Kaderplanung

Sind zwei Leistungsträger zu gut für St. Pauli geworden?

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Andreas Hardt
Daniel Kofi Kyereh (l.) und Leart Paqarada haben sich beim FC St. Pauli überragend entwickelt. Das haben nun auch andere Clubs vernommen.

Daniel Kofi Kyereh (l.) und Leart Paqarada haben sich beim FC St. Pauli überragend entwickelt. Das haben nun auch andere Clubs vernommen.

Foto: Witters

Die Rückrunde verlief enttäuschend, der Aufstieg ist kein Thema mehr. Das könnte auch für die neue Spielzeit bittere Folgen haben.

Hamburg. „Nach der Saison ist vor der Saison“ verkündet der FC St. Pauli vor dem abschließenden Spiel der Serie 2021/22 am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) im Millerntor-Stadion gegen Fortuna Düsseldorf. Den Blick also lieber nach vorne auf die Kaderplanung zu richten, statt sich über die in der Rückrunde verspielte Aufstiegschance zu grämen, das ist der Plan. Aber ob das so einfach gelingt?

Kaderplanung: St. Pauli mauert beim Thema Spielerverabschiedungen

Direkt nach dem Abpfiff will der Club im Stadion die Spieler verabschieden, die den Verein verlassen. Wer genau das sein wird, war drei Tage vor dem Saison-Ultimo noch nicht klar. Profis wie James Lawrence (29), Christopher Buchtmann (30) und möglicherweise Kapitän Philipp Ziereis (29), die eine hohe Fixsumme in ihren alten Verträgen haben und weniger die von Sportchef Andreas Bornemann bevorzugte leistungs- und einsatzabhängige Bezahlung, werden wahrscheinlich gehen müssen. Sie werden gefeiert werden.

Einiges spricht jedoch dafür, dass die beiden besten Spieler dieser Saison bald ebenfalls nicht mehr in braunen Trikots auflaufen werden: Daniel-Kofi Kyereh (26) und Leart Paqarada (27). Beide haben mit ihren Leistungen das Interesse von höherklassigen Vereinen geweckt, beide stehen aber bis 2023 beim FC St. Pauli unter Vertrag. Wenn der Club noch Ablöse erzielen will, dann ist ein Verkauf jetzt praktisch alternativlos. Und da andererseits jeder Profi gerne Bundesliga spielen möchte, laufen nun die Gespräche mit Beratern und Managern.

Das Portal „Transfermarkt.de“ schätzt den Ablösewert von Kyereh auf drei Millionen Euro ein. Ob das dem FC St. Pauli genügt, ist fraglich. Den „Sondereffekt“ eines Verkaufs braucht der Club für die wirtschaftliche Bilanz nicht unbedingt, der wurde bereits unplanmäßig durch den Vorstoß in das Viertelfinale des DFB-Pokals erzielt. Das waren zwei Millionen Euro Prämie durch den DFB, zuzüglich etwa 600.000 Euro coronareduzierte Zuschauereinnahmen.

Der Deutsch-Ghanaer Kyereh hat in dieser Saison zwölf Tore erzielt und zehn Treffer vorbereitet. „Mit seinen Toren und Vorlagen, mit seinen Dribblings, seinen offensiven Lösungen, ist er für uns ein extrem wichtiger Spieler“, sagte Trainer Timo Schultz. Und ein extrem populärer.

Diverse Vereine haben Offensivspieler Kyereh auf dem Zettel

Dass Kyereh wegen seiner Gelbsperre nun zum Saisonfinale nicht auflaufen kann, ist also doppelt bitter. Vor einem offiziellen Abschied müsste Einigung mit dem neuen Verein erzielt sein. Dass Werder Bremen interessiert ist, hat Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit dem Abendblatt indirekt angedeutet – aber noch ist Werder nicht aufgestiegen, und das ist eine Voraussetzung für den Gang an die Weser.

Union Berlin gilt ebenfalls als potenzieller neuer Club. Kyereh hatte im Pokalspiel an der Alten Försterei trotz der 1:2-Niederlage groß aufgespielt. Die Berliner suchen einen Nachfolger für Grischa Prömel, der zur TSG Hoffenheim wechselt. Für Union entscheidet sich am letzten Spieltag, ob sie in der kommenden Saison in der Conference League oder der Europa League antreten. Viele Unsicherheiten also.

Linksverteidiger sind auf dem Transfermarkt extrem gefragt

Der Deutsch-Kosovare Paqarada sagt selbst, dass er die beste Saison seiner Karriere gespielt habe. Gute Linksverteidiger sind ein knappes Gut und haben schon deshalb einen hohen Preis. „Ich fühle mich hier bei St. Pauli pudelwohl“, erklärte der 27-Jährige im Magazin „Regionalsport“ zu seiner Vertragssituation, „aber im Fußball sollte man keine Versprechen geben.“

Doch wer weiß, vielleicht bleiben „Paqa“ und „Kofi“ ja doch. Vielleicht geht der Club „all in“ und will die schwer ersetzbaren Leistungsträger halten, um einen neuen Anlauf auf die Bundesliga zu wagen. Das wäre ein mutiges Signal, das den Fans den Blick in die Zukunft erleichtern würde.

Ab etwa 18 Uhr soll die Mannschaft am Sonntag vor dem Knust in der alten Rinderschlachthalle gefeiert werden. Mit Live-Musik „wollen wir noch einmal auf spektakuläre Siege der vergangenen Saison anstoßen, über Niederlagen diskutieren und den Blick gemeinsam nach vorne richten“, teilte der Verein mit. Dabei ist dann auch Sänger Thees Uhlmann und singt sein legendäres St. Pauli-Lied: „Und eines ist wirklich sicher, dass die Tragik St. Pauli kennt.“ Selten passte das besser als in dieser Rückrunde.

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