegen Bayreuth vier unsportliche Fouls (Freese, Ogunsipe, Beech, Franke) sowie drei technische Fouls gegen die Ersatzbank, gegen Trainer Taylor (2) und Beech.

Der Frust über die achte Niederlage im neunten Saisonspiel sowie den Sturz auf den letzten Tabellenplatz wird immer offensichtlicher. „Wir haben leider in der zweiten Halbzeit unsere emotionale Disziplin verloren und es den Schiedsrichtern leicht gemacht, Dinge gegen uns zu pfeifen. Wenn wir gegen Widerstände ankämpfen, müssen wir das mit mehr Reife tun“, haderte Taylor.

Die Konstanz fehlt

Da blieb es ein schwacher Trost, dass die Hamburger ihre beste erste Hälfte in dieser Saison spielten, erstmals mit 18:15 das erste Viertel gewannen. Die Towers, bei denen Guard Jorge Gutiérrez mit 23 Punkten bester Werfer war, traten strukturiert auf, verteidigten aggressiv, kreierten immer wieder gute Offensivaktionen. „Uns fehlt aber nach wie vor die Konstanz und die mentale Widerstandsfähigkeit. Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt, danach machten wir es dem Gegner viel zu einfach“, klagte Kapitän Beech und sagte Worte, die offenbarten, wie prekär die Situation zu sein scheint. „Irgendetwas klickt bei uns Spielern nicht. Wir müssen schleunigst herausfinden, woran das liegt.“

Ein Beispiel dafür, was bei den Towers im Argen liegt, lieferte vor der Partie Forward Marshawn Powell. Der 29-Jährige wurde als überzähliger Ausländer, nur sechs dürfen auf den Spielberichtsbogen, von Trainer Taylor aus dem Kader gestrichen. Daraufhin weigerte sich der bisher enttäuschende US-Amerikaner – im Gegensatz zum ebenfalls überzähligen deutschen Forward Kevin Yebo (23) – in die Arena zu kommen und seine Kollegen zu unterstützen.

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Ein Affront gegen seine Mitspieler und den Club, der nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Derzeit deutet alles darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Kapitel Powell, der zu den Topverdienern gehört, in Hamburg beendet ist. Schließlich war es nach Abendblatt-Informationen nicht die erste Verfehlung des im Sommer verpflichteten Profis, der als Schlüsselspieler vorgesehen war.