FC St. Pauli

Wie Jackson Irvine zu „Jackson Airvine“ wurde

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Rupert Fabig
Emissionsfreier Flieger: St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (r., gegen Sandhausens Philipp Ochs).

Emissionsfreier Flieger: St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (r., gegen Sandhausens Philipp Ochs).

Foto: Cathrin Müller / Getty Images

Der Co-Kapitän des FC St. Pauli ist in dieser Saison extrem kopfballgefährlich. Das hat wohl auch mit seiner Rolle im Team zu tun.

Hamburg.  Es hatte schon etwas Ironisches, dass am Sonntag, den der FC St. Pauli zum autofreien Spieltag ausgerufen hatte, derjenige traf, der gar kein Auto besitzt – und dabei auch noch zu einer Flugeinlage abhob, obwohl er regelmäßig seine Stimme gegen die Ressourcenverschwendung und für eine nachhaltigere Lebensweise erhebt. Ausgerechnet Jackson Irvine stand bei seinem Kopfballtor in der 38. Minute zum 1:0 gegen den SV Sandhausen so hoch in der Luft, als wolle er in Richtung seiner Heimat Australien jetten.

Wollte er vielleicht auch. Nach einem beabsichtigten Abschlussversuch hörte sich die Erklärung seines bereits dritten Saisontreffers, alle per Kopf erzielt, jedenfalls nicht an. „Keine Ahnung, woher das kommt. Die Dinger scheinen irgendwie einfach auf meiner Stirn zu landen“, sagte der 29-Jährige. So viel Spaß muss sein, selbst nach einem ansonsten frustrierenden Spiel für die Kiezkicker.

FC St. Pauli: Jackson Irvine erklärt seine Kopfballstärke

Einen analytischeren Ansatz hatte Irvine dann auch noch zu bieten: „Ich habe mir in dieser Saison vorgenommen, häufiger aus der Tiefe in den Strafraum vorzudringen, da wir mit Jungs wie Paqarada fantastische Flankengeber haben. Beim Tor war das ein perfektes Timing von Paqa.“

Die Co-Produktion der beiden Kapitäne, die sich in ihrem Amt abwechseln, ist nur ein Symptom. Ursache ist die nochmals gewachsene Verantwortung auf und neben dem Platz. „Jackson wächst genauso wie Paqa und Eric Smith immer mehr in diese Rolle hinein, in der er fußballerisch und verbal vorweggehen soll“, so Trainer Timo Schultz.

Was er vergaß: Irvine beherrscht es nicht nur, in dieser Rolle vorwegzufliegen, sondern auch vorwegzukriechen. Als eine weitere Flugshow nach einem Luftduell mit einer Bruchlandung endete, dirigierte und delegierte der defensive Mittelfeldspieler unvermittelt vom Boden des Millerntor-Stadions aus weiter.

Was Irvine aus seiner exklusiven Luft- und Rasenperspektive betrachtete, gab ihm auch eine vergleichsweise exklusive Sicht auf die Leistung der Hamburger. „Wir machen so viel richtig“, lobte er. „So viele Chancen, die gut herausgespielt wurden, während der Gegner kaum welche hat. Nun müssen wir nur dieses kleine Bisschen, das noch fehlt, finden, um die ganzen Unentschieden in Siege umzuwenden.“

Ein Anfang: Bloß nicht abheben und übermütig werden. „Gegen diese kompakt stehenden Mannschaften können wir nicht immer überfallartig angreifen, sondern müssen geduldig bleiben.“ Sagte „Airvine“ und machte sich auf den Heimweg in die Schanze. Zu Fuß.

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