DFB-Pokal

Sieg in Dresden: FC St. Pauli beendet die Pokal-Durststrecke

| Lesedauer: 5 Minuten
Carsten Harms
Der eingewechselte Christopher Buchtmann erzielte in der Verlängerung das 3:2-Siegtor für den FC St. Pauli gegen Dynamo Dresden.

Der eingewechselte Christopher Buchtmann erzielte in der Verlängerung das 3:2-Siegtor für den FC St. Pauli gegen Dynamo Dresden.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Die Hamburger erreichen durch ein 3:2 nach Verlängerung in Dresden erstmals seit 16 Jahren das Achtelfinale.

Dresden.  Der FC St. Pauli kann in dieser Saison auch Pokal. Aus 45 Minuten Langeweile wurde am Mittwochabend noch ein mitreißender Pokalfight mit einem fröhlichen Ende für St. Pauli, das 3:2 nach Verlängerung bei Dynamo Dresden gewann und ins Achtelfinale des DFB-Pokals einzog – zum ersten Mal seit 16 Jahren. Für einen ausgelassenen Jubel nach dem Schlusspfiff allerdings fehlte den meisten Spielern nach mehr als zwei Stunden allerdings die Kraft. Leart Paqarada, Maximilian Dittgen und Christopher Buchtmann waren die gefeierten Torschützen.

„Wir sind kein unverdienter Sieger, aber ein glücklicher Sieger“, sagte Trainer Timo Schultz nach den nervenaufreibenden 120 Minuten, „Es war ein Spiel mit offenem Visier.“ Er hatte drei Tage nach dem 4:0-Sieg gegen Hansa Rostock auf jegliche Rotation bei seinen Feldspielern verzichtet. Lediglich im Tor bekam wie seit Saisonbeginn festgelegt Dennis Smarsch in diesem Pokalspiel den Vorzug vor Nikola Vasilj. „Müdigkeit entsteht vor allem im Kopf“, sagte Schultz. „Bei dem Lauf, den wir gerade haben, wird es kein Faktor sein, dass wir in die Verlängerung mussten.“

DFB-Pokal: Dresden trat mit Respekt vor St. Pauli an

Wer erwartet hatte, dass die Dresdner stürmisch beginnen würden, sah sich getäuscht. Der Respekt vor dem Zweitliga-Tabellenführer war so groß, dass sich das Heimteam möglichst keine Blöße geben wollte. So hatte St. Pauli etwas mehr Ballbesitz, ohne sich allerdings zwingende Chancen herauszuspielen. Vom erwarteten „heißen Pokalfight“ war praktisch nichts zu sehen.

So fühlten sich offenbar die Dynamo-Anhänger auf der Fantribüne animiert, sich auf ihre Weise zu profilieren. Als St. Paulis rechter Außenverteidiger Luca Zander nach einem Zusammenprall mit Heinz Mörschel am Kopf verletzt auf dem Rasen behandelt wurde, skandierten sie: „Lass ihn liegen, Scheiße tritt sich fest.“ Kommentar überflüssig.

Gelb für Kyereh und Herrmann

Giftig auf dem Spielfeld wurde es erst, als Schiedsrichter Sven Waschitzki schon zur Pause gepfiffen hatte. Als Kyereh die Hand von Robin Becker ins Gesicht bekam, leistete er sich einen Schubser und wurde von Luca Herrmann angegangen. Umgehend kam es zu einer Rudelbildung, die Waschitzki mit Gelb für Kyereh und Herrmann beendete.

Waschitzki spielte auch in der zweiten Hälfte eine wichtige Rolle, als er Guido Burgstallers Tor zu vermeintlichen 1:0-Führung (57.) zunächst gab, dann aber nach Dresdner Protesten und der Intervention seines Linienrichters Jochen Gschwendtner wieder zurücknahm. Burgstaller hatte seine linke Hand mit im Spiel, bevor er auf und in das Tor schoss. Die Szene aber war so etwas wie das Startsignal für einen dann doch mitreißenden Pokalfight, in dem St. Pauli zweimal in Führung ging und jeweils fast postwendend den Ausgleich kassierte.

St. Paulis 2:1-Führung hielt nur zwei Minuten

Zunächst war es Leart Paqarada, der eine Kopfballvorlage von Kyereh flach zum 1:0 ins Tor schoss (64.). St. Paulis Defensive leistete sich zwei Minuten später allerdings Unsicherheiten, die zum 1:1 durch Christoph Daferner führte. Insbesondere, wie sich Rico Benatelli den Ball abluchsen ließ, war haarsträubend. Allerdings stand Vorlagengeber Chris Löwe klar im Abseits.

Auch St. Paulis 2:1-Führung (72.) hielt nur zwei Minuten. Diesmal war Paqarada mit einem Freistoß von links der Vorlagengeber, Dittgen lenkte den Ball mit dem Kopf ins Tor. Der erneute Ausgleich war dann für Kapitän Philipp Ziereis bitter, weil er vom agilen Morris Schröter, der sich auf der rechten Seite durchgesetzt hatte, so scharf angeschossen wurde, dass der Ball von seinen Beinen ins St.-Pauli-Tor abgefälscht wurde – 2:2 (74.).

St. Pauli wollte Verlängerung vermeiden

Die 16.000 Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion bekamen also eine Verlängerung zu sehen, die St. Pauli unbedingt hatte vermeiden sollen. Der Reiseplan, nach dem Spiel wieder nach Hamburg zu fliegen, war wegen des Landeverbots nach 23 Uhr somit zur Makulatur geworden. Stattdessen flog das Team nach Hannover und reiste anschließend mit Bussen nach Hamburg. „Die Spieler sollen im eigenen Bett schlafen“, begründete Schultz die Maßnahme.

Immerhin sollte die Stimmung im Teambus trotz aller Erschöpfung bestens sein, denn St. Pauli ging auch in der Verlängerung in Führung, als der für Kyereh eingewechselte Christopher Buchtmann aus Mittelstürmer-Position Burgstallers Pass zum 3:2 (101.) nutzte. „Es spricht für die Mannschaft, dass wir nach den beiden Rückschlägen, das Spiel doch für uns entschieden haben“, sagte Paqarada. Und Buchtmann strahlte: „Das Spiel zeigt unsere Mentalität, dass wir immer wieder kommen und im Flow bleiben.“

Dresden: Broll – Becker (77. Sollbauer), Akoto (109. Diawusie), Aidonis, Löwe – Will – Herrmann (62. Kade), Schröter - Mörschel – Königsdörffer (62. Seo), – Sohm (62. Daferner).

FC St. Pauli: Smarsch – Zander (84. Dzwigala), Ziereis, Medic, Paqarada – Aremu (46. Benatelli) – Irvine, Hartel (114. Lawrence) – Kyereh (67. Buchtmann) – Burgstaller, Dittgen (96. Amenyido).

Tore: 0:1 Paqarada (63.), 1:1 Daferner (66.), 1:2 Dittgaen (72.), 2:2 Ziereis (74., ET), 2:3 Buchtmann (101.). SR: Waschitzki (Essen). Z.: 16.000.

Gelb: Herrmann, Mörschel – Kyereh.

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