Basketball

Spielen die Hamburg Towers in der Messe?

Der in Chicago geborene
US-Amerikaner Carlton Guyton (28)
war einer der Schlüsselspieler der
Hamburg Towers in den Play-offs.

Der in Chicago geborene US-Amerikaner Carlton Guyton (28) war einer der Schlüsselspieler der Hamburg Towers in den Play-offs.

Bundesligaaufsteiger will Eventspiele gegen Topgegner auslagern. Planungen für Bundesligasaison laufen auf Hochtouren.

Hamburg. Die Euphorie über den Aufstieg der Hamburg Towers in die Basketballbundesliga (BBL) war im Rathaus auch am Donnerstag noch allgegenwärtig. „Klar ist, dass wir die unglaubliche Leistung der Mannschaft entsprechend würdigen wollen“, sagte Sportsenator Andy Grote. Sogar ein Empfang beim Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher im Rathaus ist für die kommende Woche denkbar. Vorher will das Team von Trainer Mike Taylor aber noch die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Pro A perfekt machen.

Allerdings unterlagen sie am Abend nur zwei Tage nach ihrem Aufstieg im Finalhinspiel den Nürnberg Falcons mit 87:90 (40:52). Das Rückspiel steigt am Sonnabend (19.30 Uhr, airtango.live) in der edel-optics.de Arena und soll zur Aufstiegsfete mit den Fans werden. Die Planungen für die erste Bundesligasaison der Clubgeschichte laufen bei den Verantwortlichen­ bereits auf Hochtouren. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zur Bundesliga.

Welche Auflagen müssen die Towers für die Bundesligalizenz erfüllen? Es ist kein Geheimnis, dass die Spitzenclubs wegen des immer umfangreicher werdenden europäischen Terminkalenders fordern, die BBL auf 16 Clubs zu reduzieren. Bislang scheiterte das Vorhaben aber an den Clubs, die potenziell dann die Liga verlassen müssten. Deshalb verschärft die Liga sukzessive die Anforderungen für die Lizenz: höheres Mindestbudget, größere Hallen und modernere Ausstattung sollen künftig dazu führen, eine natürliche Auslese zu vollziehen. Deshalb wollen die Towers mittelfristig auch in den Elbdome, die geplante neue Arena an den Elbbrücken, umziehen, um nicht Gefahr zu laufen, durch das Raster zu fallen. Für die kommende Spielzeit wird ein Mindestetat von drei Millionen Euro – eine Million mehr als im Vorjahr – vorgeschrieben.

In den Lizenzunterlagen gaben die Hamburger ein Gesamtbudget in Höhe von 3,5 Millionen Euro an. Gut möglich aber, dass der Etat durch neue Sponsoren noch auf vier Millionen Euro anwächst. Neben den wirtschaftlichen Vorgaben müssen auch strukturelle Rahmenbedingungen erfüllt werden. So fordert die Liga hauptamtliche Trainer für alle U-Teams, hauptamtliche Mitarbeiter für Medien und Marketing, die es bei den Towers bereits gibt, sowie eine eigene Trainingshalle, die bei den Towers die Spielstätte edel-optics.de Arena wäre.

Ist die edel-optics.de Arena bundesligatauglich, oder erwägen die Towers einen Umzug? Der Plan der Verantwortlichen um Geschäftsführer Marvin Willoughby­ ist klar definiert. Die Towers werden den Großteil ihrer 17 Bundesliga-Heimspiele in der Inselparkhalle austragen. Die 3400 Fans fassende Spielstätte erfüllt bereits jetzt die meisten Auflagen der Basketballbundesliga, die vorschreibt, dass eine Arena mindestens 3000 Plätze vorweisen muss.

Towers schaffen den Aufstieg:

Lediglich kleine Nachbesserungen wie die Erweiterung des Pressbereichs müssen über den Sommer vorgenommen werden. Wilhelmsburg ist und bleibt die Heimat der Towers. „Uns würde aber schon interessieren, wie viele Leute wir mobilisieren können“, gesteht Willoughby­ offen ein. Deshalb planen die Towers, ein bis zwei „Eventspiele“ gegen Topgegner auszulagern. Neben der Barclaycard­ Arena im Volkspark lassen die Verantwortlichen des Neu-Bundesligisten nach Abendblatt-Informationen auch einen temporären Umzug in die Messehallen am Fuße des Fernsehturms prüfen.

Bereits jetzt steht fest, dass die Towers die Eintrittspreise anpassen werden. So sollen vor allem die Tickets in der besten Kategorie (bisher 26 Euro) sowie bei den VIP-Plätzen teurer werden. „Wir werden aber weiter ausreichend preiswerte Karten anbieten, damit sich jeder die Towers leisten kann“, verspricht Geschäftsführer Jan Fischer. Aktuell verfügen zehn Vereine in der BBL über eine größere Halle als die Towers, aber nur acht Clubs weisen derzeit einen höheren Zuschauerschnitt auf (3367/insgesamt 67.327 in 20 Heimspielen). Zuschauerkrösus ist Alba Berlin, der 9467 Fans pro Spiel begrüßt. Der ligaweite Schnitt: 4174 Zuschauer.

Welche Gegner warten in der neuen Saison? Neben den Traditionsclubs wie Berlin, Telekom Baskets Bonn, Brose Bamberg und Ratiopharm Ulm hat Bayern München die größte Strahlkraft in der BBL. Das „Baby“ von Fußballmanager-Legende Uli Hoeneß, derzeit Präsident bei den Bayern, hat gerade erst den Neubau des SAP-Garden, einer hochmodernen 10.000-Zuschauer-Arena im Olympiapark, verkündet. Analog zum Fußball drängen die Bayern, die mit 25 Millionen Euro den höchsten Etat haben, auch im Basketball in die nationale und europäische Spitze.

Aus Towers-Sicht warten in der neuen Saison mit den EWE Baskets Oldenburg, Basketball-Löwen Braunschweig und den Eisbären Bremerhaven drei interessante Nordderbys. Einen Rahmenterminkalender hat die Liga noch nicht veröffentlicht. Bei den Towers geht man aber davon aus, dass die Premierensaison in der Bundesliga Anfang Oktober beginnen wird. Die Spieltage erstrecken sich zumeist von Freitag bis Sonntag sowie unter der Woche von Dienstag bis Mittwoch.

Wo können die Fans die Bundesligaspiele der Towers im Fernsehen sehen? Alle Spiele der Basketballbundesliga werden im Internet kostenpflichtig (je nach Paket 4,95 Euro bis 16.95 Euro pro Monat) bei MagentaSport übertragen. Der Streamingdienst der Telekom zahlt für die Übertragungsrechte jedem Verein rund 250.000 Euro.

Kurios: Bei Magenta-Sport ist der ehemalige Hamburger Gesellschafter und Geschäftsführer Pascal Roller regelmäßig als Experte im Einsatz. Neben den Übertragungen im Internet werden mindestens 47 Partien pro Saison (in der Regel eine pro Spieltag) bei Sport 1 im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Der Fernsehvertrag läuft noch bis einschließlich der Saison 2022/23.