FC St. Pauli

Heimmacht St. Pauli muss sich auf Geisterspiele einstellen

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Philipp Ziereis ist seit wenigen Tagen Vater von Sohn Lio.

Philipp Ziereis ist seit wenigen Tagen Vater von Sohn Lio.

Foto: WITTERS

Für Kapitän Philipp Ziereis war die Unterstützung der Fans ein wichtiger Grund für den Vereinsrekord von acht Heimsiegen in Folge.

Hamburg. In welche Richtung es gehen wird, das hat sich schon seit einigen Tagen angedeutet: in Richtung Geisterspiele. Auch wenn am Dienstag noch nichts final entschieden war, ist Philipp Ziereis realistisch genug, davon auszugehen, dass in den beiden nächsten Heimspielen des FC St. Pauli am Sonnabend (13.30 Uhr) gegen Erzgebirge Aue und am kommenden Dienstag (20.45 Uhr) im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund keine bis extrem wenig Fans das Team unterstützen werden.

„Das ist jetzt eine Sache, mit der wir klarkommen müssen“, sagte der Mannschaftskapitän des Zweitliga-Tabellenführers am Dienstag, bevor er an der Kollaustraße mit seinen Kollegen die finalen Vorbereitungen auf die Rückrunde begann. Beim letzten Testspiel im Trainingslager in Benidorm am Sonnabend (2:0 gegen Beerschot/Belgien) war er nicht mehr bei der Mannschaft.

FC St. Pauli: Ziereis wurde Vater

Babyalarm – Ziereis durfte früher heimfliegen und schaffte es gerade so pünktlich zur Geburt von Sohn Lio nach Hamburg. „Es war knapp und etwas schwierig, aber es ist alles super gelaufen. Es war ein überragendes Gefühl. Ich schlafe jetzt zwar weniger, aber ich komme damit zurecht“, erzählt der junge Vater.

Das ist auch sein Motto für die drohenden Spiele vor leerer Kulisse: „Das sollte uns nicht daran hindern, unsere maximale Leistung abzurufen.“ Es ehrt den 28-Jährigen, dass er gar nicht erst versucht, schon im Vorfeld Entschuldigungen zu konstruieren, wenn der Jahresbeginn 2022 sportlich weniger erfolgreich werden sollte. Doch eines ist ja klar: „Die Stimmung im Stadion ist einfach eine andere.“

Vereinsrekord – auch die Fans hatten ein Anteil daran

Acht Siege gab es in den bisherigen acht Heimspielen der Saison, neuer Vereinsrekord – und der entscheidende Grund für Platz eins in der Tabelle. 8900 Zuschauer waren zum Saisonauftakt beim 3:0 gegen Holstein Kiel dabei, 23.401 Fans waren es beim 3:1-Sieg gegen Sandhausen, die bisherige Höchstmarke. „Daran, dass die Heimspiele so erfolgreich waren, haben die Zuschauer auch ihren Anteil“, sagt Ziereis, „das trägt uns ein Stück weit.“

Immerhin 15.369 Zuschauer durchschnittlich konnten die Stadiontore in der Hinrunde passieren. Die Sicherheitskonzepte ließen mehr nicht zu. Das letzte Mal mit 29.546 Zuschauern ausverkauft war die Arena am 1. März 2020 beim 3:1-Sieg gegen den VfL Osnabrück. In der gesamten Saison 2020/21 durften nur 3226 Fans den FC St. Pauli live anfeuern. Am auffälligsten war damals Präsident Oke Göttlich als „einsamer Rufer“ von der Haupttribüne.

„Vor Zuschauern zu spielen ist einfach etwas anderes“

„Wir haben uns alle in den vergangenen zwei Jahren darauf einstellen müssen, dass es immer wieder anders ist. Wir haben gelernt, es hinzunehmen, wie es kommt“, sagt der Kapitän. Er ist einer von nur sieben Spielern des aktuellen Kaders, die schon mal einen „Millerntor-Roar“ bei voller Hütte genießen durften.

„Vor Zuschauern zu spielen ist einfach etwas anderes“, betont Ziereis. Gerade gegen einen unangenehmen Gegner wie Aue, der als Vorletzter mit dem Rücken zur Wand steht, könnten die Fans helfen. „Wir wissen, dass ein sehr schwieriges Spiel auf uns zukommen wird“, sagt der Innenverteidiger: „Wir müssen auf uns schauen, unsere Leistung abrufen, dann haben wir gute Chancen, die drei Punkte zu behalten.“

Der FC St. Pauli hat den Südkoreaner Gwang-in Lee für seine Regionalligamannschaft verpflichtet. Der 20-Jährige wurde mit Kaufoption bis Saisonende vom portugiesischen Zweitligisten CD Mafra ausgeliehen.

( ah )

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