Sea Devils

Mit Kasim Edebali im Finale zum Premierentitel

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Maximilian Bronner
Edebali (32) genoss die Ovationen der Fans bei den Heimspielen.

Edebali (32) genoss die Ovationen der Fans bei den Heimspielen.

Foto: Michael Schwartz / picture alliance/dpa

Starspieler des American-Football-Teams Hamburg Sea Devils ist im Finale der Europaliga ELF gegen Frankfurt Galaxy einsatzbereit.

Hamburg. „Keine Angst, Max, ich habe nichts gesagt“, rief Kasim Edebali am Mittwochabend nach dem Ende der Medienrunde geheimnisvoll Max Paatz, General Manager der Hamburg Sea Devils, zu. Der Star-Linebacker hatte sich wie die Verantwortlichen des Hamburger American-Football-Teams vor dem Finale der Europaliga ELF gegen die Frankfurt Galaxy an diesem Sonntag (15 Uhr/ProSieben Maxx) ein Schweigegelübde zu seinem Gesundheitszustand auferlegt.

„Natürlich spielt er ...“, sagte dann Headcoach Andreas Nommensen, ehe er mit einer diebischen Freude hinterher schob: „... nicht. Oder vielleicht ein bisschen? Eventuell?“

Fakt ist: Der ehemalige NFL-Profi fehlte den Hamburgern in den vergangenen acht Wochen wegen eines Außenbandrisses im Sprunggelenk sowie eines angerissenen Syndesmosebands, trug wochenlang eine große Orthese. „Die MRT-Bilder waren nicht ganz so gut wie erhofft, lassen aber ein bisschen Licht am Ende des Tunnels zu“, sagte Nommensen. Edebali selbst witzelte über eine Wunderheilung. „Vielleicht muss ich mal so einen Guru anrufen, der seine Hand da auflegt“, lachte der 32-Jährige. „In Hamburg sagen wir aber: In die Hand spucken und raufklatschen. Vielleicht mache ich auch nur das. Mal gucken.“

Sea Devils: Kasim Edebali wird definitiv spielen

Nach Abendblatt-Informationen steht indes fest: Edebali wird definitiv spielen. Coach Nommensen dürfte den gebürtigen Osdorfer zwar nicht durchspielen lassen – doch in wichtigen Phasen des Spiels ist die Präsenz des 108 Kilogramm schweren Muskelpakets unverzichtbar. „Kasim hat auf einer Ebene gespielt, wo keiner von den Spielern oder Trainern je gewesen ist. Er muss hier nichts beweisen“, sagt Nommensen, der Edebali bereits seit 2004 kennt.

„Ich war 14 und Nommi war mein Coach in der Hamburger Flag-Auswahl. Er ist eine von den Legenden. Er versteht, was gemacht werden muss“, schwärmt Edebali. Nachdem er 2009 in die USA ans Boston College ging, hielt er den Kontakt zu Nommensen. „Er hat sich nicht verändert, ist immer noch ein verpeilter Typ. Das macht ihn auch so sympathisch“, sagt der Hamburger Headcoach.

Dass die Sea Devils die favorisierten Frankfurter, die in der Hauptrunde das Rückspiel gegen Hamburg 35:9 gewannen und sich damit für die 15:17-Niederlage im Auftaktspiel revanchierten, in der Spielvorbereitung bis kurz vor dem Kick-off über einen Einsatz des Starspielers im Unklaren lassen möchten, ist ihnen nicht zu verdenken. „Alle verstehen den Business-Aspekt von Football, wo man nicht alles sagen kann“, sagt Edebali, der vom Gegner in der Regel gedoppelt werden muss.

„Kasim ist ein spezieller Spieler, seine Karriere spricht für ihn"

Abgesehen vom Sportlichen würde sich Galaxy-Headcoach Thomas Kösling über einen Einsatz des von 2014 bis 2019 in der NFL aktiven Defensivspielers freuen. „Ich hoffe, dass er spielt. Er gehört auf diese Bühne“, sagt Kösling. „Kasim ist ein spezieller Spieler, seine Karriere spricht für ihn. Er bringt im Passrush einen athletischen Aspekt mit, den nur wenige haben. Er zieht viel Aufmerksamkeit auf sich, wodurch seine Mitspieler stärker werden.“

Auch Edebali selbst weiß, dass die Sea Devils gegen den „FC Bayern der ELF“ (Nommensen) wohl nur mit ihm eine Chance hätten. „Der Schlüssel zum Sieg wird sein, ob wir Jakeb Sullivan unter Druck setzen können. Wenn er sich in der Pocket wohlfühlt, wirft er Touchdowns“, sagt der 1,89-Meter-Athlet. Sullivan, der US-amerikanische Quarterback der Frankfurter, gehört zu den besten der gesamten Liga.

Die Kulisse – mehr als 20.000 Fans werden in der Düsseldorfer Merkur-Spiel-Arena erwartet – dürfte für Sullivan, der nur auf der zweithöchsten US-Collegeebene vor maximal 5000 Zuschauern gespielt hat, allerdings neu sein. Sea-Devils-Quarterback Jadrian Clark spielte während seiner Zeit an der Weber State University regelmäßig vor bis zu 90.000 Fans. Dass der Großteil des Hamburger Teams zuvor jedoch häufig nur vor wenigen Hundert Zuschauern in der GFL aktiv war, könnte ein Pro­blem werden. „Dem einen oder anderen wird da die Düse gehen. Das ist eine Riesenarena, die richtig laut werden kann. Da ist es ganz gut, einen Typen wie Kasim zu haben“, sagt Paatz.

Auch mit Edebali gehen die Hamburger als Außenseiter in das Spiel

Doch auch mit Edebali gehen die Hamburger als Außenseiter in das Spiel. Das liegt auch an den unterschiedlichen Philosophien beider Teams. Während die Sea Devils hauptsächlich entwicklungsfähige Spieler aus Hamburg und Norddeutschland rekrutierten, verpflichtete Frankfurt viele gestandene europäische Topspieler.

„In Frankfurt spielen Spieler, die nur für das Spiel eingeflogen werden. Das gibt es bei uns nicht“, sagt Nommensen. Der Sea-Devils-Headcoach spricht vom französischen Defensive Lineman Momadou Sy, der vor der Saison auch in Hamburg im Gespräch war. Da Sy aber nur am Wochenende für die Spiele nach Hamburg reisen wollte, sagte ihm Nommensen ab.

„Das heißt nicht, dass wir das verurteilen. Es ist einfach eine andere Philosophie“, sagt der Headcoach. „Wir hätten das auch machen können. Gerade im ersten Jahr muss man die Kirche aber ein bisschen im Dorf lassen. Ich habe lieber einen Hiswill Awuah, der schon mit 19 Jahren in der Rotation ist und in zwei, drei Jahren richtig gut wird.“ Wenn man diesen Weg fortsetze, könne man in Zukunft auf bestimmten Positionen auf teure Importspieler aus den USA verzichten, erklärt Nommensen.

Beendet Edebali seine Karriere nach Finale?

Für Edebali waren die neun Monate in seiner Heimatstadt derweil ein durchweg positives Erlebnis. „Es war alles, was ich mir erhofft habe. Hier geht es nicht um die Millionen-Dollar-Verträge, sondern um den Spaß am puren Football“, sagt der 32-Jährige. Auch die geringere Professionalität im Vergleich zur NFL habe ihn nicht gestört.

„Ich weiß nicht, wann ich zuletzt zehn Stunden für ein Footballspiel im Bus gesessen habe“, sagt Edebali über die Auswärtsreise nach Breslau (Polen). „Am Ende war das einer der besten Trips in diesem Jahr.“

Ob er seine Karriere nach dem Finale beendet, ließ er derweil offen. „Ich habe eine lange Off-Season, um darüber nachzudenken. Nach dem Spiel weiß ich vielleicht mehr“, sagte er. Die Geheimniskrämerei nimmt offenbar kein Ende.

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