Basketball

Towers spielen die schlechteste Saison ihrer Geschichte

Towers-Profi Adin Vrabac (vorne) gegen Kölns Dennis Heinzmann – ob der Bosnier in Hamburg bleibt, ist fraglich

Towers-Profi Adin Vrabac (vorne) gegen Kölns Dennis Heinzmann – ob der Bosnier in Hamburg bleibt, ist fraglich

Foto: Witters

Hamburger Zweitligist verpasst die Play-offs durch ein 72:73 gegen Köln – in ausverkaufter Halle. Folgt jetzt der große Aderlass?

Hamburg. Als Hamburg-Towers- Coach Benka Barloschky 3,4 Sekunden vor der Schlusssirene die letzte Auszeit nimmt, hat er eine Idee. Seine Mannschaft liegt 70:73 gegen die Rheinstars Köln zurück. Ein Dreipunktwurf muss her, um die Begegnung in die Verlängerung zu schicken. Schon in der ersten Halbzeit hatte der 30-Jährige in einer fast identischen Situation den richtigen Spielzug angesagt. Der Mann der den Dreier zum 41:41-Halbzeitstand versenkte: Greg Logins Jr.

Auch jetzt steht der 2,03 große US-Amerikaner wieder auf dem Platz und hat von Barloschky das Vertrauen bekommen, den entscheidenden Wurf zu nehmen. Doch diesmal trifft Logins nicht. Mit einem dumpfen Scheppern prallt der Ball vom Ring der Korbanlage ab. Spielmacher Hrvoje Kovacevic kann den Rebound ergattern, erzielt einen Korbleger (zwei Punkte), aber das ist zu wenig. Die Towers verlieren mit 72:73 erneut ein enges Spiel mit einem Punkt Unterschied und verpassen endgültig die Play-off-Runde der besten acht Mannschaften der 2. Basketballbundesliga Pro A.

Schlechteste Bilanz der Vereinsgeschichte

Es ist die 13. Niederlage in den vergangenen 16 Spielen – die Bilanz eines Absteigers. Nur dank des guten Saisonstarts mit 9:3 Siegen haben die Hamburger überhaupt die Klasse gehalten und werden die Saison nun als Tabellenelfter oder -zwölfter abschließen. Die teuerste und angeblich beste Mannschaft der Towers erzielte damit das bisher schlechteste Ergebnis in der vierjährigen Geschichte des Vereins. Das wird Konsequenzen haben. In dieser Woche beginnen die konkreten Planungen für die neue Spielzeit. Sportchef Marvin Willoughby will bei seiner Analyse, wie er jüngst ankündigte,
„keinen Stein auf dem anderen lassen“.

Trotz einer starken Vorstellung wiederholte sich gegen Köln das fast schon vorhersehbare Muster einer Tow­ers-Partie. Nachdem das Team vor erneut ausverkaufter Kulisse (3400 Zuschauer) in der heimischen edel-optics.de-Arena bis zum Ende mithielt, waren es in den letzten Minuten einmal mehr die verlorenen Rebound-Duelle und überflüssige Ballverluste (Turnovers), die den Hamburgern den Sieg kosteten. Dazu kam die Top-Performance des Kölners Kavin Gilder-Tilbury (22 Punkte, 7 Rebounds). „Von unseren Jungs ist niemand so gut wie Kavin. Wenn solch ein Topspieler heißläuft, kannst du ihn kaum noch stoppen“, sagte Trainer Barloschky.

Barloschky kritisiert die Mentalität

Eigentlich sollten zum Jahreswechsel mit Sören Fritze, Yannik Freese und Adin Vrabac eben solche Profis des Kalibers „Topspieler“ die Qualität der Towers noch einmal verbessern helfen. Individuell konnten die drei Neuzugänge ihre Klasse zwar beweisen, die Niederlagenserie konnten auch sie nicht stoppen. Der im Februar freigestellte Trainer Hamed Attarbashi beklagte sich intern deshalb über die Wintertransfers. Sie hätten anfänglich mehr Unruhe als Stabilität in die Mannschaft gebracht. Die von ihm erhoffte und benötigte Soforthilfe blieb jedenfalls aus.

Für Barloschky ist die mentale Einstellung der Mannschaft die Ursache der verkorksten Saison. „Wenn du in Stresssituationen den Fokus verlierst, ist das ein Riesenknackpunkt. Viele der Jungs haben während der Spiele Scheuklappen auf, schauen nur nach vorne. Dabei wäre es besser, wenn sie diese Mal hochklappen und auch mal nach links und rechts gucken würden.“ Für die verbleibenden zwei Spiele gegen die Aufstiegskandidaten aus Vechta und Heidelberg kündigte der Coach weitere Veränderungen an.

Verträge der Stammkräfte laufen aus

Dass er den jungen Towers-Akteuren vertraut, zeigte Barloschky bereits in den vergangenen Partien. Besonders René Kindezeka (22) profitierte bislang davon, startete gegen Köln erstmalig statt Routinier Hrvoje Kovacevic (31) auf der Flügelposition. „Das war keine Entscheidung gegen Hrvoje, sondern eher eine für René. Er hatte unfassbar gut trainiert“, sagte Barloschky.

Ob Kindzeka den Hamburgern auch nächste Saison, es wäre seine fünfte, zur Verfügung steht, ist jedoch fraglich. „Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich gerne hier bleiben würde. Natürlich gibt es für mich auch andere Möglichkeiten“, sagte der Guard. Höchstwahrscheinlich wird sich das Personalkarussell in Wilhelmsburg im Sommer auf Hochtouren drehen, da die Verträge aller Stammkräfte im Juni enden.

Bei allen Herausforderungen, die jetzt anstehen, dürfen die positiven Erscheinungen nicht außer Acht gelassen werden: Mit 3228 Zuschauern konnten die Towers ihren Besucherzuspruch gegenüber dem Vorjahr (3047) ein weiteres Mal steigern. „Die Inselparkhalle ist die schönste der ProA“, meinte auch Kölns Trainer Denis Wucherer (44). Und bei einer repräsentativen Umfrage gaben kürzlich ein Drittel der befragten Hamburger an, die Basketballer zu kennen. In solchen Zahlen steckt enormes Vermarktungspotenziel. Den Etat von 1,8 Millionen auf künftig mehr als zwei Millionen Euro zu erhöhen, scheint bei diesem Hintergrund möglich. Mit dem zusätzlichen Geld müsste nur eine wirklich bessere Mannschaft zusammengestellt werden.