FC St. Pauli

Was Juwel Igor Matanovic von Guido Burgstaller lernt

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Igor Matanovic (18) gehört seit August Eintracht Frankfurt, spielt auf Leihbasis weiter für St. Pauli.

Igor Matanovic (18) gehört seit August Eintracht Frankfurt, spielt auf Leihbasis weiter für St. Pauli.

Foto: Leonie Horky/WITTERS

Der 18 Jahre junge Stürmer kämpft um seinen Platz neben dem Toptorjäger der Liga. Eine lange Zwangspause hat er genutzt.

Benidorm.  Die Sonne warf schon sehr, sehr lange Schatten auf den immer noch bestens bespielbaren Rasen in Benidorm, als am Freitag auch für Igor Matanovic die Nachmittagseinheit beendet war. Der immer noch erst 18 Jahre alte Stürmer des FC St. Pauli, der schon auf 23 Einsätze in der Zweiten Liga zurückblicken kann, genießt es, zum ersten Mal mit den Zweitligaprofis des Kiezclubs ein Trainingslager zu absolvieren. „Die Anlage ist top, mein Zimmer, der Platz, das Essen ist alles wirklich richtig gut“, schwärmt der junge Mann, der in Hamburg-Harburg aufgewachsen ist und nun schon seit fast zwölf Jahren für den FC St. Pauli spielt.

Auf den ersten Blick verwundert es schon, dass das noch bis Sonntag laufende Trainingslager für Matanovic eine Premiere ist, denn Trainer Timo Schultz hatte ihn schon im November 2020 erstmals in der Zweiten Liga eingesetzt. Doch zum Jahreswechsel 2020/21 gab es keine Zeit für ein Trainingslager, und als sich das Team im Mai und und im Juli jeweils in Herzlake einquartierte, fehlte Matanovic wegen einer Schambeinentzündung.

FC St. Pauli: Matanovic wollte das Positive sehen

So hat das Sturmjuwel also auch schon eine Schattenseite seines Berufes kennengelernt. Umso bemerkenswerter ist es, wie er sich mit dem rund halbjährigen Ausfall zwischen April und Oktober vergangenen Jahres arrangiert hat. „Die ersten Wochen waren schon echt schwer. Aber ich habe viel Unterstützung von meinen Eltern bekommen. Sie haben mir gesagt: Die Verletzung ist jetzt da, du kannst nichts ändern. Die Reha ist ein anderer Weg, an deinen Schwächen zu arbeiten“, berichtete er am Freitagmittag im Gespräch zwischen den beiden Trainingseinheiten des Tages.

„Ich hatte zum Beispiel früher Probleme an den Sprunggelenken. Da konnte ich dann daran arbeiten. Man muss die neue Chance sehen. Und es stand auch im Fokus, körperlich noch zuzulegen“, erzählte er weiter.

Matanovic kann sich gegen gestandene Profis durchsetzen

Tatsächlich ist erstaunlich, über welche Physis Matanovic jetzt neben seinen fußballerischen Qualitäten schon verfügt und sich gegen manchen gestanden Profi auch mit seiner Robustheit durchsetzen kann. Die Körpergröße von 1,94 Metern ist dabei sicher ein Vorteil, aber er ist eben nicht nur lang, sondern auch drahtig.

Überhaupt spielen seine Eltern, Mutter Ankica und Vater Branko, für sein Leben, aber auch speziell für seine bisher atemberaubende sportliche Karriere eine ganz große Rolle, wie er im Gespräch mehrmals sehr betont. „Ich wurde immer gefahren, musste nie mit Bus und Bahn zum Training. Ich hatte ja auch Schule bis 16 Uhr. Meine Mutter hat mich abgeholt und hat mir Essen mitgebracht. Ich habe dann auf dem Weg zum Training gegessen. Ich hatte echt ein Privileg, dass mich meine Eltern so unterstützt haben“, schwärmt er.

„Meiner Meinung nach bin ich auch mental stark"

Auch jetzt wohnt er noch bei ihnen in Harburg, kann aber inzwischen selbst zum Training fahren. Der tägliche Austausch aber ist ihm immer noch sehr wichtig: „Meiner Meinung nach bin ich auch mental stark. Das liegt daran, dass ich viel mit meinen Eltern spreche. Ich habe es auch gelernt, in schwierigen Situationen stark zu bleiben.“

Seit dem vergangenen Sommer konzentriert sich Matanovic zudem ganz auf den Profifußball, nachdem er sein Fachabitur in der Tasche hat. Bis dahin ging er noch auf die Eliteschule des Sports am Alten Teichweg. Dorthin war auch schon seine fünf Jahre ältere Schwester, eine Basketballerin, gegangen. Als Trainer kümmerte sich dort der frühere Fußballprofi Andree Fincke (53) um ihn. „Auch er hat mir sehr weitergeholfen. Er hat übrigens mit unseren Sportchef Andreas Bornemann zusammen in Freiburg gespielt“, erzählt Matanovic. Manchmal ist die so große Fußballwelt eben klein.

Matanovic „brennt in jedem Training"

Ebenfalls dankbar sei er Trainer Timo Schultz und dessen Co-Trainern. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man einem 17-Jährigen so ein Vertrauen schenkt“, sagt er und denkt dabei an seine ersten Spiele in der Zweiten Liga im Herbst 2020, als es für St. Pauli sportlich noch bergab ging. Aber auch die Wende ist mit seinem Namen verbunden, schoss er doch am 15. Januar 2021 das Siegtor zum erlösenden 3:2-Sieg in Hannover.

„Er muss noch viel lernen. Es ist das Schöne an ihm, dass er das auch will. Seine größte Stärke ist, dass er in jedem Training brennt, dass er besser werden will. Wenn wir ihn weiterhin behutsam aufbauen, dann werden wir noch viel Spaß an ihm haben“, sagt Trainer Schultz über Matanovic.

FC St. Pauli: Matanovic lernt von Guido Burgstaller

Zuletzt spielte das Sturmjuwel viermal in Folge in der Startelf neben Guido Burgstaller. „Ich bewundere, wie ruhig er in bestimmten Situationen immer bleibt. Das versuche ich mir abzuschauen. Auf dem Platz redet er viel mit mir und sagt, wohin ich laufen soll. Wir schauen uns auch zusammen mit Co-Trainer Loic Favé Szenen von ihm an. Davon kann ich viel lernen“, sagt Matanovic, der jetzt darum kämpft, den Platz neben Burgstaller zu behalten, wenn die Saison in einer Woche wieder startet.

Seit dem 31. August vergangenen Jahres gehört Matanovic dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt, der sich für eine Ablöse von rund 500.000 Euro seine Dienste sogar bis Mitte 2026 sicherte. Auf Leihbasis aber spielt er bis Mitte 2023 weiter für St. Pauli. „Für mich ändert dieser andere Status gar nichts. Auch die Mitspieler behandeln mich nicht anders“, beteuert der Stürmer und sagt weiter: „Ich fühle mich als richtiger St. Paulianer.“ Einem, der mit 18 Jahren zwei Drittel seines bisherigen Lebens für Braun-Weiß aufgelaufen ist, darf man dieses Bekenntnis schon abnehmen.

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