Hamburger Kiezclub

So bekommt der FC St. Pauli seine Spieler wieder fit

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Hardt
James Morgan leitet beim FC St. Pauli die Bereiche Physiotherapie, Rehabilitation und Prävention.

James Morgan leitet beim FC St. Pauli die Bereiche Physiotherapie, Rehabilitation und Prävention.

Foto: IMAGO / Poolfoto PT

Die medizinische Abteilung an der Kollaustraße begleitet die Reha der Verletzten. Bei den Spielern wird auf regelmäßige Tests gesetzt.

Hamburg.  Am Tag nach dem Testspiel gegen Viborg FF (2:2) mischten Sebastian Ohlsson, Eric Smith, Igor Matanovic und Etienne Amenyido beim Training an der Kollaustraße mit. Vier Spieler, die zum Teil monatelang verletzt außen vor waren, tasten sich langsam, aber sicher wieder an die Mannschaft des FC St. Pauli heran, werden mit jedem Tag am Ball und auf dem Platz eine wahrscheinlichere Alternative für Trainer Timo Schultz. „Ich weiß nicht, wann ich wieder ganz der alte Sebastian bin“, sagte Rechtsverteidiger Ohlsson, „aber ich arbeite hart dafür.“

Dabei wird er wie alle Spieler, verletzt, angeschlagen oder topfit, intensiv von der medizinischen Abteilung des Zweitliga-Tabellenführers begleitet. Die Mannschaftsärzte Volker Carrero, Sebastian Schneider und Niklas Hennecke arbeiten eng mit den Physiotherapeuten James Morgan, Alexander Blase und Dominik Körner sowie den Athletiktrainern Christoph Hainc Scheller und Karim Rashwan zusammen.

Hamburger Kiezclub: Nach Verletzung folgt die Diagnose

„Grundsätzlich stimmen wir uns täglich miteinander ab“, sagt James Morgan, der seit Beginn dieser Saison Leiter der Physiotherapie, Rehabilitation und Prävention ist: „Auch das Trainerteam ist immer informiert, wo die einzelnen Spieler stehen.“

Die Abläufe sind dabei klar vorgegeben. Nach einer Verletzung erfolgt zunächst im Wesentlichen durch die Ärzte die genaue Diagnose. Die Umsetzung der Behandlung, das Rehatraining, Platzaufbautraining und die funktionellen Testungen übernehmen die Physios und Athletiktrainer. Natürlich hängt der Rehaplan von der Schwere der Verletzung ab. Unmittelbar nach der Verletzung ist zunächst oft eine Entlastung sinnvoll, danach steigern sich die Belastungen: funktionale und Kraftübungen, Lauftraining, individuelles Training mit Ball.

Regelmäßige Tests für alle Spieler

So sah man in den vergangenen Trainingstagen Lukas Daschner immer öfter auf dem Trainingsplatz an der Kollaustraße laufen, regelmäßig begleitet von einem der Athletiktrainer, der dem Mittelfeldspieler Tempo und Belastung vorgibt. Daschner hatte Anfang August im Training eine schwere Knieverletzung erlitten, bei der Kapsel und Bänder geschädigt wurden.

„Wir führen mit allen Spielern regelmäßig Tests durch, um für die Belastungssteuerung und Reha immer auch eine objektive Datengrundlage heranziehen zu können“, erklärt Morgan, den Sportchef Andreas Bornemann aus Nürnberg kannte und vom „Club“ nach Hamburg lockte. „Das betrifft nicht nur Spieler, die aus Verletzungen kommen.“

Spieler tragen GPS-Sender am Körper

Der FC St. Pauli checkt ständig den Belastungszustand aller Profis. „Ein großer Teil unserer Arbeit betrifft die Verletzungsprävention“, sagt Morgan. „Auch dafür spielen die individuellen Daten, die wir erheben, eine wichtige Rolle.“ Die Profis tragen immer einen GPS-Sender am Körper, um Laufdistanzen oder die Anzahl von Sprints analysieren zu können. Das ist ein wichtiges Tool, um Verletzungen vorzubeugen.

Um einen verletzten Spieler tatsächlich wieder spielfähig zu bekommen, muss er sowohl klinische Tests als auch objektive Tests wie Kraftmessungen und schließlich den Test sportspezifischer Bewegungsmuster auf dem Platz bestehen. Erst wenn alle Stationen im Rahmen des individuellen Aufbautrainings geschafft sind, wird der Spieler ins Mannschaftstraining reintegriert.

Spieler werden jederzeit gut betreut

„Oft werden noch einige Wochen im kompletten Mannschaftstraining gebraucht, bevor ein Spieler konditionell in der Lage ist, ein Bundesligaspiel über 90 Minuten zu absolvieren“, so Morgan. Smith, Ohlsson, Matanovic und Amenyido sind offenbar noch nicht so weit, sie waren gegen Viborg 45 intensive Minuten im Einsatz und danach „tot“ (Ohlsson).

Ein Arzt, drei Physios und zwei Athletiktrainer sind an der Kollaustraße bei jedem Training im Einsatz. Für die Spieler gibt es so auch die Möglichkeit, über die routinemäßige Betreuung hinaus eine Sprechstunde bei mehr oder weniger ersten „Wehwehchen“ zu erhalten. „Sie können jederzeit zu uns kommen und nutzen dieses Angebot auch gut“, erklärt Morgan. Für einen möglichen Aufstieg reicht nicht nur sportliche Klasse, es darf auch möglichst keine Verletzungen von wichtigen Spielern geben – auch in diesem Bereich scheint der FC St. Pauli gut aufgestellt zu sein.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli