FC St. Pauli

Sieg gegen Düsseldorf: Abschiedsgefühle am Millerntor

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FC St. Pauli feiert gegen Düsseldorf verdienten 2:0-Erfolg

Der FC St. Pauli hat sich mit dem ersehnten Sieg von einer insgesamt enttäuschenden Saison verabschiedet. Die Highlights.

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St. Paulis 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf sorgt für einen versöhnlichen Abschluss einer Saison ohne echtes Happy End.

Hamburg. Die ganz großen Gefühle gab es erst nach dem Schlusspfiff. Gleich sechs Spieler und Torwarttrainer Mathias Hain wurden nach dem 2:0 (0:0)-Sieg des FC St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf im Mittelkreis des Spielfeldes von Präsident Oke Göttlich, Vizepräsidentin Christiane Hollander und Aufsichtsratsmitglied Roger Hasenbein verabschiedet. Es war nicht überraschend, dass neben Hain die beiden langjährigsten Spieler, Christopher Buchtmann und Philipp Zier­eis, den mit Abstand größten Applaus erhielten.

Am spärlichsten fiel dieser für Finn Ole Becker aus, was wohl auch daran liegt, dass er zur TSG Hoffenheim wechselt. Hand in Hand präsentierte sich danach noch einmal das gesamte Team vor den vier Tribünen. Auch die verletzten und gesperrten Spieler wie Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh, deren Zukunft trotz noch laufender Verträge ungewiss ist, waren dabei.

Abschiedsgefühle am Millerntor – St. Pauli gelungener Saisonabschluss

Das sportlich versöhnliche Ende mit dem verdienten Sieg gegen Düsseldorf und damit einer Bilanz von 57 Punkten und dem fünften Platz trug zweifellos zur freundlichen Stimmung bei und konnte den Frust über den verpassten Aufstieg ein wenig verdrängen. Und doch bleibt trotz der besten Punkte­bilanz seit zehn Jahren die bittere Erkenntnis, dass in dieser Saison weit mehr möglich gewesen wäre. Angesichts des sich nun abzeichnenden Umbruchs ist es zudem fraglich, ob so eine gute Aufstiegschance so schnell wiederkommt. „Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, dass wir die Saison nicht zwei, drei Plätze besser abgeschlossen haben“, sagte Trainer Timo Schultz später.

Emotional war es schon vor dem Anpfiff geworden, als dem langjährigen Stadionsprecher, NDR-Journalisten und Autor Rainer Wulff gedacht wurde, der am vergangenen Mittwoch einem langjährigen Krebsleiden im Alter von 79 Jahren erlegen war. In einer Videobotschaft, die er angesichts seines drohenden Ablebens noch aufgenommen hatte, verabschiedete er sich vom Verein und den Fans. Mit einem „Ich liebe dich, ich träum von dir“ schloss er seine Ansprache. Die Fans nahmen dies umgehend auf und sangen das Lied mit dieser Zeile voller Leidenschaft.

Kein lauer Sommerkick auf dem Kiez

Auf dem Rasen entwickelte sich bei besten Bedingungen ein durchaus munteres, zum Teil auch hart geführtes Spiel. Dass es für beide Teams im Grunde um nichts mehr ging, war nicht zu erkennen. Es gab durchaus harte Fouls, Buchtmann sah in seinem letzten Spiel für St. Pauli noch einmal die Gelbe Karte, als er gegen Düsseldorfs Kapitän Rouwen Hennings seinen Fuß drüberhielt.

Den größten Jubel gab es aber erst, als in der Pause die Halbzeitergebnisse verlesen wurden und der 0:1-Rückstand des HSV in Rostock verkündet wurde. Dass sich St.-Pauli-Fans tatsächlich über ein Tor von Hansa Rostock freuen, ist höchst ungewöhnlich und wohl nur möglich, wenn der ungeliebte Nordrivale gegen den noch ungeliebteren Stadtrivalen spielt.

Hartel trifft erneut gegen die Fortuna

Doch auch über ein Tor der eigenen Mannschaft durften die St.-Pauli-Anhänger noch jubeln. Aus 16 Metern zirkelte Marcel Hartel, der zuvor schon einige unglückliche Abschlüsse hatte, den Ball zum 1:0 (65.) rechts oben ins Düsseldorfer Tor. Wie schon im Hinspiel traf der Mittelfeldspieler gegen die Rheinländer.

Noch vor dem Anstoß danach gönnte Trainer Timo Schultz seinem Kapitän und Innenverteidiger Philipp Ziereis einen ganz persönlichen Abschied und wechselte ihn gegen Adam Dzwigala aus. Nach neun Jahren endet das Engagement des 29-Jährigen bei St. Pauli. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Unter dem langen Beifall der Fans umarmte er noch einmal alle Mitspieler, ehe er vom Feld ging.

Abschiedsgefühle am Millerntor – auch Buchtmann bekam seinen verdienten Abschied

Dasselbe Ritual wiederholte sich knapp zehn Minuten später, als Schultz auch Buchtmann vom Feld holte, der sogar zehn Jahre das braun-weiße Trikot getragen hatte, sich nun aber auch einen neuen Arbeitgeber suchen muss.

Das Spiel entschied der eingewechselte Dzwigala mit einem Kopfballtor nach einer Ecke von Hartel zum 2:0 (83.). Für ihn war es wie für Hartel das zweite Saisontor und noch einmal eine kleine persönliche Empfehlung. Ob er am Millerntor bleiben darf, ist noch offen. Noch lange saß Philipp Ziereis auf der Brüstung am Spielfeldrand, plauderte mit den Fans und schrieb Autogramme. „Ich kenne Buchtmann und Ziereis vom ersten Tag an hier und habe ihren Weg begleitet. Das lässt einen nicht kalt“, sagte Trainer Schultz über deren Abschied.

FC St. Pauli: Vasilj – Zander, Ziereis (67. Dzwigala), Medic, Ritzka – Irvine – Buchtmann (77. Benatelli), Hartel – Daschner (90.+2 Becker) – Amenyido (90.+2 Lawrence), Dittgen (90.+2 Makienok). Fortuna Düsseldorf: Wolf – Klarer (14. Piotrowski), Andre Hoffmann, Oberdorf - Matthias Zimmermann – Narey (66. Gavory), Tanaka, Prib (74. Iyoha), Koutris (66. Hartherz) – Hennings, Klaus (74. Peterson). Tore: 1:0 Hartel (65.), 2:0 Dzwigala (83.). Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck (Freiburg) Z.: 29.546 (ausverkauft). Gelbe Karten: Buchtmann, Irvine (6) – Piotrowski (6), Koutris. Statistik: Torschüsse: 15:9, Ecken: 7:5, Ballbesitz: 43:57 Prozent, Zweikämpfe: 96:90, Laufleistung: 116,99:111,86 km

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