FC St. Pauli

Nach Aufstiegs-Aus auf Schalke: Schultz kündigt Umbruch an

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St. Pauli verspielt auf Schalke die letzte Aufstiegschance

Trotz einer 2:0-Führung gehen die Hamburger als Verlierer vom Platz – und Königsblau feiert die Rückkehr in die Bundesliga. Die Highlights.

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Das 2:3 war für die Einen der Aufstieg, für die Andere eine Lektion. Wie es beim Kiezclub nun mit dem Kader weitergeht.

Gelsenkirchen/Hamburg. Tief in der Nacht zum Sonntag endete die letzte Busfahrt der Mannschaft des FC St. Pauli in dieser Saison. Mit im Gepäck auf der Reise von Gelsenkirchen nach Hamburg war die bittere Erkenntnis, dass mit der 2:3 (2:0)-Niederlage beim FC Schalke 04 nun auch der letzte Funken Hoffnung auf den Bundesligaaufstieg erloschen ist. Dass das Team nun unfreiwillig auch noch unmittelbarer Zeuge der Schalker Aufstiegsekstase wurde, drückte zusätzlich auf die eigene Stimmungslage.

Dies war auch Trainer Timo Schultz anzumerken, der eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff und dem damit ausgelösten Platzsturm Tausender Fans nicht mehr viel zum durchaus ereignisreichen Spiel sagen wollte, sondern erst einmal nur artig seinem Kollegen Mike Büskens zum Aufstieg gratulierte. Als dann das Schalker Idol begann, über seine Mannschaft und deren Teamgeist zu schwärmen, saß Schultz mit stoischer Miene auf seinem Stuhl und schaute ins Leere.

Es war zu spüren, dass er darüber sinnierte, auch selbst in der Position hätte sein zu können, über ein Aufstiegsteam zu reden. Nach der sensationellen Hinrunde mit 36 Punkten wäre dafür bei Weitem keine Wiederholung dieser überragenden Ausbeute, sondern „nur“ eine für ein ambitioniertes Team halbwegs normale Rückserie vonnöten gewesen.

FC St. Pauli landet in der Tabelle mal wieder hinter dem HSV

Auch wenn die Niederlage in der mit 62.271 Zuschauenden ausverkauften Schalker Veltins-Arena das Ende aller noch vagen Aufstiegschancen besiegelte, so war letztlich nicht dieses Spiel dafür ausschlaggebend, dass der Club vom Millerntor nun auch ein zwölftes Jahr in Folge in der Zweiten Liga verbringen muss. Vielmehr hatte die Negativentwicklung unmittelbar nach dem 2:1-Heimsieg im Hinspiel gegen die damals noch kriselnden und auf Rang acht stehenden Königsblauen eingesetzt. Ganze vier Spiele gewann St. Pauli in den mehr als fünf Monaten seither. Gegenüber Schalke 04 büßte die Mannschaft in dieser Zeit nicht weniger als 17 Punkte ein.

Dazu ging die Heimstärke verloren, die angesichts von neun Rückrundenspielen im Millerntor-Stadion als wichtiger Vorteil angesehen worden war. Doch nur Heidenheim (1:0) und Karlsruhe (3:1) wurden hier noch bezwungen. Dass sich der FC St. Pauli am Ende nun doch wieder hinter dem Stadtrivalen HSV einsortiert hat, frustriert die Fanseele.

Schalke-Spiel als Sinnbild einer gesamten Saison

Immerhin gelang es St. Pauli in der beeindruckenden Atmosphäre der geschlossenen Veltins-Arena, nicht nur das Opferlamm zu spielen, sondern dank einer Wiederentdeckung der offensiven Effektivität und zweier Geniestreiche von Stürmertalent Igor Matanovic mit 2:0 in Front zu gehen. Das verlieh dem Spiel fast bis zum Ende Spannung, umso größer waren – nach den beiden Treffern von Simon Terodde – die Eruptionen auf den Rängen beim 3:2-Führungstor des Ex-St.-Paulianers Rodrigo Zalazar und beim Abpfiff. „Wir müssen anerkennen, dass der Gegner eine höhere Qualität auf dem Platz hatte“, stellte Schultz treffend fest. Gerade einmal elf Spieler hatte er zusammenbekommen, die die ganze Woche hatten trainieren können. Die Ersatzspieler waren jeweils nur ein- oder zweimal auf dem Platz gewesen.

„Für uns ist es eine harte Lektion, aus der wir lernen müssen“, fasste St. Paulis australischer Mittelfeldspieler Jackson Irvine das Geschehen des Spiels zusammen. Diese Aussage konnte aber auch auf diese gesamte Saison gemünzt gewesen sein, die ja durchaus Parallelen zu St. Paulis Match auf Schalke aufwies – erst sensationell, um dann doch noch einzubrechen und am Ende mit leeren Händen dazustehen. Dass die jetzt gesammelten 54 Punkte die beste Ausbeute seit den 62 Zählern vor zehn Jahren sind, ist allein der starken Hinrunde zu verdanken und angesichts der Talfahrt der vergangenen Monate fast nur noch ein Randaspekt.

Vier Spieler müssen gegen Düsseldorf gesperrt zuschauen

Trainer Schultz ist daher sehr wohl bewusst, dass das finale Saisonspiel am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) im längst ausverkauften Millerntor-Stadion gegen Fortuna Düsseldorf für die gesamte Stimmungslage im Team, im Verein und im Umfeld im Hinblick auf die kommende Spielzeit eine wichtige Bedeutung hat. „Wir wollen auf jeden Fall mit einem Sieg die Saison verlassen, auch wenn Düsseldorf seit zwölf Spielen ungeschlagen ist. Das Ziel ist, eine gute Saison, die sie immer noch ist, auch mit einem guten Gefühl zu beenden. Das sind wir uns selbst, aber auch unseren Fans gegenüber schuldig“, sagte er.

Beim Versuch, dieses letzte Ziel der Saison zu erreichen, wird Schultz ein weiteres Mal ein Personalpuzzle zu lösen haben. Gleich vier Spieler aus der Startformation vom Sonnabendabend sind dann gesperrt: Marcel Beifus (Rot), Doppeltorschütze Igor Matanovic (Gelb-Rot), Mittelfeldspieler Afeez Aremu und der umworbene Top-Offensivakteur Daniel-Kofi Kyereh (je fünfte Gelbe Karte), der womöglich gar nicht mehr für St. Pauli spielen wird. Eine herbe Schwächung wird sein Fehlen sowohl am Sonntag als auch in der Zukunft sein.

„Wir werden uns ein Stück weit neu erfinden müssen. Wir müssen sehen, was wir zur Verfügung haben und wofür wir stehen wollen“, kündigte Trainer Schultz schon einmal vielsagend an. Das klang dann schon verdächtig nach einem größeren Umbruch.

Schalke 04: Fraisl – Vindheim (55. Aydin), Itakura, Kaminski, Ouwejan – Flick, Latza (79. Palsson) – Drexler (67. Zalazar), Churlinov (79. Idrizi) – Terodde, Bülter. St. Pauli: Smarsch – Zander, Beifus, Medic, Paqarada (79. Makienok) – Aremu (57. Ritzka) – Irvine, Benatelli (79. Daschner) – Hartel – Matanovic, Kyereh. Tore: 0:1 Matanovic (9.), 0:2 Matanovic (17.), 1:2 Terodde (47./Foulelfmeter), 2:2 Terodde (71.), 3:2 Zalazar (78.). SR: Marco Fritz (Korb). Zuschauende: 62.271 (ausverkauft). Rote Karte: Beifus wegen groben Foulspiels (81.). Gelb-Rote Karte: Matanovic (St. Pauli) wegen wiederholten Foulspiels (90.+5). Gelbe Karten: Latza (5), Vindheim (3), Idrizi (3) – Aremu (5), Medic (4), Kyereh (5). Statistik: Torschüsse: 22:5, Ecken: 4:3, Ballbesitz: 52:48 Prozent, Zweikämpfe: 118:86. Laufleistung: 117,93:116,32.

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