Zweite Bundesliga

Ex-HSV-Profi freut sich auf Duell gegen einen alten Rivalen

| Lesedauer: 5 Minuten
Patric Pfeiffer (22) hatte zuletzt viel Grund zum Jubel.

Patric Pfeiffer (22) hatte zuletzt viel Grund zum Jubel.

Foto: David Inderlied / dpa

Patric Pfeiffer war beim HSV gescheitert und wechselte zu Darmstadt 98. Jetzt freut er sich auf das Spiel gegen den FC St. Pauli.

Hamburg. „Wir sind gut drauf, die sind gut drauf“, sagt Patric Pfeiffer, „es wird auf jeden Fall ein heißes Spiel.“ Wie man es so verspricht als Spieler mit Blick auf die nächste Partie. Für den 22 Jahre alten Abwehrspieler von Darmstadt 98 ist das Spitzenspiel gegen den FC St. Pauli am Sonnabend (13.30 Uhr/Sky) unabhängig von der sportlichen Bedeutung besonders, in seinen Adern fließt schließlich immer noch etwas HSV-Blut.

„Natürlich ist das für mich auf jeden Fall speziell, wir hatten ja auch immer die Derbys in der Jugend“, erzählt Pfeiffer dem Abendblatt, „das war auch immer etwas ganz Besonderes. Trainer Timo Schultz und Finn Ole Becker kenne ich auch noch von früher.“ 2013, mit noch nicht 14 Jahren, wechselte der gebürtige Steilshooper vom Bramfelder SV zum HSV. Er wurde dort in allen U-Mannschaften ausgebildet, klopfte an die Tür zur Profitruppe, trainierte dort regelmäßig mit und unterschrieb mit 18 Jahren sogar einen Profivertrag bis 2021. Dennoch wechselte er im Sommer 2019 nach Darmstadt, wo er seit diesem Sommer Stammspieler in der Innenverteidigung ist.

Lieberknecht sagt Pfeiffer erfolgreiche Karriere voraus

„Patric ist ein wichtiger Bestandteil unseres Kaders und noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung“, sagt 98-Trainer Torsten Lieberknecht, „wenn er noch an Konstanz und Fokussierung arbeitet, bin ich überzeugt, dass er eine sehr erfolgreiche Karriere haben wird.“ Lieberknecht gilt als Schlüssel für den Darmstädter Aufschwung. Fünf der vergangenen sechs Partien haben die „Lilien“ gewonnen, die meisten Tore erzielt und sind auf Platz vier geklettert. Mit einem Sieg könnten sie St. Pauli überholen. „Der Trainer erreicht uns, wir harmonieren auf und neben dem Platz sehr gut“, erklärt Pfeiffer die Erfolgsserie.

Mit Klaus Gjasula, Frank Ronstadt, Torwart Morten Behrens und Lasse Sobiech bildet er eine Gruppe Darmstädter Spieler, die aus unterschiedlichen Gründen beim HSV gescheitert waren. „Es ist ganz cool, dass Darmstadt etwas kleiner ist als Hamburg“, sagt Pfeiffer und lässt durchklingen, dass dadurch möglicherweise Ablenkungen durch die große Stadt und Kumpels fehlen: „Ich konnte mich mehr auf den Fußball konzentrieren. Ich bin hier auch öfter am Trainingsgelände und mache mehr für mich.“

HSV wurde für Pfeiffer zur Sackgasse

Wenn er zweieinhalb Jahre zurückblickt, dann ist Pfeiffer auch selbstkritisch, räumt indirekt ein, damals beim HSV vielleicht nicht genug investiert zu haben. „Ich habe zwar bei den Profis mittrainiert, aber nur in der U 21 gespielt“, erzählt er. Spieler wie Rick van Drongelen, Kyriakos Papadopoulos oder Gideon Jung standen vor ihm in der Hackordnung. „Mir hat ein bisschen das Selbstvertrauen gefehlt, den Konkurrenzkampf anzunehmen“, räumt Pfeiffer heute ein, „es war damals auch für jüngere Spieler schwierig zu spielen.“

Das Angebot aus Darmstadt kam dann zur rechten Zeit. Der HSV hatte sich für ihn zu einer Sackgasse entwickelt. Manchmal ist es gut für die menschliche und dann auch berufliche Entwicklung, wenn man das heimische Umfeld verlässt. Auch wenn die privaten Beziehungen in die Heimat noch stabil sind. Erst kürzlich in der Länderspielpause war er auf Heimatbesuch, freute sich über das Wiedersehen mit seinen Eltern und zwei Geschwistern.

Pfeiffer: „Ich bin selbstständiger geworden“

Seit zwei Jahren hat er in Darmstadt seine eigene Wohnung, mit allem was dazugehört: „Ich wasche selbst, mache sauber, kaufe ein. Ich musste lernen, meinen Alltag zu organisieren. Das hat mir auf jeden Fall sehr, sehr geholfen, auch auf dem Platz“, meint Pfeiffer, „ich bin selbstständiger geworden.“ In seiner ersten Saison bei den Hessen reichte es nur für sieben überwiegend Kurzeinsätze. In der vergangenen Spielzeit hatte er sich dann schon etabliert, bevor er sich im April das Syndesmoseband riss. Anfang Februar verlängerte der Verein Pfeiffers Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2023.

Darmstadts Sportchef Carsten Wehlmann (als Profi beim HSV und beim FC St. Pauli unter Vertrag) lobte: „Er hat gezeigt, dass er in der Lage ist, sein Potenzial auf hohem Niveau kontinuierlich abzurufen.“ Dabei ließ er sich auch von einer Corona-Erkrankung zu Saisonbeginn nicht aufhalten. „Jetzt bin ich wieder bei 100 Prozent“, sagt Pfeiffer. St. Paulis Torjäger Guido Burgstaller wird das am Sonnabend überprüfen.

Darmstadt: Schuhen – Holland, Isherwood, P. Pfeiffer, Bader – Honsak, Gjasula, Kempe, Goller – Tietz, L. Pfeiffer.

St. Pauli: Vasilj – Zander, Ziereis, Medic, Paqarada – Aremu – Becker, Kyereh, Hartel – Burgstaller, Dittgen.

Das Gesundheitsamt Darmstadt hat für die Partie wegen der aktuellen Corona-Situation Maskenpflicht im gesamten Stadion angeordnet. Für das Spiel sind 13.000 Zuschauer zugelassen.

( ah )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli