FC St. Pauli

Leart Paqarada – vom „Bruder Leichtfuß“ zum Unersetzlichen

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Andreas Hardt
Leart Paqarada jubelte im Pokal in Dresden sogar als Torschütze.

Leart Paqarada jubelte im Pokal in Dresden sogar als Torschütze.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Der 27-Jährige wurde bei St. Pauli zum besten Außenverteidiger der 2. Liga. Was ein Förderer aus Sandhausen über Paqarada sagt.

Hamburg. Noch vier Tage Zeit. Das ist beruhigend – einerseits. Andererseits ist es immer ein Problem, wenn ein Spieler beim Training fehlt. Leart Paqarada jedenfalls mischte weder am Dienstag noch am Mittwoch bei den Übungseinheiten des FC St. Pauli an der Kollaustraße mit. Die Zeit bis zum Zweitligaspiel am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) gegen den SV Sandhausen wird knapper.

Und der 27 Jahre alte Linksverteidiger gehört neben Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh zu den Spielern, die für Trainer Timo Schultz unersetzlich sind. „Momentan überlege ich noch nicht einmal, ob ich ihn rausnehme“, sagte Schultz nach der letzten Partie in Bremen.

St. Pauli: Nur einer spielt mehr als Paqarada

Also packen sie ihn in Watte, pflegen den angeschlagenen Körper. Im Weserstadion humpelte er als letzter mit schiefem Gang und Kniebandagen vom Platz, die Anstrengungen der Saison hinterlassen bei dem Dauerbrenner ihre Spuren.

In allen 14 Pflichtspielen stand er in der Anfangsformation, absolvierte 1246 Minuten, nur Jakov Medic (1274) hat mehr. Gegen Sandhausen soll er, muss er, noch einmal die Zähne zusammenbeißen, danach ist Länderspielpause.

Paqarada: Alois Schwartz erkannte sein Talent

Das Spiel gegen Sandhausen ist ja auch so etwas wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Dort hat Leart Paqarada schließlich vor sieben Jahren seine Profikarriere begonnen. Aus der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen holte der SVS ihn 2014 als 19-Jährigen in den Rhein-Neckar-Kreis.

Trainer war damals Alois Schwartz (54), der den Club inzwischen erneut betreut und sich am Sonntag auch auf ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Spieler freut. „Wir haben damals schon in Leart einen jungen und dynamischen Linksverteidiger gesehen, von dem wir glaubten, dass er dauerhaft im Profifußball Fuß fassen kann“, erzählt Schwartz dem Abendblatt: „Mit dieser Einschätzung lagen wir nicht so falsch.“

160 Spiele hat „Paqa“ für den SVS bestritten, bevor er im Sommer 2020 ans Millerntor wechselte. Ablösefrei – ein Super-Schnapper. „Leart hat eine beeindruckende Entwicklung vom Talent zum gestandenen Zweitligaprofi genommen. Das sagt alles“, lobt Schwartz.

Paqarada war in Sandhausen „Bruder Leichtfuß“

In aktuellen Statistiken ist der in Aachen geborene Deutsch-Kosovare tatsächlich der beste Außenverteidiger der Liga. Er leistet in allen wichtigen Kategorien Überdurchschnittliches. 75 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind für Außenverteidiger außergewöhnlich, kein Spieler auf dieser Position hat mehr Torschussvorlagen und mehr progressive Pässe, mit denen das Team dem Tor näher kommt.

„Er verfügt wirklich über einen feinen linken Fuß, Flanken und Standards sind außergewöhnlich gut“, lobt Schwartz, „bei uns in Sandhausen war er jedoch immer mal wieder ein bisschen Bruder Leichtfuß, Das hat er mit der Zeit aber deutlich verbessert.“

Schwartz will Paqaradas St. Pauli nerven

Die Weiterentwicklung in Hamburg hat neben der persönlichen Reife – er wurde im Sommer zum zweiten Mal Vater einer Tochter – auch etwas mit dem Team insgesamt zu tun, glaubt Schwartz: „Die Entwicklung der Mannschaft und von Paqarada gehen Hand in Hand. St. Pauli hat eine gute Mischung und ist eingespielt. Die Automatismen greifen, davon profitiert auch jeder einzelne Spieler.“

Seit 22. September ist Schwartz wieder Trainer beim SVS. In fünf Spielen gab es nur eine Niederlage, die Abstiegsränge wurden verlassen. Schwartz wird sich etwas einfallen lassen, um auch St. Pauli zu „nerven“ und seinen alten Schützling Paqarada zu neutralisieren. Dennoch ist sich Sandhausens Trainer sicher: „St. Pauli wird in dieser Saison bis zum Schluss eine gute Rolle spielen.“

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