0:0 gegen Heidenheim

FC St. Pauli hadert mit Effizienz – und einer Gelben Karte

| Lesedauer: 8 Minuten

Gegen Heidenheim lassen die Hamburger viele Chancen ungenutzt. Für Aufregung sorgen eine brutales Foul und ein Flitzer.

Hamburg. Der erhoffte Befreiungsschlag blieb dem FC St. Pauli zwar versagt, doch nach den zuletzt eher enttäuschenden Spielen war das 0:0 gegen den 1. FC Heidenheim am Sonnabendabend ein Schritt in die richtige Richtung. Der unbedingte Einsatzwille bis zur letzten Minute wurde denn auch von den eigenen Fans unter den 29.242 Zuschauenden entsprechend honoriert. Ein Sieg wäre aufgrund des deutlich größeren Aufwandes zweifellos verdient gewesen, doch die mangelnde Abschlussqualität verhinderte dies.

„Es war ein intensives Spiel, und wir haben zu null gespielt, das haben wir in den letzten Wochen nicht so oft“, sagte Sportchef Andreas Bornemann bei Sky: „Wir haben eine gute Reaktion gezeigt. Die Mannschaft lebt, da ist Feuer drin. Das Quäntchen Glück müssen wir uns erarbeiten, aber wir sind auf dem richtigen Weg dorthin.“ So verbesserte sich das Team vom Millerntor nur auf den elften Tabellenplatz.

Tabellenspitze 2. Bundesliga
1. HSV 10 / 16:6 / 24
2. Darmstadt 98 10 / 19:11/ 21
3. SC Paderborn 10 / 26:12/ 19
4. Düsseldorf 10 / 20:13 / 17
5. Heidenheim 10 / 14:7 / 17
6. Hannover 96 10 / 18:14 / 17
7. Kaiserslautern 9 / 18:15 / 14
8. Holstein Kiel 10 / 17:29 / 13

11. FC St. Pauli 10 / 14:15 / 11

Foul und Flitzer sorgen beim FC St. Pauli für Aufregung

Aufreger des Abends war derweil ein rotwürdiges Foul an St. Paulis Außenverteidiger Manolis Saliakas. Und in der Nachspielzeit ein „Flitzer“, der mitten in einem Angriff St. Paulis auf das Spielfeld rannte. Am Ende kratzte der Heidenheimer Norman Theuerkauf sogar noch den Ball von der Torlinie.

Gleich auf vier Positionen hatte St. Paulis Trainer Timo Schultz sein Team im Vergleich zur 0:2-Niederlage in Regensburg vor knapp zwei Wochen verändert. Für den verletzten Leart Paqarada rückte wie erwartet Lars Ritzka auf die Linksverteidiger-Position. Etwas überraschender war, dass Afeez Aremu für den gesperrten Jackson Irvine in die Startelf rückte. Gemeinsam mit Eric Smith, der in Regensburg noch angeschlagen gefehlt hatte, bildete Aremu die Doppel-Sechs vor der Abwehr. Der Schwede Smith übernahm auch die Kapitänsbinde, da sowohl Paqarada als auch Irvine, die sich die Aufgabe sonst teilen, nicht dabei sein konnten.

Daschner muss an seinem Geburtstag überraschend auf die Bank

Schultz hatte sich gegen die physisch starken Heidenheimer also für eine eher defensivere Variante entschieden. Ein weiterer Grund für den Einsatz von Aremu war, dass der Australier Connor Metcalfe und der Kosovare Betim Fazliji nach ihren Länderspieleinsätzen noch nicht wieder die nötige Frische für einen 90-Minuten-Einsatz hatten. Unerwartet war kam auch Carlo Boukhalfa anstelle von Lukas Daschner zu einem Einsatz in der Anfangsformation. Daschner musste damit ausgerechnet an seinem 24. Geburtstag zunächst auf der Bank Platz nehmen, ehe er nach einer knappen Stunde eingewechselt wurde.

Von Beginn an sah sich die St.-Pauli-Mannschaft, die nach fünf sieglosen Spielen in Folge und einer harten Kritik von Präsident Oke Göttlich Anfang der Woche ein Zeichen setzen wollte, einer dominanten Heidenheimer Mannschaft gegenüber. Dabei hatte St. Pauli durchaus Glück, dass der abgefälschte Schuss von Jan-Niklas Beste knapp am Pfosten vorbeirutschte (4. Minute).

Das Team vom Millerntor arbeitete sich nach der überstandenen Anfangsoffensive des FCH aber besser ins Spiel und spielte sich auch Chancen heraus. Hier aber wurde ein weiteres Mal die Ungefährlichkeit des Offensivpersonals deutlich. Als Johannes Eggestein auf das gegnerische Tor zustrebte, wurde er noch von Andreas Geipl eingeholt und vom Ball getrennt (7.). Und als Etienne Amenyido perfekt von Marcel Hartel freigespielt wurde, schoss er den Ball aus halbrechter Position weit links am Tor vorbei (17.). Auch der Kopfball von Jakov Medic (13.) nach einer Ecke war am Tor vorbeigeflogen.

Brutales Foul an Saliakas erzürnt den FC St. Pauli

So war der emotionale Höhepunkt der ersten Halbzeit ein brutales Foul von Geipl an St. Paulis Rechtsverteidiger Manolis Saliakas (23.) direkt vor der St.-Pauli-Bank. Die Sprung-Attacke gegen das Sprunggelenk des Griechen bedachte Schiedsrichter Sven Waschitzki-Günther (Bremen) nur mit der Gelben Karte. Damit war Timo Schultz alles andere als einverstanden, woraufhin er für seine Forderung nach einem Platzverweis selbst Gelb gezeigt bekam.

„Wenn der Schiedsrichter es so auf dem Feld entscheidet, haben wir das zu akzetieren. Ich kann ihn verstehen, weil ich mit der Fußspitze auf dem Feld stand, so sind die Regeln“, sagte Schultz – nicht ohne seine Forderung nach einer Abschaffung des VAR zu erneuern.

Bornemann zeigt Verständnis für ausgebliebenen Platzverweis

Völlig unverständlich war in dieser Szene in der Tat zunächst, dass Video-Assistent Sören Storck tatenlos blieb und seinen Kollegen auf dem Rasen noch nicht einmal riet, sich diese Szene am Bildschirm anzuschauen. „Ich war auch sehr erzürnt, aber der Schiedsrichter hat mir die Entscheidung sehr gut erklärt, das kann ich akzeptieren“, sagte Bornemann nach dem Spiel.

Heidenheims Trainer Frank Schmidt nahm Geipl nicht in Schutz. „Das Foul war definitv unnötig. Das möchte ich bei aller Aggressivität nicht sehen. Das Einzige, was ihn da vielleicht rettet, ist, dass er ihn unterhalb des Knöchels trifft.“

Bis zur Pause bot St. Pauli eine insgesamt stabile Leistung, ließ in der Defensive sehr wenig zu und hätte eine Führung verdient gehabt. Dazu hätte es aber eben auch präziserer Abschlüsse bedurft.

In der Halbzeitpause holten sich unterdessen die Blindenfußballer des FC St. Pauli, die kürzlich erneut deutscher Meister geworden waren, die Ovationen der Fans ab.

Keine Überraschung war, dass Heidenheims Trainer Schmidt seinen „Übeltäter“ Geipl in der Pause auswechselte und für ihn Kevin Sessa brachte. Ihm war offenbar bewusst geworden, dass sein Team nur mit viel Glück noch in voller Besetzung weiterspielen durfte und Geipl akut Gelb-Rot-gefährdet war.

Heidenheims Theuerkauf rettet auf der Linie

Auch wenn sich das St.-Pauli-Team im zweiten Abschnitt zunächst schwertat, sich weitere Torgelegenheiten herauszuspielen, so bot das Team dennoch eine in Sachen Einsatzwillen und Kampfbereitschaft vorbildliche Leistung. Dabei war jederzeit der Wille zu spüren, das Match für sich zu entscheiden. Dies kam auch bei den Fans auf den Rängen an.

Für Pfiffe, wie zuletzt beim 1:1 gegen Sandhausen, gab es keinen Anlass, auch wenn St. Pauli nun sechs Spiele in Folge nicht mehr gewonnen hat. An diesem Abend fehlte am Ende auch das nötige Glück. Norman Theuerkauf konnte den Schuss von Igor Matanovic (90.+3) gerade noch auf der Torlinie für seinen schon geschlagenen Keeper Kevin Müller abwehren. „Deswegen können wir am Ende ein Stück zufriedener sein als St. Pauli“, sagte Müller.

Schultz wollte „der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Ich bin zufrieden mit dem Auftritt. Wir haben uns klare Chancen herausgespielt. Wenn ich sehe, wie die Jungs Gas geben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns belohnen.“ Vielleicht ja schon am kommenden Sonnabend bei Eintracht Braunschweig.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli