FC St. Pauli

Was setzt Schultz den „angriffslustigen“ Dresdnern entgegen?

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Andreas Hardt
Wie schon beim 3:2-Erfolg beim 1. FC Magdeburg in der ersten Runde des DFB-Pokals im August wird Dennis Smarsch das Tor des FC St. Pauli hüten.

Wie schon beim 3:2-Erfolg beim 1. FC Magdeburg in der ersten Runde des DFB-Pokals im August wird Dennis Smarsch das Tor des FC St. Pauli hüten.

Foto: Valeria Witters

St. Paulis Pokaltorwart wird auch in Dresden eingesetzt. Der Kiezclub hat eine Belastungsprobe vor sich – Samstag geht es gegen Bremen.

Hamburg.  Hauptsache, keine 120 Minuten Spielzeit – oder gar Elfmeterschießen. Das würde die ganze Reiseplanung über den Haufen werfen. In Hamburg herrscht schließlich Nachtlandeverbot: Um 23 Uhr ist Schluss. Egal ob der FC St. Pauli bis dahin aus Dresden vom DFB-Pokalspiel an diesem Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) bei Zweitligakonkurrent SG Dynamo zurückkommt – oder eben nicht. „Es kann eng werden“, sagt Trainer Timo Schultz, „bei einer Verlängerung schaffen wir es nicht.“

Einen Plan B haben sie natürlich schon in der Schublade an der Kollaustraße, aber so eine nächtliche Bus- oder Zugfahrt über knapp 500 Kilometer, die brauchst du nicht. Schon gar nicht, wenn bereits am Sonnabend um 13.30 Uhr das nächste Punktspiel auswärts bei Werder Bremen ansteht.

„DFB-Pokal ist scheißegal“, sangen einige St.-Pauli-Fans nach dem 4:0-Erfolg am vergangenen Sonntag gegen Hansa Rostock. Das sehen die Clubverantwortlichen völlig anders. Für den Einzug in das Achtelfinale gibt es schließlich 515.028 Euro Prämie vom DFB zuzüglich 45 Prozent der Zuschauereinnahmen von der dann folgenden Partie. Dieses Geld wäre natürlich hochwillkommen.

Zudem geht es um die „sportliche Ehre“: „Es ist für uns fast schon eine historische Chance, in die dritte Runde einzuziehen. Das haben wir seit 16 Jahren nicht mehr geschafft“, erinnert Schultz an die Saison 2005/06. Damals stieß St. Pauli mit dem Spieler Schultz als Drittligist bis ins Halbfinale vor und sanierte die Clubfinanzen. „Wir konzen­trieren uns voll auf das Spiel, keiner der Jungs wird geschont. Wir wollen weiterkommen“, betont der Trainer.

Nach dem Spiel gegen Dresden wartet schon Werder Bremen

Die Vorbereitungen auf die anspruchsvollen Dresden-Bremen-Tage haben deshalb schon am Sonntag begonnen. Die drei Ehrenrunden nach dem Triumph gegen Rostock waren keine, sondern ersetzten das Auslaufen. Zehn Minuten sollten dafür in lockerer Bewegung zugebracht werden, um den Laktatabbau zu fördern und die Durchblutung der Muskeln weiter auf hohem Niveau zu halten.

„Die Jungs haben dann noch eine Stunde in der Kabine gearbeitet“, erklärte Schultz, „wir haben alles dafür getan, die Körner wieder reinzubekommen, die wir gelassen haben.“ Normalerweise hätte es an diesem Mittwoch eine Doppeleinheit gegeben, um die Spieler zu fordern. Jetzt gibt es eben ein Spiel.

Gemeinsam mit den Physios, den Mannschaftsärzten und den Co-Trainern analysierte der Chefcoach genau die Lauf- und Belastungsdaten seiner Profis in den vergangenen Tagen: „Man muss sich das Gesamtvolumen von einigen Spielern ansehen, die teilweise ja auch bei ihrer Nationalmannschaft waren“, sagt der Chefcoach zur Extrabelastung für die Profis, „wir werden jeden Spieler in dieser Englischen Woche brauchen.“

Wer ist in der Startaufstellung?

Also wird es in Dresden einige Veränderungen in der zuletzt so erfolgreichen Stammelf geben. Klar ist aber nur, dass „Pokaltorwart“ Dennis Smarsch wieder für Nikola Vasilj zum Einsatz kommt, wie vor der Saison besprochen: „Er hat sich das mit seinen Leistungen in der ersten Runde in Magdeburg und im Training auch verdient.“

Darüber hinaus ist vieles denkbar. „Natürlich weiß ich, dass ich den einen oder anderen mal rauslassen muss von Anfang an“, sagte Schultz: „Die anderen scharren mit den Hufen. Jeder von denen hat die Berechtigung zu spielen.“ Möglich also, dass Jakov Medic eine Pause bekommt und von James Lawrence ersetzt wird. Finn Ole Becker könnte für Jackson Irvine starten, Christopher Buchtmann für Daniel-Kofi Kyereh, Rico Benatelli für Afeez Aremu oder Simon Makienok für Guido Burgstaller. „Wir haben eine gute Bank“, weiß Schultz, „wir gucken uns die Jungs in Ruhe im Abschlusstraining an – wer ist wie frisch – und machen uns dann Gedanken.“

Schultz: „Ich erwarte Dynamo ex­trem angriffslustig“

Die Wechselplanspiele für ein Pokalspiel sind zudem etwas anders als in der Liga. Könnte ja sein, dass es in die Verlängerung geht und man da auch noch frische Kräfte braucht. Zumal das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden voraussichtlich ein „Hexenkessel“ wird. „Wir wissen, dass es ein völlig anderes Spiel wird als in der Liga“, sagt Stürmer Maximilian Dittgen.

Vor drei Wochen hatte St. Pauli das Zweitligaheimspiel gegen Dynamo souverän 3:0 gewonnen. Da waren wegen der 2G-Regel keine Dynamo-Fans im Stadion. Jetzt kommen 16.000. „Es wird komplett anders, es wird extrem laut“, warnt Schultz, „ich erwarte Dynamo ex­trem angriffslustig. Und es wird äußere Einflüsse geben, um uns aus dem Tritt zu bringen.“ Ein weiterer Entwicklungsschritt wäre also, dennoch das eigene Spiel durchzusetzen – und zwar ohne Verlängerung. Man muss ja pünktlich nach Hamburg.

St. Pauli: Smarsch – Zander, Ziereis, Lawrence, Paqarada – Benatelli – Becker, Buchtmann, Hartel – Dittgen, Burgstaller.

Dresden: Broll – Akoto, Sollbauer, Aidonis – Becker, Stark, Herrmann, Löwe – Mörschel – Schröter, Daferner.

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