FC St. Pauli

Vertragsverlängerung? Der Kampf um Schultz könnte zäh werden

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Carsten Harms
Trainer Timo Schultz (l.) und Sportchef Andreas Bornemann.

Trainer Timo Schultz (l.) und Sportchef Andreas Bornemann.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

St. Paulis Coach relativiert die Erwartung einer baldigen Einigung und betont die Ambition, „irgendwann höchstmöglich“ zu trainieren.

Hamburg.  Es waren Sätze, die aufhorchen ließen. „Wir bewegen uns auf die Zielgerade zu. Ich glaube, dass wir da relativ weit gekommen sind und bald etwas verkünden können. Zu Weihnachten wäre es ein schönes Geschenk für die Fans“, hatte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann am Rande des 3:1-Heimsiegs gegen den SV Sandhausen am Mittwochabend gesagt. Nein, damit meinte der 50-Jährige nicht etwa die Chance auf die Hinrundenmeisterschaft in der 2. Fußball-Bundesliga, sondern die sich inzwischen seit Monaten hinziehenden Verhandlungen über die Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Timo Schultz, dessen Zweijahreskontrakt am 30. Juni kommenden Jahres ausläuft.

Dabei schien es bereits Mitte Juli nur noch um ein paar Details zu gehen. Schon damals hatte Bornemann, nachdem sein eigener Vertrag als Sportchef gerade verlängert worden war, gesagt: „Timo hat das Vertrauen, das wir in ihn gesetzt haben, mehr als gerechtfertigt. Wir haben noch einen langen Weg, den wir gerne gemeinsam gehen wollen. Jeder muss doch immer wissen, was er am anderen hat. Deshalb ist dann der logische Schritt, dass man das auch irgendwie mal besiegelt. Das kann schon passiert sein. Das kann schon bald sein. Das kann auch ein bisschen dauern.“

St. Pauli Trainer Schultz: Zähe Vertragsverhandlungen

Am Ende traf dann doch nur der letzte Satz zu. Denn ganz so unproblematisch, wie man angesichts der mehr als 16 Jahre langen Zugehörigkeit von Schultz zum FC St. Pauli glauben könnte, gestaltet sich die Verlängerung des Vertrages nicht. Konnte der Coach vor gut zehn Monaten, als sein Team als Tabellen-17. nach 15 Spieltagen der vergangenen Saison gerade einmal zehn Punkte auf dem Konto und 13 Partien in Folge nicht mehr gewonnen hatte, noch froh sein, dass die Vereinsführung ihm und seinen Fähigkeiten weiter vertraute, so haben sich die Verhältnisse grundlegend gewandelt.

33 Spiele und 66 Punkte später hat sich Schultz im deutschen Profifußball einen guten Namen gemacht. Er hat gezeigt, dass er in Zusammenarbeit mit seinen beiden jungen Co-Trainern Loic Favé und Fabian Hürzeler die einzelnen Spieler weiterentwickeln und dem gesamten Team eine Handschrift geben kann. Seine klare Ausrichtung auf einen mutigen, attraktiven Kombinationsfußball ist in der Zweiten Liga eher selten. Wenn diese Philosophie dann auch noch so erfolgreich ist, dass aus einem Abstiegskandidaten binnen eines knappen Jahres ein Tabellenführer und Aufstiegsanwärter wird, weckt dies Aufmerksamkeit auch bei Erstligaclubs.

Die Vertragsverhandlungen ziehen sich

Kurzum: Schultz weiß längst um seinen guten Ruf und Marktwert und befindet sich in einer starken Verhandlungsposition. Als extrem zäh hat sich in den vergangenen Monaten der Poker um die Vertragsverlängerung gestaltet, wie auch vereinsintern zu hören ist. Es liegt dabei auf der Hand, dass es nicht nur um eine ansehnliche Gehaltserhöhung, sondern auch um die Laufzeit und die inhaltliche Gestaltung einer Ausstiegsklausel geht. Nach Informationen des Abendblatts ist es mittlerweile nicht mehr realistisch, dass die Verlängerung am kommenden Mittwoch auf St. Paulis Mitgliederversammlung verkündet werden kann, wie zuletzt vermutet worden war. Möglicherweise wird sich das Ganze sogar noch ins neue Jahr hinziehen.

Auf Nachfrage blieb Timo Schultz am Donnerstag dann auch zurückhaltend, was den Termin einer Einigung und Verkündung angeht. „Es ist ja noch genug Zeit, das sind noch acht Monate“, sagte er. „Es hakt nirgends. Wir haben doch immer betont, dass wir wissen, was wir aneinander haben. Es ist alles auf einem guten Weg.“ Warum allerdings trotz der beschworenen gegenseitigen Wertschätzung noch nichts besiegelt wurde, konnte Schultz nicht sagen.

Timo Schultz: „Irgendwann höchstmöglich trainieren"

Er machte aber seine grundsätzlichen Ambitionen deutlich. „Ich will irgendwann schon höchstmöglich trainieren, das muss aber nicht sofort sein“, stellte er klar. „Mir macht es hier wahnsinnig viel Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Das ist das Entscheidende für mich und nicht das Geiern nach dem nächstmöglichen Job eine Liga höher oder wo es ein paar Euro mehr gibt.“

Für das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) wurde das Kartenkontingent für den Gästeblock von 2500 auf 650 Tickets reduziert. Grund sind die neuen Corona-Bestimmungen in Bayern. Insgesamt sind nur noch 12.500 Zuschauende unter 2G-plus-Bedingungen im Max-Morlock-Stadion zugelassen. Es gilt eine Maskenpflicht auch auf den Plätzen.

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