FC St. Pauli

Sky-Experte Mattuschka: „Schulle ist genau der Richtige“

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In der vergangenen Saison gewann Marcel Hartel (r.) mit dem FC St. Pauli beide Duelle mit dem 1. FC Heidenheim und Dzenis Burnic.

In der vergangenen Saison gewann Marcel Hartel (r.) mit dem FC St. Pauli beide Duelle mit dem 1. FC Heidenheim und Dzenis Burnic.

Foto: WITTERS

Seit fünf Spielen sind die Hamburger sieglos: Trotzdem bezieht Mattuschka vor dem Heidenheim-Spiel Position für St. Paulis Trainer.

Hamburg. Der Blick auf die Tabelle verrät, dass es an diesem Sonnabend nicht gerade ein Spitzenspiel der Zweiten Liga ist, das Sky und Sport 1 von 20.30 Uhr an live aus dem Millerntor-Stadion übertragen. Als Zwölfter empfängt der FC St. Pauli den Fünften 1. FC Heidenheim. Dennoch ist das Timing für St. Paulis erstes Match dieser Saison zur Premium-Sendezeit nahezu ideal. Ausschlaggebend dafür ist die Brisanz, die in dieser Partie auf der Seite des Millerntor-Clubs liegt.

Seit fünf Spielen ist das Team sieglos, hat nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz 16 und nur noch drei auf die beiden direkten Abstiegsplätze, dazu hat Präsident Oke Göttlich im Fachmagazin „kicker“ verbal Alarm geschlagen, den sportlichen Ertrag im Verhältnis zum finanziellen Aufwand im gesamten Kalenderjahr 2022 für unzureichend erklärt und mithin die Entwicklung der Mannschaft kritisiert.

FC St. Pauli: Timo Schultz reagiert auf Kritik gelassen

Dabei nannte er zwar den Namen von Cheftrainer Timo Schultz nicht; dass seine Worte aber vor allem als Warnschuss in Richtung Übungsleiter zu verstehen sein mussten, war ihm zweifellos klar. Schultz selbst reagierte gelassen und beteuerte, dass er sich selbst den größten Druck mache. Und Sportchef Andreas Bornemann, inzwischen selbst Mitglied des Präsidiums, erklärte, dass er die Kritik auch auf sich beziehen würde.

Auch Torsten Mattuschka sind die Vorgänge am Millerntor nicht verborgen geblieben. Ganz im Gegenteil: Der Sky-Experte wird an diesem Sonnabend das Spiel am Millerntor gemeinsam mit Reporter Stefan Hempel kommentieren und Interviews vor und nach dem Spiel führen. Schon seit Montag hat sich der frühere Zweitligaprofi von Union Berlin und Energie Cottbus auf diese Aufgabe vorbereitet und sich über beiden Clubs informiert. Zwischendurch nahm sich der frühere Freistoßexperte, der am Dienstag 42 Jahre alt wird, mehr als eine Stunde Zeit, um im Abendblatt-Podcast „Millerntalk“ gewohnt meinungsfreudig über den Fußball allgemein, vor allem aber über die Situation beim FC St. Pauli zu sprechen.

Mattuschka: „Für mich ist Schulle genau der Richtige"

Dabei zeigte er sich erstaunt, ja geradezu irritiert, dass angesichts der aktuellen Durststrecke Trainer Timo Schultz in den Mittelpunkt der Kritik geraten ist. „Für mich ist Schulle genau der Richtige am richtigen Fleck“, stellt er klar. „Er hat schon ganz andere Phasen durchgemacht, er kann das einschätzen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Schulle jetzt auf Bewährung ist. “

Gleichzeitig weist Mattuschka deutlich darauf hin, dass nach den Abgängen von Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh, die zusammen in der vergangenen Saison für 30 Treffer und 16 Torvorlagen gesorgt hatten, als Ersatz eher junge Spieler verpflichtet wurden, die zudem vorher nur wenig Spielpraxis hatten. „Man muss Schulle und der Mannschaft Zeit geben. Ich finde es gut, dass sie eine sehr junge Mannschaft haben. Da ist es aber normal, dass es auf und ab geht. Das muss man mit einberechnen“, sagt Mattuschka weiter und fordert daher, die Ansprüche in dieser Saison herunterzuschrauben: „Man muss vom Denken wegkommen, unter den ersten sechs zu landen.“

Ein Platz unter den ersten zehn sei aber realistisch, dafür sei genug Qualität vorhanden. Vor allem in den Heimspielen, so auch an diesem Sonnabend gegen die physisch so starke Mannschaft des 1. FC Heidenheim, traut der Sky-Experte den Hamburgern einiges zu – auch den dritten Heimsieg in dieser Saison. „Ich habe 2:1 für St. Pauli getippt“, verrät er. Immerhin hat St. Pauli mit Schultz als Trainer auch alle vier Spiele gegen den vorherigen Angstgegner Heidenheim gewonnen.

FC St. Pauli gegen Heidenheim: Wer vertritt Irvine?

Diesmal müssen die beiden Kapitäne Leart Paqarada (Oberschenkelverletzung) und Jackson Irvine (Gelbsperre) ersetzt werden. Paqarada hat bereits vier Treffer vorbereitet und führt damit das St.-Pauli-Ranking an. Auf seiner Position links hinten wird Lars Ritzka zum Einsatz kommen. Das ist schon klar. „Er trainiert seit Wochen hervorragend“, lobt Schultz den bisherigen Dauerreservisten.

Unklar ist noch, wer Irvine halb rechts in der Mittelfeldraute oder als zweiter Sechser neben Eric Smith vertreten soll. Für die defensive Variante kommt vor allem Betim Fazliji infrage, eventuell auch Afeez Aremu in Betracht. Als offensive Alternativen ständen Connor Metcalfe und Carlo Boukhalfa bereit. „Wir schauen, welcher Spieler wie frisch ist“, sagt Schultz.

Und wie sehr juckt es Torsten Mattuschka noch in den Füßen, wenn er vor dem Anpfiff am Spielfeldrand steht? „Wenn du den Rasen siehst, das sind ja heute fast Golfplätze. Und dann noch Sonnabendabend, 20.30 Uhr. Da juckt es noch sehr. Aber die Zeit ist vorbei. Andererseits warte ich darauf, dass man für Standardsituationen mal kurz eingewechselt werden kann. Einen Freistoß auf den Punkt platzieren, das könnte ich noch.“

FC St. Pauli: Vasilj – Saliakas, Nemeth, Medic, Ritzka – Fazliji, Smith – Daschner, Hartel – Amenyido, J. Eggestein.1. FC Heidenheim: K. Müller – Busch, Maloney, P. Mainka, Föhrenbach – Schöppner – Beste, Thomalla, Beck, Pick – Kleindienst.

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