American Football

So planen die Sea Devils den nächsten Anlauf

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Maximilian Bronner
Der Verbleib von US-Quarterback Jadrian Clark für die kommende Saison ist unklar (Archivbild).

Der Verbleib von US-Quarterback Jadrian Clark für die kommende Saison ist unklar (Archivbild).

Foto: IMAGO / Hartenfelser

Nach der bitteren Niederlage im Finale der ELF beginnt für das Hamburger Team die Kaderplanung für die nächste Saison.

Hamburg. Es war kurz vor 19 Uhr am Sonntagabend, als Max Paatz einen kurzen Moment für sich brauchte. Der Generalmanager der Hamburg Sea Devils stützte seine Hände in die Hüften und blickte mit leeren Augen ins Nichts.

Die riesige Merkur-Spiel-Arena hatte sich bereits zu einem Großteil geleert, blau-rote Luftschlangen bedeckten den Rasen, im Hintergrund feierten die Spieler der Frankfurt Galaxy. Die dramatische 30:32-Niederlage im Finale der American-Football-Europaliga ELF bedeutete für die Sea Devils das bittere Ende einer bemerkenswerten Premierensaison.

Hamburg Sea Devils: Paatz plant für nächstes Jahr

„Das war eine gewisse Frustration, weil wir so nah dran waren“, sagt Paatz mit heiserer Stimme, als ihn das Abendblatt am Montag erreicht. Nach dem Finale besuchte der gebürtige Rheinländer noch seine Eltern in der Nähe von Düsseldorf. „Gleichzeitig hat es in mir nach dem Abpfiff schon wieder gerattert, wie es weitergeht. Wie bekommen wir es hin, nächstes Jahr wieder im Finale zu stehen? Die Liga wird definitiv stärker werden. Sonntagabend habe ich für mich schon den Masterplan gemacht, mit wem ich jetzt in den nächsten Tagen sprechen muss. Es geht jetzt wieder von vorne los“, sagt er.

Mit den beiden österreichischen Topteams Vienna Vikings und Swarco Raiders Tirol sowie dem ehemaligen Düsseldorfer NFL-Europe-Schwergewicht Rhein Fire stehen drei neue Teams für die kommende Saison bereits fest. Bis Ende November könnten noch bis zu fünf weitere Teams dazu kommen.

Kicker Phillip Andersen verfehlt Stange

Ausgerechnet Kicker Phillip Andersen, der den Sea Devils in der ELF-Premierensaison etliche spektakuläre Fieldgoals und Siege beschert hatte, wurde in der Düsseldorfer Arena zum tragischen Helden. Fünf Sekunden vor Schluss hätte der dänische ehemalige NFL-Kicker den Hamburgern per 62-Yards-Fieldgoal zum Sieg verhelfen können – doch der Ball flog nur knapp unter der Stange hindurch.

„Das war auch für Phillip eine Riesennummer. Der macht sich bestimmt selbst genug Vorwürfe. In so einer Situation kann man keine 62 Yards verlangen“, sagte Headcoach Andreas Nommensen. „Er ist aber Profi genug und wird sich jetzt nicht zwei Wochen lang in eine Höhle legen und weinen.“

Andersen schoss 31-Yards-Fieldgoal knapp vorbei

Die entscheidende Szene gab es jedoch bereits wenige Augenblicke vor dem 62-Yards-Kick. Die Sea Devils führten mit 30:26, als Andersen ein 31-Yards-Fieldgoal ebenfalls knapp vorbeischoss. Es war eine Entfernung, die ihm normalerweise keine Probleme bereitet.

Hätte der Kicker getroffen, hätte Frankfurts folgender Touchdown den Sea Devils nichts anhaben können. Hätte. „Das ist das tragische Leben eines Kickers. Natürlich hat man für solche Situationen einen Kicker. Er ist aber keine Maschine, sondern auch nur ein Mensch“, nahm ihn Nommensen in Schutz.

Spieler besitzen nur einen Einjahresvertrag

Ob Andersen auch in der kommenden Saison wieder für die Sea Devils aufläuft, ist derweil völlig offen. Wie alle Spieler des Kaders besitzt auch er nur einen Einjahresvertrag. Zuletzt machte der Däne keinen Hehl daraus, dass er von einer Rückkehr in die USA träumt. Fraglich ist, ob tatsächlich ein NFL-Team auf ihn aufmerksam geworden ist. Zumindest von vielen anderen ELF-Teams dürfte Andersen jedoch Angebote bekommen. „Wir haben Jungs, die jetzt schon von anderen Teams umworben sind“, sagt Generalmanager Max Paatz.

Mit einem Fragezeichen versehen ist auch der Verbleib von US-Quarterback Jadrian Clark, der die hohen Erwartungen an einen Import-Spieler nicht durchgängig erfüllen konnte, im Finale aber stark aufspielte. Voraussichtlich wird Clark wegen der Beziehung zu seiner in Hamburg lebenden Freundin in den kommenden Monaten in der Hansestadt bleiben, anstatt in seine Heimat Florida zu fliegen.

Xavier Johnson könnte in Hamburg bleiben

Auch US-Runningback Xavier Johnson, der ein Jobangebot von der Internationalen Schule in Groß Flottbek vorliegen hat, könnte in Hamburg bleiben. Entscheidend ist aber, wie die Sea Devils mit ihm planen. „Wir haben gesehen, dass Xavier leider sehr verletzungsanfällig ist. Mit einem guten Off-Season-Programm kann man aber an seiner Physis arbeiten“, glaubt Paatz.

Am meisten dürfte der Generalmanager um einen Verbleib von Cornerback Justin Rogers kämpfen. „Justin steht ganz oben auf meiner Liste, weil er menschlich und sportlich unfassbar gut ist“, schwärmt Paatz von dem US-Amerikaner. Da ein Großteil der deutschen Spieler aus Hamburg und Umgebung in der kommenden Saison erneut für die Sea Devils auflaufen dürfte, hoffen die Verantwortlichen auch auf den Verbleib der ausländischen Akteure. Bei manchen hat sich Paatz vor der Saison eine Option auf eine Vertragsverlängerung gesichert. „Zum Ende der Saison haben wir erst so richtig zueinander gefunden. Da ist der Grundstein für das nächste Jahr gelegt worden“, befand Nommensen.

Kasim Edebali lässt Fortsetzung der Karriere offen

Superstar Kasim Edebali wird zunächst zu seiner Familie in die USA zurückkehren. Auch nach dem Finale ließ er eine Fortsetzung seiner Karriere offen. „Ich habe meine Kinder zwei Monate lang nicht gesehen. Ich werde erst einmal das Leben genießen und danach eine Entscheidung treffen“, sagte der ehemalige NFL-Profi, der in Osdorf aufwuchs und mittlerweile im US-Bundesstaat Arizona lebt. „Es gibt kein Team außer Hamburg, bei dem er spielen würde. Trotzdem muss er sich seine Gedanken machen. Ich habe aber Hoffnung, dass er noch mal wiederkommt“, sagt Paatz.

Offen ist auch, ob Nommensen als Headcoach zurückkehren wird. Der 46-Jährige hatte die Sea Devils nach der Entlassung von US-Coach Ted Daisher erst am dritten Spieltag übernommen, war zuvor als Offensive Coordinator tätig. Parallel zum Football arbeitet Nommensen in Vollzeit als Ausbildungsleiter im Hafen. „Wir haben noch nicht final gesprochen. Die Doppelbelastung ist immens. Selbst wenn er nicht als Headcoach weitermacht, wird er aber Teil dieses Teams bleiben“, sagt Paatz. Zuletzt gab es vermehrt Anzeichen, dass Nommensen Headcoach bleibt.

Hamburg Sea Devils in Gesprächen mit HSV

Bleibt nur die Frage nach der Heimspielstätte. Klar ist, dass die Sea Devils das Stadion Hoheluft perspektivisch verlassen möchten, um in einem größeren Stadion zu spielen. Die einzigen Optionen in Hamburg sind das Volksparkstadion sowie das Millerntor-Stadion. Mit dem HSV befinden sich die Sea Devils bereits in Gesprächen. Paatz macht aber keinen Hehl daraus, dass er lieber ins Stadion des FC St. Pauli ziehen möchte.

„Das Millerntor-Stadion mit dem Heiligengeistfeld und der Reeperbahn wäre ein geiles Umfeld für Football-Spiele“, sagt der Generalmanager. Bisher gab aber es noch keine konkreten Gespräche mit dem Kiezclub. „Ich werde dem FC St. Pauli vielleicht noch ein paar Bilder aus dem Düsseldorfer Stadion zuspielen und fragen, ob sie vielleicht doch Interesse an richtig geilem Sport-Entertainment außer Fußball hätten“, sagt Paatz.

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