Taktik und Mentalität

St. Paulis Fußballkünstler können auch anders

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Leart Paqarada war an zwei Toren direkt beteiligt.

Leart Paqarada war an zwei Toren direkt beteiligt.

Foto: Jan Woitas / dpa

Im DFB-Pokal mussten die Hamburger alte Tugenden nachweisen. Die werden sie auch in den kommenden Wochen brauchen.

Dresden/Hamburg.  Als sich die Spieler des FC St. Pauli am gestrigen Donnerstagnachmittag im Trainingszentrum an der Kollaustraße zum Training trafen, war es rund zwölf Stunden her, dass sie nach ihrem erfolgreichen Pokaltrip nach Dresden wieder in der Hansestadt angekommen waren. Weil sie für ihren 3:2-Sieg bei Dynamo eine Verlängerung benötigt hatten, hatte ihr Charterjet am späten Mittwochabend nur noch in Hannover landen dürfen.

Bis der Bus dann in Hamburg eintraf, war es kurz vor 3 Uhr, wie Trainer Timo Schultz berichtete. Ihm war wichtig gewesen, dass die Spieler, die den Pokalkampf allesamt ohne größere Blessuren überstanden hatten, im heimischen Bett schlafen können. Daher kam eine Übernachtung in Dresden nicht in Betracht.

FC St. Pauli: Kampf- und Teamgeist waren gefragt

Hatte die Mannschaft des FC St. Pauli in der bisherigen Saison vor allem mithilfe ihrer spielerischen Klasse die meisten ihrer bisher acht Siege in der Zweiten Liga eingefahren und mit einem flüssigen Kombinationsfußball begeistert, so waren jetzt beim Erfolg in Dresden ganz andere Tugenden gefragt – allen voran Kampf- und Teamgeist sowie eine starke Mentalität.

Dresdens Trainer Alexander Schmidt hatte die Lehren aus der 0:3-Niederlage in der Liga Anfang Oktober am Millerntor gezogen und sein Team defensiv anders ausgerichtet. „Sie haben uns das Leben richtig schwer gemacht“, konstatierte St. Paulis Trainer Timo Schultz.

Eine zentrale Maßnahme von Dresdens Trainer war dabei ein Griff in die Mottenkiste der Fußballtaktik. Er betraute Abwehrspieler Robin Becker mit der Aufgabe, St. Paulis torgefährlichen „Zehner“ Daniel-Kofi Kyereh auf Schritt und Tritt zu bewachen – eine klassische Manndeckung also, die im heutigen Profifußball praktisch ausgestorben ist.

Gegner lassen sich taktisch einiges einfallen

„Das mache ich auch nicht gern als Trainer. In dem Fall hat uns sehr geholfen, weil eben Kyereh für mich im Moment mit der beste Zweitligaspieler ist und einfach der entscheidende Faktor bei St. Pauli“, sagte Schmidt dazu. So ganz aus dem Spiel konnte Becker den Hochgelobten aber nicht nehmen. Kyereh­ legte das Tor zur 1:0-Führung durch Leart Paqarada per Kopf auf.

Die St. Paulianer müssen damit rechnen, dass sich auch kommende Gegner taktische Finessen ausdenken werden, um die Offensiv-Maschinerie der Hamburger (27 Liga- und sechs Pokaltore) aufzuhalten. Diesen Respekt gegnerischer Übungsleiter hat sich das St.-Pauli- Team in den vergangenen Monaten erarbeitet. „Man kann nicht immer erwarten, dass alles super toll aussieht und man sich Chancen am Fließband erspielt“, sagte Trainer Schultz daher auch.

Schultz sieht große Weiterentwicklung

Für den weiteren Saisonverlauf ist es eine wichtige Erkenntnis, dass bei aller Freude über das erreichte spielerische Niveau die kämpferische Leidenschaft, die in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison die Grundlage für den erfolgreichen Kampf gegen den Abstieg bildete, noch immer abrufbar ist, wenn es darauf ankommt und der Gegner keinen Raum bietet. Schultz ging sogar noch weiter: „Vor einem Jahr wären wir nach den schnellen Gegentoren nach unseren Führungen wahrscheinlich nicht als Sieger vom Platz gegangen.“

„Wir haben ja einen unheimlichen Sprung gemacht, dass wir gut Fußball spielen. Aber es freut mich, dass wir dabei auch noch Mentalität zeigen und auch bei solchen Spielen am Ende als Sieger dastehen“, befand derweil Siegtorschütze Christopher Buchtmann.

FC St. Pauli tritt gegen Werder Bremen an

Auch am Sonnabend (13.30 Uhr/Sky) wird diese Qualität gefragt sein, wenn das Millerntorteam beim Bundesliga-Absteiger Werder Bremen antritt. Das Team von der Weser hatte dank seines Erstrundenaus in Osnabrück jetzt keine körperliche Belastung durch den Pokal, steht aber wegen der unbefriedigenden Ausbeute von 15 Punkten als Tabellenzehnter schon erheblich unter Druck.

„Bremen wird ein hartes Stück Arbeit“, ahnte bereits Siegtorschütze Christopher Buchtmann nach dem Abpfiff in Dresden. Die Mittel, seinerseits Werder Bremen vor Probleme zu stellen, hat St. Pauli aber auch – fußballerisch und in Sachen Mentalität.

( C.H./jal )

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